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Virologie: Immunschwäche-Virus im Mausmaki-Erbgut

Grauer MausmakiLaden...
Lentiviren wie der Aids-Erreger HIV können nicht nur Körperzellen infizieren, sondern ihr Erbgut auch in Keimzellen einschleusen und auf diesem Weg weitervererbt werden. Mit jeder Generation setzen dem Virus jedoch immer mehr Mutationen zu, und oft verliert es so schließlich seine Virulenz. Im aufgeschlüsselten Genom des grauen Mausmaki (Micocebus murinus) fanden Wissenschaftler nun völlig überraschend solche verstümmelten Lentivirus-Reste.

Schon vor 75 Millionen Jahren trennten sich die Halbaffen nach der Besiedlung Madagaskars geografisch von anderen Primaten. Dennoch entdeckten Forscher um Robert Gifford von der Stanford University School of Medicine beim Mausmaki ähnliche Lentiviren, wie sie in afrikanischen Primaten vorkommen. Auf Grund des Grades der Mutationen und verbliebenen Übereinstimmungen schätzen die Wissenschaftler, dass das Tier seit 85 Millionen Jahren eine spezielle Form des Simianen Immunschwäche-Virus (SIV), der Affenversion von HIV, vererbt. Diese war bisher ausschließlich von afrikanischen Primaten bekannt. Gifford vermutet jetzt, dass Asiatische- und Neuweltaffen zwar keine aktiven Lentiviren mehr verbreiten, sie allerdings schon vor zig Millionen Jahren in ihr Erbgut übernommen haben könnten. Damit wäre SIV viel älter als bisher vermutet. Die lange Zeit der Koevolution mit den Affen würde erklären, warum diese normalerweise nicht an Aids erkranken.

Sandra Czaja

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