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Hirnforschung: Implantierte Elektroden erzeugten "Schatten"-Gefühl

Vom Schatten verfolgt
Als bei einer Epilepsie-Patientin die temporoparietale Junktion (TPL) mit Elektroden gereizt wurde, hatte sie plötzlich das Gefühl, ein Mann spiele ihren Schatten, der sämtliche ihrer Bewegungen nachahme. Diese Hirnregion ist bekannt dafür, dass sie Informationen der visuellen und der Selbstwahrnehmung verknüpft.

Olaf Blanke von der Polytechnischen Hochschule Lausanne und seine Kollegen hatten der jungen Frau Elektroden implantiert, um vor einer Operation die Zentren epileptischer Anfälle herauszufinden. Als sie den linken TPL leicht stimulierten, erklärte die Patientin, sie fühle jemanden hinter sich, der sie imitiere – sich hinter sie setze oder sich neben sie lege. Der Schatten schien ihr sogar das Blatt Papier wegnehmen zu wollen, als sie einen Sprachtest machen sollte, und als sie sich nach vorne beugen und ihre Knie umfassen sollte, fühlte sie sich von hinten umklammert.

Dieses "Schatten"-Phänomen könne vielleicht in der Schizophrenie-Forschung helfen, erklärt Blanke. Hier kommt es häufiger zu Störungen der Eigenwahrnehmung dahingehend, dass Patienten ihren Körper als den einer anderen Person empfinden. Vielleicht spiele das Areal auch eine Rolle bei außerkörperlichen Erfahrungen – wenn Menschen sich beispielsweise über ihrem Körper schwebend wahrnehmen.

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