Internationaler Tag des Mondes: Was wäre, wenn der Mond verschwindet?

Seit Milliarden von Jahren umkreist der Mond die Erde. In einer durchschnittlichen Entfernung von rund 384 400 Kilometern prägt er das Leben auf unserem Planeten stärker, als vielen bewusst ist. Zum Internationalen Tag des Mondes, der jährlich am 20. Juli an die erste bemannte Mondlandung durch die Crew der Apollo-11-Mission im Jahr 1969 erinnert, kommt hier ein wissenschaftlicher Blick auf die Frage: Was wäre, wenn der Mond plötzlich verschwände? Immerhin, etwa 1,3 Sekunden lang würde sich nichts ändern. So lange benötigt das Licht und auch die Information über die Änderung des Gravitationsfelds, um die Strecke zwischen den beiden Himmelskörpern zurückzulegen.
Über das, was danach geschieht, hat die US-Raumfahrtbehörde NASA eindeutige Antworten: Die Erde wäre eine völlig andere Welt. Manche Folgen wären unmittelbar spürbar, etwa dunklere Nächte oder deutlich schwächere Gezeiten. Andere Veränderungen – etwa bei der Stabilität der Erdachse oder der Erdrotation – würden sich erst über längere oder extrem lange Zeiträume entfalten.
Er hält die Achse der Erde stabil
Der Mond ist der einzige natürliche Satellit der Erde. Ohne eine nennenswerte Atmosphäre ist auf ihm zwar kein Leben möglich, dennoch spielt er für jenes auf der Erde eine entscheidende Rolle. Seine Schwerkraft wirkt wie ein Stabilisator für die Erdachse. Diese ist derzeit um rund 23,5 Grad gegenüber der Umlaufbahn der Erde um die Sonne geneigt, der sogenannten Ekliptik. Genau diese Neigung sorgt dafür, dass es auf der Nord- und Südhalbkugel unterschiedliche Jahreszeiten gibt.
Ohne Mond geraten Jahreszeiten aus dem Gleichgewicht
Wenn der Begleiter der Erde verschwinden würde, wäre die Neigung der Erdachse deutlich weniger stabil. Nach Berechnungen des Royal Museums Greenwich könnte sie ohne den Mond stark schwanken. Im Extremfall stünde die Achse nahezu senkrecht – Jahreszeiten gäbe es in dem Fall kaum noch. Neigte sie sich dagegen stärker, könnten Regionen der Erde mit wesentlich stärkeren Sommern, strengeren Wintern oder sogar Eiszeiten konfrontiert werden.
Ebbe und Flut würden sich abschwächen
Der Mond ist der wichtigste Motor der Gezeiten. Seine Schwerkraft verursacht den größten Teil von Ebbe und Flut. »Auch die Sonne wirkt auf die Gezeiten, aber ihre Wirkung ist nur etwa halb so stark wie diejenige des Mondes«, sagt Martin Knapmeyer vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum DLR. Das heißt: Ohne den Mond würden die Gezeiten massiv zurückgehen. Küstenökosysteme, die auf den regelmäßigen Wechsel angewiesen sind, würden sich grundlegend verändern. Arten wie Muscheln, Seesterne, Schnecken oder viele Krebsarten könnten ihre Lebensräume verlieren. Da die Gezeiten auch die Meeresströmungen beeinflussen, welche die Wärme um den Globus verteilen, könnten Temperaturunterschiede zwischen Regionen größer ausfallen.
Die Tage würden immer länger
Der Mond beeinflusst unseren Heimatplaneten noch auf eine weitere Art. Über Milliarden von Jahren hat seine Anziehungskraft die Erdrotation allmählich abgebremst, von einst wenigen Stunden auf heute etwa 24 Stunden.
»Wenn wir jetzt den Mond wegbeamen würden, dann würde dieser Bremseffekt ausbleiben – es gäbe aber auch keine Kraft, welche die Rotation der Erde wieder beschleunigt«, erklärt Knapmeyer.
Erst einmal würde die Tageslänge also so bleiben, führt der Forscher weiter aus. Doch irgendwann würde die Sonne die Erde weiter abbremsen. Das geht vielleicht so weit, bis unser Planet in Milliarden Jahren vielleicht immer die gleiche Seite der Sonne zuwendet, so wie heute der Mond uns immer die gleiche Seite zeigt. Bis dahin wird jedoch auch die Sonne tiefgreifende Veränderungen durchlaufen.
Ohne Mondlicht wären die Nächte deutlich dunkler
Auch die Tierwelt bekäme die Folgen eines Mond-Verschwindens unmittelbar zu spüren. Viele nachtaktive Arten orientieren sich am Mondlicht oder haben ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten an den Mondphasen ausgerichtet. Ohne den Mond wären die Nächte wesentlich dunkler. Manche Räuber hätten größere Schwierigkeiten, Beute aufzuspüren, andere Arten würden vielleicht von der zusätzlichen Dunkelheit profitieren. Solche Verschiebungen könnten bestehende Ökosysteme erheblich verändern.
Kein Mond, keine Sonnenfinsternisse
Unser Blick ins All sähe auch gänzlich anders aus. Ohne Mond gäbe es keine Sonnenfinsternisse, weil kein Himmelskörper die Sonnenscheibe aus Sicht der Erde verdecken könnte. Dass der Mond die Sonnenscheibe in der echten Welt dabei fast exakt verdeckt, verdanken wir nebenbei einem kosmischen Zufall: Die Sonne ist zwar rund 400-mal größer als der Mond, aber auch etwas mehr als 400-mal weiter von der Erde entfernt. Wäre der Mond weiter weg, gäbe es keine totalen Sonnenfinsternisse. Würde er die Erde dagegen in einer engeren Bahn umrunden, erschiene er uns nicht nur größer; Sonnenfinsternisse träten häufiger auf und würden länger anhalten.
In unserer realen Welt steht übrigens schon bald wieder eine solche bevor: Am 12. August schiebt sich der Mond zwischen Erde und Sonne und sorgt für eine Sonnenfinsternis, die auch in Teilen Mitteleuropas zumindest partiell zu sehen sein wird.
Natürlich wären auch Mondfinsternisse ohne unseren Trabanten unmöglich – es gäbe keinen Mond, der durch den Erdschatten wandert.
Schwerer Start für die bemannte Marsmission
Zu guter Letzt ist unser treuer Begleiter aber nicht nur für Himmelsbeobachtungen von Bedeutung. Er gilt auch als wichtiges Sprungbrett für die bemannte Raumfahrt. Auf einer künftigen Mondbasis könnten Astronautinnen und Astronauten Technologien für Langzeitmissionen erproben. Gefrorenes Wasser vom Mond könnte der Ausgangsstoff für Treibstoff oder Atemluft sein. Weil die Schwerkraft des Mondes nur ein Sechstel derjenigen auf der Erdoberfläche beträgt, ließen sich Raumschiffe von dort mit deutlich geringerem Energieaufwand starten. Ohne Mond entfiele damit ein naheliegender Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars – die bemannte Erkundung des Roten Planeten würde damit erheblich schwieriger werden. (dpa/sm)
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