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Walfang: Pottwale lernten den Harpunen zu entkommen

Die ersten Walfänger machten leichte Beute. Doch die gejagten Pottwale lernten schnell dazu und entkamen immer öfter. Bis moderne Dampfschiffe die alten Segler ersetzten.
Jagd auf einen WalLaden...

Als die ersten großen Walfangschiffe im Pazifik auftauchten, hatten die Jäger leichtes Spiel. Pottwale kannten diese Art Feind nicht und wurden deshalb schnelle Beute der Walfänger. Doch innerhalb weniger Jahre fiel die Erfolgsquote um knapp 60 Prozent, wie alte Logbücher belegen. Die Tiere hatten rasch gelernt, ihren Schlächtern zu entkommen, und dieses Wissen weitergegeben, wie eine Studie von Wissenschaftlern um Hal Whitehead von der Dalhousie University in Halifax in »Biology Letters« nahelegt.

Schwertwale sind die einzigen natürlichen Feinde von Pottwalen, da sie deren Jungtiere töten können. Um sie abzuwehren, bilden Pottwale einen Kreis: Ihre Köpfe sind nach innen gerichtet, während sie mit ihren kräftigen Schwanzflossen nach den Orcas schlagen. Diese Taktik nützte jedoch nichts gegen die Walfänger – im Gegenteil, sie konnten die großen Wale dadurch noch leichter erbeuten, weil die Tiere nicht flohen.

Doch nicht umsonst besitzen die Giganten ein riesiges Gehirn, das größte im Tierreich. Die Überlebenden der ersten Massaker erkannten, dass es besser war zu fliehen, um ihren Jägern zu entkommen, was die Walfänger auch in ihren Aufzeichnungen niederschrieben. Die Pottwale kommunizierten intensiv miteinander, wenn sie harpuniert wurden, und schwammen dann gegen den Wind davon, so dass ihnen die Segelschiffe weniger leicht folgen konnten und häufig aufgeben mussten.

Dieses Verhalten verbreitete sich im Pazifik jedoch so schnell, dass es nicht durch genetische Vererbung weitergegeben worden sein konnte. Es muss sich um eine so genannte kulturelle Evolution gehandelt haben, schreiben die Autoren. Pottwalschulen werden von Leitkühen angeführt, die über große Distanzen kommunizieren und so beispielsweise auch Wissen über Nahrungsgründe weitergeben. Es ist also wahrscheinlich, dass sie sich auf diese Weise über die neuen Gefahren gegenseitig informierten.

Erst als die Segler durch Dampfschiffe ersetzt wurden, nahm das Schlachten wieder Fahrt auf. Gegen die so angetriebenen Walfänger hatten die Wale keine Chance mehr und wurden hunderttausendfach getötet. Womöglich hilft ihnen ihre Anpassungsfähigkeit aber heute wieder: Wale werden nur noch in kleinem Umfang bejagt, müssen jedoch mit neuen Gefahren zurechtkommen, etwa mit Kollisionen mit Frachtschiffen oder den Langleinen und Netzen der Fischer. Allerdings herrscht in den Ozeanen heute extremer Lärm durch die Schifffahrt und andere Geräuschquellen, was die seit Millionen Jahren existierende Kommunikation der Tiere erschwert oder gar unmöglich macht.

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