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Corona-Impfungen: Impfquote wird vermutlich unterschätzt

Eine RKI-Umfrage deutet darauf hin, dass es mehr mindestens einmal Geimpfte gibt als offiziell bekannt. Ein möglicher Grund sind fehlende Meldungen durch Betriebsärzte.
Patientin und Arzt während einer Impfung

Das Digitale Impfquotenmonitoring (DIM) erfasst vermutlich nicht alle einfach Geimpften. Darauf deuten Zahlen der vom Robert Koch-Institut von Ende Juni bis Mitte Juli unter 1005 Erwachsenen durchgeführten Covimo-Befragung hin, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten RKI-Report. Vor allem unter jungen Erwachsenen und Erwachsenen im mittleren Alter könnten demnach schon mehr Menschen eine erste Impfung erhalten haben als offiziell verzeichnet. Während laut DIM 59 Prozent der 18- bis 59-Jährigen mindestens eine Impfung erhalten haben, gaben das in der Befragung 79 Prozent an. Der wahre Wert liege vermutlich zwischen beiden Zahlen, schreibt das RKI.

Ursache der Diskrepanz könnte unter anderem die Impfung von Johnson & Johnson sein, die im DIM als Zweitimpfung gemeldet, womöglich in der Befragung aber als eine Impfdosis registriert wird. Kalkuliert man diesen Effekt ein, stiege die Quote der Erstimpfungen bei den 18- bis 59-Jährigen auf 66 Prozent. Im Report heißt es darüber hinaus, dass bisher nur etwa die Hälfte der beim Meldesystem registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Webanwendung meldeten. Die RKI-Fachleute diskutieren weitere denkbare Einflussfaktoren: etwa potenzielle Verzerrungen in der Befragung, die zu einer Überschätzung der Impfquote führen könnten. So sei anzunehmen, dass Menschen, die Impfungen befürworten, eher mitmachen als Verweigerer. Auch Menschen ohne ausreichende Deutschkenntnisse hätten nicht an den Interviews teilnehmen können.

Für beide Aspekte geben die Autoren aber zu bedenken, dass dann auch bei den vollständig Geimpften eine größere Abweichung zwischen den Quellen hätte auftreten müssen. Laut DIM sind rund 56 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft, bei Covimo gaben dies 59 Prozent an, die Differenz liegt im Bereich der Fehlerspanne der Befragung. Zusätzlich habe es bei den fünf vorherigen Covimo-Befragungen keine Abweichungen von den DIM-Zahlen gegeben. Neben der Impfquote erfasste die Covimo-Befragung auch die Impfbereitschaft. Demnach seien 91,6 Prozent der Befragten impfbereit oder bereits geimpft. Unter den über 60-Jährigen, die das höchste Risiko für schwere Verläufe haben, ist dieser Wert sogar schon überschritten. Laut Covimo-Befragung haben in dieser Gruppe 94,3 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten.

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