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Inseln: Erfolgreiche Rettung für bedrohte europäische Schnecke

Schnecken gehören zu den vergessenen Opfern des Artensterbens. Doch es gibt engagierte Züchter: Nun konnten Nachkommen stark bedrohter Schnecken in ihre alte Heimat zurückkehren.
Nahaufnahme von zwei Schneckenhäusern auf einer strukturierten Oberfläche. Die Gehäuse sind spiralförmig und weisen eine bräunliche Färbung auf. Auf jedem Gehäuse ist ein kleiner, leuchtend blauer Fleck zu sehen, der möglicherweise zur Markierung dient. Im Hintergrund sind weitere unscharfe Schneckenhäuser zu erkennen.
Geomitra coronula ist eine vom Aussterben bedrohte Schneckenart, die erfolgreich nachgezüchtet werden konnte.

Es war quasi schon zwölf für die Schneckenart Geomitra coronula: Die letzten bekannten 21 Exemplare hafteten unter einem einzelnen Stein auf der Insel Bugio im Madeira-Archipel – als Überlebende, während ihre Heimat von verwilderten Ziegen, Kaninchen und Mäusen kahl gefressen wurde. Ein einziges Unglück hätte die Art komplett auslöschen können. Stattdessen brachten Ökologen sie in einem letzten Versuch, die Art zu erhalten, in den Chester Zoo. Dort wurde sie so erfolgreich nachgezüchtet, dass mehr als 300 Nachkommen in ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet auf der portugiesischen Atlantikinsel zurückkehren konnten, wie Tamas Papp vom Zoo in einer Mitteilung berichtete.

Begleitet wurden die gerade einmal erbsengroßen Schnecken von weiteren 270 nachgezüchteten Tieren der Schneckenart Discula lyelliana, die ebenfalls vom Aussterben bedroht ist und im Zoo von Beauval in Frankreich gehalten und vermehrt wurde. Beide Arten gehören zur endemischen Schneckenfauna der Desertas-Inselgruppe: kleiner, felsiger Eilande, auf denen es teilweise keine dauerhaften Trinkwasserquellen gibt. Mangels Alternativen fraßen die eingeschleppten Mäuse die saftigen Schnecken, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken. Die Weichtiere überlebten daher nur an wirklich unzugänglichen Orten oder eben unter besagtem Stein, den die Nagetiere noch nicht entdeckt hatten oder nicht umdrehen konnten.

Bevor die Schnecken ausgesetzt werden konnten, hatten die portugiesischen Behörden dafür gesorgt, dass die eingeschleppten Säugetiere entfernt wurden. Dadurch erholte sich die Vegetation und schließlich sogar das gesamte Ökosystem wieder – was auch den hier nistenden Seevögeln zugutekommt. Insgesamt finden sich auf den Inseln die vier endemischen Schneckenarten Atlantica calathoides, Geomitra grabhami, G. coronula und Discula lyelliana, um die sich der Chester Zoo mit Nachzuchtprogrammen kümmert.

Die Auswilderung gehörte laut Papp zu den schwierigsten Projekten, an denen er beteiligt war: Da die Inseln keinen Bootsanlegeplatz aufweisen, musste das Team ins Meer springen und anschließend mit der wertvollen Fracht die felsigen Klippen hochklettern. Aussetzen konnten die Wissenschaftler die Tiere erst nachts unter rotem Licht, um die lichtempfindlichen Seevögel nicht zu irritieren. Die Schnecken sollen helfen, das Ökosystem weiter zu verbessern: Sie setzen Pflanzenmaterial um und steigern dadurch die Bodenqualität.

Der Chester Zoo hat jedoch Erfahrung mit der Rettung bedrohter Schnecken: So gelang ihm unter anderem die Nachzucht und Auswilderung einer Art, die auf Bermuda lediglich dank des Abtropfwassers der Klimaanlage einer Eisdiele überlebt hatte. Auf der anderen Seite der Erde, in Polynesien, gelang dies ebenfalls mit den stark bedrohten Partula-Schnecken: Eingeführte Raubschnecken hatten sich mit Appetit über sie hergemacht und einige Arten ausgerottet. Andere überlebten ebenfalls dank Nachtzuchtprogrammen in Zoos und kehrten wieder auf ihre Inseln zurück.

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