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News: Impfen gegen das Vergessen?

Bei einer Impfung wird dem Immunsystem des Körpers ein abgeschwächter Krankheitserreger - oder Teile davon - präsentiert, so daß die menschliche Abwehr vorbereitet ist, wenn sie mit dem wirklichen Gegner konfrontiert wird. Auf ähnliche Weise könnte man einen Organismus auch dazu bringen, körpereigene Proteine zu bekämpfen, bei deren Synthese etwas schiefgegangen ist und die sich zu schädlichen Klumpen zusammenballen. Bei Alzheimer-Patienten ist die Bildung derartiger Plaques eng mit dem Fortschreiten der Demenz verbunden. In einem Modellversuch an Mäusen konnten Wissenschaftler mit einer Impfung die Proteinklumpen wieder auflösen. Ob das Verfahren auch bei Menschen anwendbar ist, werden aber erst zukünftige Testreihen zeigen müssen.
Niemand weiß, ob die Plaques in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten eine Ursache oder eine Folge der Krankheit sind. Fest steht jedoch, daß diese Proteinklumpen bereits in frühen Stadien des Leidens auftreten und sich vergrößern, wenn die Symptome schlimmer werden. Die Plaques bestehen aus Abeta42 – dem Fragment eines normalen Zellproteins.

Um Experimente an Gehirnen mit Proteinklümpchen durchführen zu können, haben verschiedene Arbeitsgruppen genetisch veränderte Mäusestämme erzeugt, deren Tiere Plaques entwickeln, ohne allerdings an schwerer Dementia zu leiden. Dennoch werden diese Mäuse als geeignetes Modellsystem für die menschliche Alzheimersche Erkrankung angesehen.

Dale Schenk von Elan Pharmaceuticals fragte sich, ob diese Mäuse bei einer Immunisierung mit beta-Amyloid (Abeta) Antikörper produzieren würden, die eine Plaquebildung verhindern könnten. Die Forscher in seinem Team injizierten einer Kontrollgruppe junger Mäuse Abeta und stellten fest, daß die Tiere weder Plaques bildeten noch Schädigungen der Nervenzellen aufwiesen. Spritzten sie das Proteinfragment aber älteren Nagern, die bereits Plaques in ihrem Gehirn hatten, so verschwanden die Proteinklumpen im Gehirn bald darauf. Bei näherer Analyse des Organs fanden die Wissenschaftler Amyloidprotein, das mit Antikörpern vermischt war, und Mikrogliazellen, die zum Immunsystem des Gehirns gehören (Nature vom 8. Juli 1999, Zusammenfassung). Klare Zeichen für eine geglückte Abwehrhandlung durch den Körper des Tieres.

Elan hofft, noch in diesem Jahr mit klinischen Tests am Menschen beginnen zu können. Er ist verhalten optimistisch, denn die Zusammenhänge könnten bei Menschen ganz anders sein. Aber entweder finden wir auf diese Weise eine tolle Therapie gegen Alzheimer, meint er, oder wir erhalten zumindest Einblick in den Mechnismus der Krankheit und die Rolle der Plaques.

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