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Insekten: Bienen, die auf tote Tiere fliegen

Bienen sammeln Pollen und Nektar? Die meisten schon, aber in Costa Rica haben Arten Appetit auf Aas entwickelt. Das zeigt sich auch in ihrem Darm.
Geierbiene aus der Familie der Trigona

Nirgendwo ist die Vielfalt an Insekten höher als in tropischen Regenwäldern, wo die Evolution einige außergewöhnliche Sonderfälle hervorgebracht hat. Dazu gehören die so genannten Geierbienen, die sich völlig anders ernähren als die meisten anderen Wildbienen. Das schlägt sich auch in ihrem Gedärm nieder: Diese Bienen bevorzugen Aas und besitzen dazu ein spezielles Mikrobiom, schreiben Laura Figueroa von der Cornell University in Ithaca und ihr Team in »mBio«: Ihre Darmflora weist demnach große Ähnlichkeiten mit der von echten Geiern auf.

Die Arbeitsgruppe hatte für ihre Studie rund 160 Bienen von 17 Arten im Regenwald Costa Ricas gesammelt, die sich entweder von Pollen, Aas oder ein bisschen von beidem ernähren. Dazu lockte sie die Geierbienen mit totem Hühnchen an, wobei sie eine interessante Beobachtung machte, wie der an der Studie beteiligte Entomologe Quinn McFrederick in einer Mitteilung schreibt. Die Tiere sammelten das Aas ähnlich wie andere Bienen Pollen und transportierten es zum Nest.

Um diese Nahrung zu verarbeiten, setzen die Geierbienen auf ein völlig eigenes Mikrobiom unter den Wildbienen. Selbst Arten, die neben Pollen auch Fleisch nutzen, ähnelten den reinen Pollenverwertern stark, während sich die Aaskonsumenten extrem davon unterschieden. In deren Mikrobiom befinden sich etwa Säure liebende Bakterien, die bei Honigbienen, Hummeln und Co nicht vorkommen. »Diese Bakterien ähneln jenen, die bei Geiern oder Hyänen im Darm siedeln. Sie helfen wahrscheinlich dabei, die Tiere vor Pathogenen aus dem Aas zu schützen.« Andere Bakterien helfen bei der Fleischverdauung. Pollennutzer weisen dagegen in ihrem Verdauungssystem artübergreifend immer wieder die gleichen fünf Hauptbakterienarten auf.

Geierbienen am Huhn | In Costa Rica existieren Bienen, die Fleisch jeder Polle vorziehen.

Geierbienen erzeugen sogar ebenfalls Honig, der essbar und ziemlich süß sein soll. Er wird in Kammern aufbewahrt, die von denen mit dem gelagerten Fleisch getrennt sind. Doch sie geben diesen Honig nicht ohne Gegenwehr her: Zwar besitzen sie keinen Stachel, verschiedene Arten verfügen aber über kräftige Mundwerkzeuge, mit denen sie schmerzhaft zubeißen können. Und manche produzieren zusätzlich ätzende Sekrete im Kiefer, die auf der Haut üble Blasen erzeugen.

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