Suizidgedanken: Zwischen den Therapiesitzungen offenbart sich der wahre Zustand

Viele ambulante Psychotherapien finden einmal pro Woche oder seltener statt. Was dazwischen im Kopf der Patientinnen und Patienten passiert, ist an Bedeutung kaum zu überschätzen.
Psychologinnen um Mareike Ernst von der Universität Klagenfurt analysierten die Angaben von 73 Personen, die insgesamt mehr als 2500 Therapiestunden absolvierten. Jeweils zu Beginn beantworteten die Teilnehmenden eine Reihe von Fragen – etwa, wie häufig sie seit der letzten Sitzung über ihre Therapie nachgedacht hatten. Außerdem fragten die Forscherinnen nach Suizidgedanken, die zu Beginn bei rund 40 Prozent der Teilnehmenden vorhanden waren.
Jene unter ihnen, die zwischen den Sessions häufiger versuchten, Einsichten aus den Sitzungen anzuwenden, berichteten tendenziell seltener über Suizidgedanken. Auch wenn im Lauf der Therapie positive Emotionen zunahmen, ging dies mit geringerer Suizidalität einher.
Ungünstig war es dagegen, wenn beim Gedanken an die Therapie Gefühle wie Angst, Frust oder Entmutigung auftraten. Dachten die Teilnehmenden immer häufiger über die Behandlung nach oder malten sich Gespräche mit dem Therapeuten aus, ging das mit steigenden Suizidgedanken einher. Diese Vorgänge könnten eine wachsende Belastung ausdrücken und den Versuch, sich in der Not selbst zu helfen, so die Forscherinnen.
Diese »Inter-Session-Prozesse« spiegeln demnach wider, wie stark die therapeutische Beziehung verinnerlicht wird und im Alltag fortwirkt, schlussfolgert das Team. Zugleich könnten sie anzeigen, wenn eine psychische Krise droht. Die Studie kann allerdings nicht sauber belegen, ob belastende Inter-Session-Prozesse Suizidgedanken verstärken oder ob umgekehrt mehr Suizidgedanken dazu führen, dass Betroffene stärker um Therapie und Therapeut kreisen.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.