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News: Injektion stoppt den Schweißfluß für vier bis sechs Monate

Viele Menschen leiden unter einer übermäßigen Absonderung von Schweiß. Wissenschaftler haben eine neuartige Methode gefunden, um diesen Patienten zu helfen.
Das abnorme Schwitzen an Händen, Füßen, unter den Achseln oder sogar im Gesicht sei ein Problem, das in seiner Häufigkeit weit unterschätzt werde, sagt PD Dr. Markus Naumann von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg. Ein Problem zumal, das nicht einfach mit der Bemerkung "Nun ja, diese Leute schwitzen eben mehr als andere" abgetan werden kann – die Lebensqualität der meist jungen Patienten ist erheblich beeinträchtigt.

Mitunter kommt es durch das starke Schwitzen zu Hautveränderungen oder örtlichen Infektionen. In schweren Fällen sind die Hände der Betroffenen so naß, daß der Schweiß abtropft, oder die Achseln so verschwitzt, daß die Flüssigkeit die Arme herabrinnt. Naumann: "Solche Patienten trauen sich kaum noch, anderen die Hand zu geben."

Klar, daß sich daraus enorme soziale Probleme ergeben, beruflich wie privat. Der Würzburger Neurologe weiß von jungen Frauen zu berichten, die so stark unter den Achseln schwitzen, daß sie sich mehrfach am Tag umziehen müssen und nur noch helle Kleidung tragen. Er kennt auch Patientinnen, die einen sozialen Teil-Rückzug angetreten haben, weil sie sich wegen ihrer Krankheit nicht mehr an bestimmte Orte wagen, wie zum Beispiel in Diskotheken.

Bisher müssen diese Patienten täglich Tabletten einnehmen, täglich Salben verwenden oder sich einer sogenannten Iontophorese unterziehen. Bei dieser Methode werden die Medikamente über ein elektrisches Spannungsfeld in die Haut eingebracht. In schweren Fällen von starkem Schwitzen an den Händen, bei denen die genannten Therapien nicht anschlagen, ist ein sehr aufwendiger operativer Eingriff durch den oberen Brustkorb erforderlich. Dabei werden die Nervenbahnen durchtrennt, welche zu den Schweißdrüsen der Hände führen.

Wesentlich einfacher ist dagegen das Verfahren, das Naumann zusammen mit Kollegen von der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten der Universität Würzburg erarbeitet, getestet und weiterentwickelt hat. Dabei wird das Bakteriengift Botulinum-Toxin in geringsten Konzentrationen in die betroffene Hautregion injiziert. Nach etwa einer Woche komme die übermäßige Schweißproduktion zum Erliegen, sagt Naumann. Die Wirkung einer Spritze halte dann nach den bisherigen Erkenntnissen vier bis sechs Monate an (Archives of Dermatology 134).

Bislang wurden als Nebenwirkungen kleine blaue Flecken beobachtet. Zudem kann die Injektion hin und wieder schmerzhaft sein, weshalb sie unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird. In seltenen Fällen, so Naumann, könne es zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Muskelkraft in der Hand kommen.

Botulinum-Toxin ist ein natürliches Gift, das von Bakterien stammt. Es wird weltweit seit vielen Jahren verwendet, um Erkrankungen zu behandeln, die mit einer Überaktivität der Muskeln einhergehen. In diesem Fall wirkt das Gift, indem es vorübergehend die Impulsübertragung vom Nerv auf den Muskel blockiert.

Mit dem gleichen Mechanismus hilft das Botulinum-Toxin den stark schwitzenden Patienten: Es unterbindet für eine gewisse Zeit den Einfluß der Nervenimpulse auf die Schweißdrüsen. Botulinum-Toxin wird seit Jahren auch in einer Spezialsprechstunde der Würzburger Neurologischen Klinik eingesetzt, um Muskelerkrankungen wie den Schiefhals oder Lid- und Schreibkrämpfe zu behandeln.

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