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Mortalität: Irak: Seit Invasion 151 000 Tote durch Gewalt

Im Irak starben von März 2003 – dem Beginn des US-Militäreinsatzes – bis Juni 2006 wahrscheinlich 151 000 Menschen durch Gewalt. Diese Zahl nennt eine Studie des irakischen Gesundheitsministeriums, das in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation über 9000 Haushalte befragt hatte. Die Schätzung unterschreitet die Zahlen einer erheblich kleineren Studie von 2006 deutlich. Damals hatten amerikanische Forscher in The Lancet von etwa 600 000 zusätzlichen Todesopfern auf Grund von Gewalt im selben Zeitraum gesprochen.

Der Anteil der Todesfälle durch Verletzungen im Rahmen von bewaffneten Konflikten stieg damit von 10,5 Prozent vor der Invasion auf 23,2 Prozent danach. Besonders betroffen sind Männer von 15 bis 59 Jahren, bei denen sich diese Quote von 31,3 auf 63,5 Prozent verdoppelte und damit zur führenden Todesursache in dieser Bevölkerungsgruppe wurde. Bagdad weist dabei die höchsten Zahlen von Gewaltopfern auf.

Die Studie von 2006 hatte über 1800 Haushalte in zufällig ausgewählten Gebieten befragt. Aus den dort berichteten Todesursachen von Familienmitgliedern, die zu über neunzig Prozent durch einen Totenschein bestätigt wurden, hatten sie auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet, wie viele Todesfälle zusätzlich seit der Invasion aufgetreten waren – im Vergleich zu den Sterberaten vor dem Einmarsch. Die Schlussfolgerung, dass dort täglich über 900 Menschen zusätzlich durch Gewalt sterben, wurde jedoch heftig angezweifelt.

Doch auch die nun präsentierten Daten sind unsicher: In Umfragen dieser Art werden eher zu geringe als realistische Angaben gemacht. Verschiedene statistische Tests zeigten, dass die Werte doppelt so hoch liegen könnten, bemerken die Autoren. Der auf Mediendaten beruhende Iraq Body Count verzeichnet hingegen nicht einmal 50 000 Gewaltopfer unter Zivilisten. Eine systematische Meldung durch Kranken- und Leichenhäuser gibt es bislang nicht.

Im Irak leben 27 Millionen Menschen, siebzig Prozent davon in Städten, vor allem in den zentralen Provinzen Bagdad und Babil. 2,2 Millionen Iraker sind laut Auswärtigem Amt vor Unruhen im Land ins Ausland geflohen; hinzu kommen zwei Millionen Menschen, die innerhalb der Landesgrenzen auf der Flucht sind. (af)
11.01.2008

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 11.01.2008

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