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Immunsystem: Eingebaute Viren könnten erbliches Immungedächtnis sein

Auch unser Erbgut enthält Reste alter Viren. Nun gibt es Hinweise darauf, dass sie eine Funktion im Immunsystem erfüllen. Ähnlich wie CRISPR-Cas9 bei Bakterien könnten sie Viren abfangen.
Ein junges Wallaby steht in einer Graslandschaft und streckt die Zunge heraus. Nein, das ist kein Quokka. Aber fast.

Ins Erbgut eingebaute Virengene könnten eine Art verloren geglaubtes Immunsystem darstellen. Das vermutet eine Arbeitsgruppe um Emma F. Harding von der University of New South Wales in Australien anhand einer Analyse der RNA von Beuteltieren. Wie die Arbeitsgruppe in »Microbiology Australia« schreibt, sind viele dieser so genannten Endogenen Viralen Elemente (EVE) über Millionen Jahre stabil geblieben, was dafür spricht, dass sie eine Funktion erfüllen. Möglicherweise ähnelt das Prinzip dem CRISPR-Cas9-System in Bakterien, bei dem virales Erbgut im Bakteriengenom genutzt wird, um Viren abzufangen und ihre RNA zu zerstören. In diesem Fall wären die EVE, die auch im menschlichen Genom etwa acht Prozent ausmachen, eine Art erbliches Immungedächtnis. Bisher ist diese Funktion aber noch nicht nachgewiesen.

Das Team untersuchte die EVE im Erbgut von 13 Beuteltieren auf ihre Herkunft und ihre Aktivität – ob sie also in RNA übersetzt werden. Tatsächlich sei das bei einigen dieser Virenfragmente der Fall, schreibt die Gruppe um Harding. Allerdings werden sie nicht in Proteine übersetzt. Dafür ähneln sie bekannten antiviralen RNAs, die bei wirbellosen Tieren und einigen Pflanzen Teil des Immunsystems sind. Eigentlich waren Fachleute davon ausgegangen, dass dieses antivirale System bei Säugetieren verloren ging und durch das effektivere Interferonsystem ersetzt wurde. Dieses wird durch Virenerbgut alarmiert und löst in Körperzellen Veränderungen aus, die Viren bekämpfen. Zusätzlich legen Untersuchungen auch andere mögliche Erklärungen nahe. Die Entdeckung bei den Beuteltieren deutet jedoch darauf hin, dass das uralte System weiter aktiv sein könnte – womöglich auch bei uns Menschen.

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