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News: Internationale Bewertung der Klimawirkung des weltweiten Luftverkehrs

In einer umfassenden wissenschaftlichen Bestandsaufnahme des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) haben mehr als 100 Experten aus 15 Nationen die klimatischen Auswirkungen des weltweiten Luftverkehrs auf die globale Atmosphäre untersucht und den gegenwärtigen Anteil des Luftverkehrs am vom Menschen verursachten Treibhauseffekt mit rund vier Prozent bestätigt. Damit wurden wesentliche Aussagen und Prognosen, welche Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits zum Abschluß des nationalen Verbundvorhabens 'Schadstoffe in der Luftfahrt' formuliert hatten, auch auf internationaler Ebene untermauert.
Bei ihren Berechnungen und Prognosen zu den atmosphärischen Auswirkungen des Luftverkehrs nutzten die Wissenschaftler in der IPCC-Studie erstmalig eine Zeitskala bis zum Jahr 2050. Diese Zeitspanne entspricht der Lebensdauer einer neuen Flugzeuggeneration.

Bis zu diesem Zeitpunkt kann nach der Studie des Intergovernmental Panel on Climate Change unter der Annahme eines sechsfachen Verkehrszuwachses der Anteil des Luftverkehrs bis auf etwa fünf Prozent der Summe aller von Menschen verursachten Treibhauseffekte anwachsen.

Maßgeblich bei der Bewertung der Umweltverträglichkeit sind die Flugzeug-Emissionen in Form von Kohlendioxid, Stickoxiden, Wasserdampf, Ruß, Schwefeloxiden und anderen Gasen, die Partikel bilden. Die Stickoxide führen dabei in den Höhen des Luftverkehrs nicht nur zu einer Zunahme des als Treibhausgas wirkenden Ozons in der Atmospäre, sondern verursachen zugleich auch eine Abnahme des aus anderen Quellen stammenden Treibhausgases Methan. Dadurch wird ein erheblicher Teil des Treibhauseffektes durch Ozon und Kohlendioxid aus dem Luftverkehr ausgeglichen. Allerdings sind die Verteilungen der durch Stickoxide veränderten Treibhausgase Ozon und Methan sehr unterschiedlich, so daß ihre Wirkungen zwar global, nicht aber regional ausgeglichen werden können.

Die IPCC-Analyse bestätigt darüber hinaus eine geringe Beeinflussung des Klimas durch Kondensstreifen, welche von den Triebwerksabgasen gebildet werden. Neue Beobachtungen weisen darauf hin, daß die Bewölkung in der Atmosphäre in Regionen mit starkem Luftverkehr zunimmt und daß diese Zunahme etwa doppelt so groß ist wie aufgrund der linienförmigen Kondensstreifen zu erwarten war. Allerdings schließen die Wissenschaftler nicht aus, daß diese Bewölkungszunahme auch eine Folge von natürlichen Klimaschwankungen der Atmosphäre und der Ozeane oder von Emissionen aus anderen Quellen auf der Erde ist.

Mit einer Zunahme der Ultraviolett-Strahlung (UV) infolge des Luftverkehrs ist nach Ansicht der Wissenschaftler heute und in Zukunft nicht zu rechnen. Dies würde sich allenfalls bei einem Betrieb einer großen Flotte von Überschallverkehrsflugzeugen ändern. Die erwartete Ozonänderung infolge des Überschallverkehrs fiele nach den neuesten Prognosen dagegen geringer aus als noch vor wenigen Jahren vermutet.

Bei Anwendung modernster Triebwerks- und Flugzeugtechnologien läßt sich nach Ansicht der IPCC-Studie bis zum Jahr 2050 der Treibstoffverbrauch pro Passagier und Flugkilometer um bis zu 50 Prozent reduzieren, bereits heute ließen sich unter Anwendung fortschrittlicher Flugführungs- und Kontrollsysteme sechs bis zwölf Prozent an Flugtreibstoff einsparen. Der IPCC-Bericht (Download einer Zusammenfassung der IPCC-Studie als pdf-Datei) weist darauf hin, daß die Einsparungsmaßnahmen voraussichtlich durch den stark anwachsenden Verkehr überkompensiert werden.

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