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Invasive Arten: Exotische Ameisen bedrohen die Artenvielfalt

Eingeschleppte Arten bedrohen oft die einheimische Fauna und Flora. Eine Studie zeigt nun, wie der Handel mit Haustieren diesen Prozess anfacht. Ein unterschätztes Problem dabei: Ameisen.
Feuerameise - die Sechsbeiner beherrschen die WeltLaden...

Der internationale Handel mit Ameisen als Haustier boomt seit Jahren. Das könnte vielerorts die Artenvielfalt bedrohen, warnt nun ein Forscherteam aus der Schweiz. Denn global mit Erfolg gehandelt werden häufiger solche potenziell invasiven Arten, die sich leicht in Habitate jenseits ihrer Herkunftsgebiete ausbreiten, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift »PNAS«.

Cleo Bertelsmeier und Jérôme Gippet vom Institut für Ökologie und Evolution in Lausanne hatten in einer Metaanalyse herausarbeiten wollen, wie häufig invasive Arten im Tierhandel weltweit angeboten und verkauft werden. Dazu haben sie tausende verschiedene Spezies aufgelistet, vom Säugetier über Fische bis zu Insekten. Sie rechnen aus, dass mehr als zwölf Prozent der gehandelten Spezies zu den invasiven Arten zählen. Deutlich wird das Problem unter anderem bei den Ameisen: Invasive Arten werden nicht nur häufiger verkauft als andere, sie sind auch mehr als sechsmal häufiger im Tierhandel vertreten, als der natürlichen anteiligen Verteilung entspricht.

»Unsere Analyse zeigt einen aufkommenden und schnell wachsenden Invasionspfad für Ameisen«, schreiben die Forscher: »Wir gehen davon aus, dass der Haustierhandel mit Ameisen in Zukunft zur Ausbreitung invasiver Arten beiträgt.« Ihre Analyse zeigt, dass der Verkaufserfolg und die Robustheit als Handelsware mit der Fähigkeit zum Überleben in fremden Habitaten korrelieren: Hier finden sich etwa größere Generalisten mit größeren Arbeitern und mehreren Königinnen im Nest. Unter den 57 von den Forschern auf Handelsplattformen gefundenen Ameisenarten sind 13 der 19 von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) genannten invasiv bedrohlichsten Spezies der Ameisen. So werden etwa Arten wie die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta), ein berüchtigter Invasor, von Händlern gerne verkauft.

Das Problem mit dem Tierhandel gehe aber über Ameisen hinaus: Auch bei Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen seien invasive Arten deutlich überrepräsentiert. »Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie dringend es nötig ist, den weltweiten Handel mit lebenden – auch wirbellosen – Tieren international zu regulieren«, schreiben die Wissenschaftler. Die geltenden Regeln seien unzureichend.

Invasive Arten sind laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) solche, die sich durch den Einfluss des Menschen in Regionen ausbreiten, in denen sie vorher nicht heimisch waren, sei es in Gepäck und Ware etwa an Bord von Schiffen oder durch den Tierhandel. Sie hätten oft unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope, weil sie mit einheimischen Arten um Lebensraum und Ressourcen konkurrieren und diese auch verdrängen können.

Generell breiten sich Arten mit ohnehin großen Verbreitungsgebieten und wenig speziellen Ansprüchen an ihre Umgebung öfter dort aus, wo sie eigentlich nicht heimisch sind, wie es in der Lausanner Studie heißt. Dass sie im Tierhandel überdurchschnittlich vertreten sind, könne zum einen daran liegen, dass die Händler diese Arten, weil sie weit verbreitet sind, einfacher besorgen können. Zum anderen seien sie womöglich auch attraktiver für Käufer, weil sie pflegeleichter seien als Arten mit speziellen Bedürfnissen.

Für Tierhändler seien Ameisen ein einfaches Geschäft, denn eine Königin lasse sich mit einer kleinen Schar Tiere problemlos per Post verschicken, heißt es in der Studie. Es gebe keine Beschränkungen für den Handel mit Ameisen, obwohl hinreichend bekannt sei, wie stark sie das Ökosystem in einer neuen Umgebung bedrohen können. (jo)

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