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Herpetofauna: Invasive Arten verursachen weltweit Milliardenkosten

Wenn sich Amphibien und Reptilien in andere Regionen ausbreiten und heimische Tierarten verdrängen, entstehen Kosten in Milliardenhöhe. Hauptverursacher sind dabei nur zwei Spezies.
Ochsenfrosch - aus Nordamerika in die Rheinauen
Der Ochsenfrosch Lithobates catesbeianus stammt ursprünglich aus Nordamerika. Die großen Frösche verspeisen jegliche Tierart, die sie überwältigen können.

Zwischen 1986 und 2020 haben eingeschleppte Amphibien und Reptilien die Weltwirtschaft mit Kosten von ungefähr 16,5 Milliarden Euro belastet. Wie eine internationale Arbeitsgruppe um Phillip Haubrock vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt im Fachblatt »Scientific Reports« berichtet, verursachen hauptsächlich zwei Arten die genannten Kosten: die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) und der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus). Die Tiere dezimieren heimische Spezies, was wiederum die Ökosysteme destabilisiert, zur Verbreitung von Krankheiten unter den Tierarten führt und für Ernteverluste sorgt.

Für ihre Analyse haben die Forschenden Informationen aus der Datenbank InvaCost ausgewertet, in der wissenschaftliche Studien und Dokumente von Regierungen, Hochschulen und NGOs enthalten sind. Haubrock und sein Team kamen zu mehreren Ergebnissen: Bei einem finanziellen Gesamtschaden von zirka 16,5 Milliarden Euro entfallen rund 6,1 Milliarden Euro auf invasive Amphibien und etwa 10,1 Milliarden Euro auf eingeschleppte Reptilien. Gut 200 Millionen Euro gehen auf beide Tiergruppen zurück. Für Frösche, Kröten oder Lurche entstehen die Kosten durch die Bekämpfung der Tiere. Reptilien hingegen richten vermehrt Schäden an, etwa auf Äckern.

Die Verteilung der Kosten ist weltweit unterschiedlich. Ozeanien und die Inseln im Pazifik tragen ungefähr 63 Prozent, Europa zirka 35 Prozent und Nordamerika zwei Prozent.

Wohin der Ochsenfrosch und die Nachtbaumnatter eingeschleppt wurden

Auf der westpazifischen Insel Guam etwa leben mehr als 10 000 Exemplare der Braunen Nachtbaumnatter pro Quadratkilometer. Während des Zweiten Weltkriegs hatten US-Truppen das Reptil eingeschleppt. Nach wenigen Jahren fraßen die Schlangen zahlreiche heimische Vogelarten, die nun extrem verringert oder gar ausgestorben sind. Zudem verursachen die Nattern auf Guam etliche Stromausfälle, was wiederum Reparaturkosten erzeugt. In Europa schlagen dagegen eher die Amphibien zu Buche. Allein 95 Prozent aller Ausgaben verschlingt dort die Bekämpfung des Nordamerikanischen Ochsenfroschs.

Haubrock betont laut einer Pressemitteilung, dass die Berechnungen seines Teams »erstmals die weltweit entstehenden Kosten durch die Herpetofauna« aufzeigen würden. Der Biologe geht allerdings von mehr Schäden aus, als bislang erfasst sind. »Wir gehen außerdem davon aus, dass die Invasionsraten in Zukunft zunehmen werden – dem wird ein Anstieg der wirtschaftlichen Kosten folgen«, sagt der Senckenberg-Forscher. Seines Erachtens ließen sich die Ausgaben senken, wenn der Transport von Amphibien und Reptilien weltweit stärker begrenzt und unterbunden würde.

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