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Verhaltensforschung: Kakadus lernen gut von anderen

Besonders schlau wird der, der nicht alles selbst erfindet, sondern sich Innovationen abschaut und sie anderen beibringt. Das gilt auch für die cleveren Kakadus.
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Der in Wien heimische Goffinkakadu "Figaro" (Cacatua goffiniana) ist ein guter Lehrer: Er zeigt, wenn auch unbeabsichtigt, Artgenossen, wie man verloren geglaubte Leckerbissen durch Werkzeugeinsatz zurückbekommt. Nebenbei beweist er damit, dass Lernen ohne Lehrer schwerer ist: Denn bei einem Automaten, der Figaros Tricks gefiederten Schülern vorführt, ist der Lerneffekt der Kakadus gleich null. Eine soziale Komponente oder die Fähigkeit, die Situation anderer zu erkennen, um Schlussfolgerungen in einer ähnlichen Lage zu ziehen, scheint demnach sogar bei Vögeln wichtig, schlussfolgert ein Team von Kognitionsbiologen, das sich seit längerer Zeit auf die Erforschung der kognitiven Leistungen verschiedener Tiere spezialisiert hat.

Die Goffinkakadus sind gern gesehene Gäste im Kognitionslabor der Forscher. Dabei war ihnen Figaro schon vor zwei Jahren als cleveres Kerlchen ins Auge gefallen: Er hatte selbstständig gelernt, wie man lange Holzspieße aus einem unhandlichen Stock herausoperiert und anschließend dazu benutzt, eine aus dem Käfig und der eigenen Flügelreichweite gerollte Nuss wieder einzusammeln. Nun hatten mehrere Artgenossen von Figaro die Möglichkeit, ihm dabei zuzusehen und Schlussfolgerungen für ihr eigenes Verhalten in derselben Situation zu ziehen. Wie sich zeigte, ging immerhin die Hälfte der Figaro-Schüler bald dazu über, den Werkzeuggebrauch für die eigenen Zwecke zu adaptieren, ohne ihn allerdings völlig identisch nachzuahmen.

Interessanterweise gelang dies allerdings nur männlichen Vögeln, Weibchen scheiterten allesamt – ebenso wie Tiere, die gar keinen Unterricht bekommen hatten, oder solche, die einer durch Magnete bewegten Vorrichtung zusehen durften, die ebenfalls Nüsschen mit Stöckchen bewegte. Vielleicht sind männliche Tiere einfach innovationsfreudiger, weil sie in freier Wildbahn dafür zuständig sind, die brütenden Weibchen im Nest zu versorgen, vermuten die Forscher. So entwickelten sie dann womöglich auch schneller die Fähigkeit, sich in die Lage anderer Artgenossen hineinzuversetzen.

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