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Walschutz: Industrieller Lärm bedroht Wale in seichtem Wasser

In seichtem Wasser dürfte niederfrequenter Schall Wale stärker beeinflussen als bisher angenommen, da dieser dort vom Meeresboden reflektiert und so seine Wirkung intensiviert wird. Dies zeigten Messungen von Wissenschaftlern um Maya Tolstoy von der Columbia-Universität, welche im nördlichen Golf von Mexiko das Ausbreitungsverhalten von Schallwellen verschiedener Frequenzen untersuchten.

Das Forschungsschiff Maurice Ewing ermöglichte es den Wissenschaftlern, in der Industrie bei der Suche nach Erdöl und bei geophysikalischen Untersuchungen eingesetzten Schall nachzustellen und dessen Ausbreitungsverhalten erstmals im Experiment genau zu messen. Bisher waren Reichweite und Intensität der mit seismischen Tests verbundenen Lärmbelastung für Wale nur in Computermodellen berechnet worden. Diese hatten allerdings den Effekt niederfrequenter Schallwellen in seichtem Wasser unterschätzt, da sie die verstärkende Wirkung des Echos außer Acht ließen.

In US-amerikanischen Gewässern operierende Schiffe müssen strenge Richtlinien einhalten, um die von den seismischen Untersuchungen ausgehende Gefahr für Wale und andere Meerestiere zu minimieren. Aufgrund der Ergebnisse der Studie wurde der Radius vergrößert, in dem sich während solcher Tests kein Wal aufhalten darf. Sobald einer der Meeressäuger diese Grenze überschreitet, müssen die Versuche sofort unterbrochen werden, bis das Tier die Gefahrenzone verlassen hat.

Umweltschützer sehen in der Lärmverschmutzung der Meere durch seismische Untersuchungen eine schwer kalkulierbare Gefahr. Zahlreiche Strandungen von Walen dürften mit solchen Ereignissen in Verbindung stehen.
28.07.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28.07.2004

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