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News: Integration unwahrscheinlich

Durch die Konzentration von Flüchtlingen in sozialschwachen Stadtteilen und durch schlechte Wohn- und Betreuungsbedingungen vermindert die Stadt Köln die Integrationschancen vieler Flüchtlinge. Zu diesem Ergebnis kommt Stefan Sandner vom Geographischen Institut der Universität zu Köln in einer Untersuchung über Flüchtlinge und Asylsuchende in Köln.
Hinsichtlich der Integrationschancen unterscheidet Sandner verschiedene Typen von Heimen. In Köln ganz klar vorherrschend ist dabei der sogenannte "Wohnheimtyp", der sich häufig in zentraler Lage und in recht unauffälligen Gebäuden befindet – ein Faktor, der sich nicht integrationshemmend auswirkt. Die Wohnbedingungen sind schlecht, da der Alltag der Bewohner durch fehlende Privatheit, Enge, gemeinschaftliche Küchen- und Sanitäreinrichtungen sowie strenge Hausordnungen geprägt ist. Ein Großteil der sozialarbeiterischen Betreuung liegt in den Händen von nicht ausgebildeten Heimleitern, so daß die Integrationschancen als insgesamt gering bewertet werden.

Bessere Integrationsmöglichkeiten haben nach Auffassung Sandners die Bewohner des "Appartmenttyps", da sie in separaten Wohneinheiten ihren Tagesablauf selbständig – allerdings auch ohne sozialarbeiterische Betreuung – gestalten können. Mit Ausnahme der sehr geringen Wohnfläche pro Person und dem fehlenden gesetzlichen Schutz der Wohnung kommt diese Art der Unterbringung normalem Wohnen recht nahe, zumal es sich meistens um kleine Heime in ehemaligen Wohngebäuden oder Hotels in bewohnten Lagen handelt. In Köln lebt allerdings nur ein recht kleiner Teil in dieser Art von Heimen.

Der "Betreuungstyp" weist hinsichtlich der Wohnbedingungen ähnliche oder noch gravierendere Mängel auf als der Wohnheimtyp. Da diese Heime aber personell besser ausgestattet sind – in jedem arbeitet eine sozialarbeiterisch ausgebildete Heimleitung – können Probleme erkannt und die entsprechenden Schritte unternommen werden. Im Idealfall können den Flüchtlingen Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden, die ihnen bei der gesellschaftlichen Integration zugute kommen. Die wenigen Flüchtlingsheime mit guten Betreuungsbedingungen werden zumeist nicht vom Wohnungs- oder Sozialamt, sondern von gemeinnützigen Organisationen betreut.

Am schlechtesten sind die Integrationschancen in Heimen des "Marginalisierungstyps", dem mehrere Unterkünfte in Köln zuzurechnen sind. Die Heime liegen isoliert von Nachbarschaft oder sind mit einem Stigma belegt. Die Wohnbedingungen sind aufgrund miserabler Grundausstattung, desolatem Erhaltungszustand und teilweise menschenverachtender Organisationsbedingungen katastrophal. Die nicht fachlich ausgebildeten Heimleitungen sind nicht in der Lage oder nicht gewillt, in Kooperation mit dem zuständigen Fachpersonal die schlechte Betreuungssituation zu verbessern. Eine Marginalisierung der Bewohner in allen Lebensbereichen ist somit vorprogrammiert.

Hinsichtlich der räumlichen Verteilung der Flüchtlinge in Köln weist Sozialgeograph Sandner nach, daß es die hochverdichteten, innerstädtischen oder innenstadtnahen Altbauquartiere sind, die den Großteil der Flüchtlinge aufnehmen. So ist knapp die Hälfte der Flüchtlinge in der linksrheinischen Innenstadt, in Ehrenfeld, Nippes und Mühlheim untergebracht, obwohl hier weniger als ein Viertel der Kölner Bevölkerung lebt. Diese Stadtteile sind gekennzeichnet durch einen großen sozialen Problemdruck und einen überdurchschnitlichen Ausländeranteil. Dagegen sind in den meisten wohlhabenden Stadtteilen gar keine Flüchtlinge untergebracht.

Nach Auffassung Sandners ist es jedoch als grundsätzlich positiv zu beurteilen, daß die Stadt Köln die Flüchtlinge nicht in wenigen großen Sammellagern, sondern in ca. 60 über die Stadt verteilten Unterkünften unterbringt. Die überwiegende Verteilung auf Stadtteile mit einer unzureichenden infrastrukturellen Ausstattung berge aber den Kern einer falschen Standortpolitik. Ausserdem kritisiert der Sozialgeograph das große Qualitätsgefälle zwischen den Heimen, das von der Stadt Köln teilweise sogar als Druckmittel gegen die Flüchtlinge eingesetzt wird, indem bei vermeintlichem Fehlverhalten die Verlegung in schlechtere Heime droht.

Unter den gegebenen Bedingungen scheint eine Integration für die meisten Flüchtlinge eher unwahrscheinlich zu sein. Zu offensichtlich wird nach Auffassung Sandners in Köln ein Provisorium aufrechterhalten, um zukünftige Flüchtlinge präventiv abzuwehren. Dazu gehöre auch das Fehlen eines städtischen Unterbringungskonzeptes, wodurch interessierten und einflußreichen Gruppen die Möglichkeit gegeben werde, Flüchtlingsheime in der eigenen Nachbarschaft zu verhindern. Vernünftiger wäre es, von Anfang an dauerhaft zu planen und die notwendigen Ausweitungen der Infrastruktur zu veranlassen. Würden diese Planungen mit betreuerischen Garantien versehen, die sowohl rein flüchtlingsorientierte als auch stadtteilintegrierende Sozialarbeit beinhalteten, könnte der gesamte Stadtteil von der Flüchtlingsunterbringung profitieren.

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