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News: Impfung gegen FSME mit RNA

Noch gibt es keinen RNA-Impfstoff für Menschen gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis. Doch im Tierversuch hat sich die abgeschwächte Erbsubstanz des Virus als taugliches Vakzin erwiesen.
Vakzine, die nur durch die Erbsubstanz DNA oder RNA des Erregers vor Krankheiten schützen sollen, sind eines der heißesten Forschungsgebiete der Impfstoff-Experten. Statt ganzer abgetöteter Krankheitserreger, gentechnisch hergestellter Teile oder abgeschwächter lebender Erreger will man durch Injektion von Erbsubstanz der Erreger einen Impfschutz erzeugen.

Professor Dr. Christian Mandl vom Institut für Virologie der Universität Wien sagt: "Allerdings gibt es da Bedenken bei der Verwendung von DNA. Sie lauten unter anderem darauf, daß diese DNA in den Zellkern integriert wird und womöglich Krankheiten erzeugen könnte."

Das Prinzip der Erbgut-Impfstoffe: Der Organismus soll dazu angeregt werden, selbst jene fremden Antigene zu produzieren, gegen welche die schützende Immunantwort entstehen soll. – Und das ohne den herkömmlichen Weg über die Krankheitserreger selbst.

Während es bei DNA-Impfstoffen die Bedenken gibt, könnte – so Mandl – die Sache bei Krankheitserregern, deren Erbsubstanz aus dem Gegenstück zur DNA – einer RNA – besteht, eventuell leichter sein. Der Wissenschaftler: "Darunter fallen die RNA-Viren wie FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis), die Erreger der japanischen Enzephalitis, Gelbfieber, Polio, Schnupfen etc. Das Gelbfieber-Vakzin ist beispielsweise der erfolgreichste Lebendimpfstoff. Aber die Arbeit mit lebenden Krankheitserregern ist kompliziert." – Das gelte natürlich auch für die Herstellung der Lebendimpfstoffe gegen die Polio.

Mandl und seine Co-Autoren haben deshalb im Labor die RNA-Erbsubstanz von FSME-Viren so verändert, daß sie nur noch für Erreger ohne Schädlichkeit "kodierte". Durch die Veränderungen wurde die Gefährlichkeit um das Zehntausendfache herabgesetzt. Die Erbsubstanz wurde dann auf mikroskopisch kleine Goldkügelchen aufgebracht.

Der Wissenschaftler: "Dann haben wir mit einer Genen-Kanone Labormäuse mit dieser FSME-RNA geimpft." Dabei werden den Tieren mit Überschallgeschwindigkeit die Goldkügelchen unter die Haut geschossen. Mandl: "Das stört sie aber weniger als eine normale Impfung mit einer Nadel. Nach vier Wochen bekamen die Tiere die hundertfache Dosis an normalen FSME-Viren injiziert, die für sie tödlich gewesen wäre.

Das Ergebnis: Die Tiere waren vor der "Zeckenkrankheit" geschützt. Das heißt, daß in ihren Zellen durch das Einfügen der FSME-RNA für geschwächte Erreger Antigene entstanden, auf die das Abwehrsystem der Mäuse mit der Bildung eines Schutzes reagierte.

Mandl: "Dieses Prinzip kombiniert die Vorteile von Vakzinen auf der Basis von Erbsubstanz mit jenen von Lebendimpfstoffen." – Vakzine aus abgeschwächten Krankheitserregern zeichnen sich generell dadurch aus, daß sie einen stärkeren und länger andauernden Impfschutz hervorrufen.

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