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Behandlung von Darmerkrankungen : Künstliche Kot-Keime verbessern Stuhltherapie

Elektronenmikroskopische Aufname von Clostridium difficilie

Die Stuhltherapie beweist sich im klinischen Alltag zwar schon gegen Darmerkrankungen, hat aber ein nicht zu vernachlässigendes Imageproblem: Viele Patienten und selbst einige Ärzte können sich nur mühsam an den Gedanken gewöhnen, einen kranken Darm durch die Implantation der gesunden Keimgemeinschaft eines Spenders zu therapieren – also per Exkrementextrakt-Übertragung von Enddarm zu Enddarm, einer in der klinischen Praxis für alle Beteiligten unangenehmen Prozedur. Da kommt die Erfindung eines Mikrobiom-Expertenteams gerade recht: ein herangebrütetes Kunstkotprodukt mit therapeutischer Wirksamkeit, das als sicheres, haltbares und hygienisch einwandfreies Ersatz-Stuhltransplantat herhalten könnte.

Bei der Stuhltherapie soll die transplantierte gesunde Spenderdarmflora den schädlichen Keimrasen in Patienten überwuchern, der sich Bakterien wie etwa Clostridium difficile eingefangen hat. Diese Keime sind schwer wieder loszuwerden, wenn sie sich einmal im Darm festgesetzt haben: Sie überleben nicht selten selbst die gegen sie gerichtete Antibiotikabehandlung, die die natürliche Darmflora abtötet; Darmentzündungen, Durchfall und Schlimmeres sind Folge der Infektion. Die Stuhltherapie hat als Gegenmaßnahme schon einzelne Erfolge gehabt, steckt allerdings noch in den Kinderschuhen, weil Mediziner Nebenwirkungen wie eine unabsichtliche Infektion des Patienten mit unentdeckten Pathogenen des Spenders befürchten.

Die Erfinder des "RePOOPulate" getauften Industriestuhls um Emma Allen-Vercoe von der Guelph University wollten diese Probleme nun umgehen, indem sie die Zusammensetzung einer idealen Spenderkultur unter kontrollierten Bedingungen nachzubilden versuchten. Dazu analysierten sie eine geeignete Stuhlprobe bis ins Detail: Sie identifizierten die darin enthaltenen 33 Bakterienarten und das Mischungsverhältnis der Spezies. Anschließend züchteten sie die identifizierten Bakterienarten in Reinkulturen und stellten daraus ein naturidentisches Keimgemisch zusammen.

Diese Mixtur testeten sie dann mit Erfolg an zwei Patienten, deren eigene, zuvor von Clostridium unterwanderte Darmflora durch eine Antibiotikatherapie zerstört worden war. In beiden Fällen besiedelten die Keime den Darm neu und schufen wieder eine gesunde Darmflora. Die Therapie mit im Labor angerührten Bakteriengemischen habe einige Vorteile gegenüber der Therapie mit natürlichem Stuhl, fassen die Forscher zusammen: So sei die Zusammensetzung des Keimgemisches kontrollierbar und könnte in Zukunft sogar individuell auf die Patientenbedürfnisse maßgeschneidert werden; antibiotikaresistente Keime, Viren und andere Bakterien würden so nicht übertragen werden. Zudem fallen beim RePOOPulate-Ansatz logistische und psychologische Probleme weg, die der Therapie sonst im Wege stehen, so die Forscher.

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