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Gewässernetz: In der Mitte entspringt mehr als ein Fluss

Iller, Lech, Isar, Inn fließen rechts zur Donau hin - wie viel Fläche diese und andere Flüsse jedoch weltweit bedecken, war lange unklar. Jetzt gibt es eine neue Hochrechnung.
Mackenzie River in Kanada

Flüsse sind für uns Menschen unersetzlich – etwa als Transportweg oder Trinkwasserquelle –, und manchmal nehmen sie den Anwohnern Hab und Gut durch Überschwemmungen. Welche Fläche sie aber weltweit einnehmen, wurde bislang kaum gemessen, weil es technisch sehr schwer umzusetzen ist. George Allen und Tamlin Pavelsky von der University of North Carolina haben sich jetzt mit Hilfe von knapp 7400 Satellitenbildern und den Daten von 3700 Pegelstationen an diese Aufgabe gemacht und das Ergebnis in »Science« publiziert. Und sie kommen auf ein beeindruckendes Resultat: 773 000 Quadratkilometer der nicht vergletscherten, festen Erdoberfläche werden demnach von Fließgewässern eingenommen. Damit ist ihr Wert 44 Prozent höher als die bislang genaueste Analyse zuvor. Die Zahlen gelten für Flüsse mit mittlerem Abfluss; diesen Raum nehmen sie also ein, wenn der Wasserstand »normal« ist und weder Hoch- noch extremes Niedrigwasser herrscht. Im ersten Fall können sich Flüsse weit in den Raum ausdehnen und große Gebiete überschwemmen.

Das große Problem, mit dem die beiden Wissenschaftler zu kämpfen hatten, war die Auflösung der Satellitenbilder. Sicher berechnen lässt sich damit nur die Fläche von Flüssen mit einer Mindestbreite von 90 Metern. Auf Grund verbesserter Aufnahmen und Analysemethoden konnten Allen und Pavelsky zeigen, dass die Ströme mindestens 404 000 Quadratkilometer einnehmen, was auch schon mehr als zehn Prozent höher liegt als in vorherigen Studien. Wie stark kleinere Gewässernetzwerke ausgedehnt sind, errechneten die Forscher anhand von Geländemodellen. Wenig überraschend, waren kleine Einzugsgebiete in feuchten Regionen mit den größten Datenunsicherheiten behaftet. Das größte Plus stellten die Wissenschaftler daher in der Arktis und in Amazonien fest, wo Flüsse deutlich mehr Fläche beanspruchen als gedacht. Umgekehrt war die Bedeckung in hoch entwickelten Regionen wie Europa, den USA oder Japan sogar kleiner als in vorherigen Schätzungen – womöglich weil ein Teil der Flächen durch Flussbegradigungen verloren gegangen ist.

Die Frage nach der Flussfläche ist allerdings nicht nur akademischer Natur: Fließgewässer entlassen große Mengen an Treibhausgasen wie Methan oder Kohlendioxid in die Atmosphäre. Um ihren Einfluss auf das Klima abschätzen zu können, muss man ihre Ausdehnung kennen. Vor einigen Jahren wurde ebenfalls mit Hilfe von Satellitenbildern die Zahl der Seen auf der Erde ermittelt: Sie liegt bei 117 Millionen Binnengewässern, die vier Prozent der Erdoberfläche bedecken.

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