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Inseln: Riesenschildkröten kehren nach 180 Jahren zurück

Die Galapagos-Insel Floreana erlebt eine Heimkehr: Mehr als 100 Riesenschildkröten sollen helfen, das Ökosystem wiederherzustellen. Sie sind Teil eines größeren Projekts.
Eine große Schildkröte kriecht durch trockenes Gras in einer natürlichen Umgebung. Der Panzer ist deutlich sichtbar, und der Kopf der Schildkröte ist erhoben, als ob sie sich umsieht. Im Hintergrund sind unscharfe Felsen und Pflanzen zu erkennen.
Die Riesenschildkröten nehmen die Rolle großer Pflanzenfresser ein.

Nur wenige Jahre, nachdem Charles Darwin die Galapagos-Inseln 1835 besucht und die dortigen Riesenschildkröten beschrieben hatte, waren die urigen Reptilien auf einigen der Inseln bereits stark bedroht: Walfänger hatten sie als lohnende Nahrung entdeckt und verfrachteten sie massenhaft auf ihre Schiffe. Dieses Schicksal traf auch die Floreana-Riesenschildkröte (Chelonoidis niger niger), die deswegen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts als ausgestorben galt. Doch nun kehren Nachkommen dieser Tiere tatsächlich in ihre ursprüngliche Heimat zurück, wie die ecuadorianische Naturschutzorganisation »Jocotoco« meldet: 158 Riesenschildkröten wurden im Februar 2026 auf Floreana als Teil eines größeren Projekts zur Renaturierung ausgewildert.

Dies sei der Höhepunkt einer langjährigen Planung, schreibt Eliécer Cruz, der das Galapagos-Projekt der Organisation leitet – und Ergebnis eines glücklichen Zufalls. Denn Walfänger und andere Seeleute nahmen die Schildkröten nicht nur als lebenden Proviant mit an Bord, sondern setzten einige der Tiere auch wieder auf benachbarten Inseln aus. Dort sollten sie sich ansiedeln und vermehren, sodass sie oder ihre Nachkommen später wieder als Lebendware eingelagert werden konnten. Auf diese Weise gelangten Vertreter der Floreana-Riesenschildkröten auf die Nachbarinsel Isabela, wo Nachkommen rund um den Vulkan Wolf die Zeiten überdauert haben. Anfang der 2000er Jahre belegten genetische Untersuchungen an Riesenschildkröten dieses Gebiets, dass manche davon noch stark mit ihren Vorfahren verwandt waren und nur wenige Gene der verwandten Riesenschildkrötenart von Isabela trugen.

Es folgte ein gezieltes Nachzuchtprogramm, um eine genetisch möglichst nahe Linie von Floreana-Riesenschildkröten zu erzeugen: Die verschiedenen Arten und Unterarten an Galapagos-Riesenschildkröten haben zahlreiche spezifische Anpassungen an die jeweiligen ökologischen Bedingungen ihrer Lebensräume entwickelt. Damit spielen sie auch eine Schlüsselrolle in diesen Ökosystemen, in denen sie die ursprünglich auf Galapagos fehlenden großen Säugetiere als Pflanzenfresser ersetzen. »Riesenschildkröten spielen in diesem System eine grundlegende Rolle. Sie verbreiten Samen, formen die Vegetation, schaffen Mikrohabitate, wie beispielsweise ihre charakteristischen Suhlen, und beeinflussen die Regeneration der Landschaft. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, ökologische Prozesse wiederherzustellen, von denen viele andere Arten abhängig sind«, sagt Rakan Zahawi von der Charles Darwin Foundation, die die Schildkröten gezüchtet hat.

Um Floreana zu renaturieren, hatten Jocotoco, die Charles Darwin Foundation und die Nationalparkverwaltung zusammen mit den Menschen der Insel zuvor intensiv eingeschleppte Pflanzen und Tiere bekämpft, darunter Ratten und Mäuse sowie Ziegen. Sie fraßen die natürliche Vegetation oder Eier und Jungtiere, was die einheimische Flora und Fauna stark bedrohte. Viele invasive Arten konnten entfernt, Mäuse und Ratten zumindest stark zurückgedrängt werden, was auch an anderer Stelle bereits Erfolge gebracht hat. Erstmals seit Darwin konnten Biologen zum Beispiel wieder die Galapagos-Ralle (Laterallus spilonota) auf Floreana nachweisen. Und die Schildkröten sind nur der Auftakt: Insgesamt soll ein Dutzend Tierarten auf der Insel wieder angesiedelt werden, die auf kleinen, vorgelagerten Eilanden die Zeiten überdauert hatten.

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