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Impfnebenwirkung: Weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Gürtelrose-Impfung

Shingrix, der seit 2018 in der EU zugelassene Impfstoff gegen Gürtelrose, könnte überraschende Vorteile für die Herzgesundheit bieten – was steckt dahinter?
Zwei Impfstofffläschchen mit der Aufschrift „Adjuvans für Shingrix“ und „Antigen für Shingrix“ stehen nebeneinander auf einer roten Oberfläche. Die Fläschchen haben einen roten beziehungsweise grünen Verschluss. Im Hintergrund ist eine Spritze mit einer langen Nadel zu sehen.

Der Gürtelrose-Impfstoff Shingrix des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline stand bereits im Verdacht, das Risiko für Herzerkrankungen und Herzinsuffizienz zu senken. Eine Ende August 2026 veröffentlichte Arbeit, an der mehr als 70 000 Menschen teilnahmen, erhärtet diesen Zusammenhang. Die Studie von Fachleuten um Maxime Taquet von der britischen University of Oxford belegt, dass Menschen nach der Shingrix-Impfung mehr Zeit ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung verbringen. Selbst ein begrenzter Effekt auf die Herzgesundheit könnte große epidemiologische Auswirkungen haben und einen wertvollen Zusatznutzen der Impfung darstellen.

Gürtelrose: Wenn die Windpocken noch mal zuschlagen

Frühere Beobachtungsstudien deuteten darauf hin, dass der Impfstoff Shingrix neben der Vorbeugung von Gürtelrose zusätzliche Vorteile bieten könnte. Gürtelrose wird vom Varizella-Zoster-Virus verursacht, dem Virus, das auch Windpocken auslöst. Sie geht einher mit einem streifenförmigen, äußerst schmerzhaften Hautausschlag und tritt auf, wenn das Virus im späteren Leben im Körper reaktiviert wird. Am häufigsten passiert das bei älteren Menschen. Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb eine Impfung für alle über 60 sowie für Risikopatienten ab 18 Jahren.

Abgesehen von Gürtelrosefällen schien das Vakzin gemäß der vorherigen Arbeiten auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Demenz zu senken. Doch die meisten Studien verglichen geimpfte mit ungeimpften Personen, was den Nutzen größer erscheinen lassen kann, als er tatsächlich ist. Der Mitautor der aktuellen Studie, Maxime Taquet, nennt einen der Gründe dafür: Menschen, die sich für die Impfung entscheiden, sind in der Regel gesünder als solche, die dies nicht tun. 

Um dieses Problem anzugehen, wandten sich Taquet und seine Kolleginnen und Kollegen an TriNetX, eine Datenbank, die die elektronischen Gesundheitsakten von Menschen aus den gesamten Vereinigten Staaten umfasst. Sie verglichen die Herzgesundheit zweier Gruppen von mehr als 36 000 Menschen im Alter von 60 Jahren und darüber. Die eine hatte den rekombinanten Impfstoff Shingrix erhalten, die andere Zostavax, einen inzwischen nicht mehr vertriebenen Gürtelrose-Impfstoff. Shingrix ersetzte Zostavax in den Vereinigten Staaten ab Oktober 2017 (in der Europäischen Union wird das Vakzin seit 2018 verwendet), was es dem Team ermöglichte, ein natürliches Experiment durchzuführen.

Die Fachleute verfolgten über einen Zeitraum von sieben Jahren nach der Impfung die Häufigkeit von Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz und Schlaganfällen bei den Teilnehmenden. Sie betrachteten insbesondere die »Krankheitslast« – also die Zeitspanne, in der die Betroffenen mit einer diagnostizierten Herz-Kreislauf-Erkrankung lebten. So stellten sie fest, dass Menschen in den Jahren nach der Shingrix-Impfung im Durchschnitt neun Prozent mehr Zeit ohne Herz-Kreislauf-Erkrankung verbrachten als diejenigen, die Zostavax erhalten hatten. Ihr Risiko, eine Herzerkrankung oder eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, sank um zehn beziehungsweise zwölf Prozent. Das Team wertete dies als Anzeichen dafür, dass der neuere Impfstoff das Auftreten von Herzerkrankungen verhindern oder zumindest verzögern könnte. Darüber hinaus beobachteten sie bei Männern ein um zwölf Prozent geringeres Schlaganfallrisiko. 

Korrelation mit noch unklarem Mechanismus

Obwohl die Studie nicht untersuchte, wie Shingrix diese Effekte bewirken könnte, hat Taquet eine Vermutung: Die immunstärkende Komponente des Impfstoffs könnte bestimmte Immunzellen daran hindern, ein Zytokin namens IL-6 zu produzieren. Dieses Entzündungsprotein spielt auch bei Herzerkrankungen eine Rolle.

Sollten sich die Ergebnisse der Analyse bestätigen, spräche das für einen enormen Zusatznutzen des Vakzins. Millionen von Menschen lassen sich jährlich gegen Gürtelrose impfen. »Bereits ein geringer kardiovaskulärer Nutzen könnte deshalb zu einer beträchtlichen Anzahl vermiedener kardiovaskulärer Ereignisse auf Bevölkerungsebene führen«, betont Mark Russell, Rheumatologe am King’s College London, in einer Stellungnahme gegenüber dem Science Media Centre in London. Die Ergebnisse der Autoren untermauern ihm zufolge »die Möglichkeit, dass zumindest ein Teil des beobachteten Unterschieds auf den Impfstoff zurückzuführen sein könnte«.

Auch die nicht an der Studie beteiligte Epidemiologin und Expertin für Impfstoffentwicklung Emily Rayens wertet die Daten als »besonders spannend«. Sie seien robuster als jene aus früheren Arbeiten zu herzschützenden Wirkungen der Gürtelrose-Impfung. Dennoch brauche es weitere Studien, um zu bestätigen, dass die Impfung das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen tatsächlich senkt. »Wir können [aus den Daten] nicht endgültig auf einen kausaler Zusammenhang schließen«, fügt sie hinzu.

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