Direkt zum Inhalt

News: Impfung gegen Malaria?

Mancher Urlauber, der sich in den Tropen erholt hat, kehrt mit einem gefährlichen Mitbringsel nach Hause zurück: Malaria. Seit über fünfzig Jahren versuchen Ärzte, die Tropenkrankheit durch Medikamente zu bekämpfen - mit wechselndem Erfolg. Die Krankheitserreger zeigen sich äußerst flexibel: Viele Stämme sind bereits gegen die gängigen Malariamittel resistent. Jetzt gibt es Hoffnung auf einen wirkungsvollen Impfstoff.
Der parasitische Einzeller Plasmodium falciparum löst die gefährlichste Malariainfektion, die Malaria tropica, aus. Jährlich erliegen ihr über zwei Millionen Menschen. Der Erreger durchläuft dabei einen komplizierten Lebenszyklus: Überträger ist die Stechmücke Anopheles, die mit dem Blut eines Malariakranken Geschlechtszellen von Plasmodium aufnimmt. Im Mückendarm befruchten sich die Geschlechtszellen, und es entstehen Sporozoiten, die in die Speicheldrüse der Mücke wandern. Sticht das Insekt eine weitere Person, dann überträgt es die Sporozoiten in den Blutkreislauf des Opfers. Von hier aus gelangen die Parasiten in die Leberzellen und vermehren sich dort in etwa fünfeinhalb Tagen ungeschlechtlich weiter. Die Vermehrungsprodukte, die Merozoiten, infizieren wiederum rote Blutkörperchen, teilen sich hier mehrfach und zerstören in einem regelmäßigen Rhythmus – gepaart mit typischen Fieberschüben des Infizierten – die Blutzellen.

Die ungeschlechtliche Vermehrung der Sporozoiten in der Leber verläuft symptomfrei – die Infizierten sind noch gesund. Hier müsste eine wirksame Immunantwort des Körpers – ausgelöst durch einen Impfstoff – ansetzen. Diesen Weg gingen daher auch Pierre Druihle mit seinen Mitarbeitern vom Pariser Institut Pasteur. Sie infizierten Schimpansen mit dem Sporozoiten-Protein LSA-3 (liver-stage antigen 3). Die Versuchstiere produzierten daraufhin spezifische Antikörper gegen die Plasmodium-Sporozoiten und wurden damit immun gegen Malaria (Nature Medicine vom November 2000).

Die Wissenschaftler hatten das Protein mit Bedacht ausgewählt. Im Gegensatz zu anderen Sporozoiten-Proteinen variiert LSA-3 nicht bei den verschiedenen Erregerstämmen. Da die Struktur entscheidend für die Antigen-Antikörper-Bindung ist, sollte der Impfstoff gegen alle Stämme von Plasmodium falciparum wirken.

Der Malaria-Experte Stephen Hoffman vom Naval Medical Research Centre in Baltimore warnt jedoch, dass "die Begeisterung für die Ergebnisse gemildert werden muss, auf Grund der Tatsache, dass die Autoren nicht mehr als ein oder zwei Kontrollen in jedem Experiment durchführten." Er setzt vielmehr auf "Impfstoffe mit mutiplen Proteinen", welche die Produktion weißer Blutkörperchen zur Zerstörung infizierter Blutzellen anregen könnten.

Siehe auch

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen

Partnerinhalte