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Erste Hilfe im All: Was Astronauten für medizinische Notfälle lernen

Der Weg von der ISS in die Notaufnahme ist weit. Darum lernen Astronauten, wie sich Wunden und Zahnprobleme auch ohne ärztliche Hilfe im All behandeln lassen.
Eine Gruppe von vier Astronauten in weißen Raumanzügen posiert in einem beengten, technisch ausgestatteten Raumfahrzeugmodul. Die Umgebung ist mit zahlreichen Kabeln, Geräten und Kontrolltafeln ausgestattet. Im Hintergrund sind Flaggen verschiedener Länder zu sehen. Die Astronauten lächeln und blicken in die Kamera, was auf eine positive Stimmung hinweist.
Die Crew-11 besteht aus dem US-Astronauten Michael Fincke, dem russischen Kosmonauten Oleg Platonow, der US-Astronautin Zena Cardman sowie dem japanischen Raumfahrer Kimiya Yui (von unten links im Uhrzeigersinn).

Wegen eines medizinischen Problems holt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA eine Besatzung vorzeitig von der Internationalen Raumstation ISS zurück. Wer betroffen ist und welches Problem vorliegt, wurde nicht bekannt gegeben. Offensichtlich genügte aber die Hilfe von den Astronautenkollegen vor Ort nicht.

Weil sie im Notfall selbst handeln müssen, bekommen Raumfahrerinnen und Raumfahrer stets auch eine medizinische Ausbildung. »Ärztliches Personal kann Astronauten zwar telemedizinisch betreuen, aber letztlich müssen die da oben auch allein klarkommen«, sagt Bimba Hoyer, Fliegerärztin der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Das medizinische Training vor einer Mission finde unter anderem im Krankenhaus statt. 

Raumfahrer lernen unter anderem, Blut abzunehmen, eine Wunde zu nähen, einen Zahn zu ziehen und eine provisorische Füllung einzusetzen. Auch Wiederbelebungsmaßnahmen sowie Ultraschall- und Augenuntersuchungen beherrschen sie. An Bord der ISS helfe eine spezielle medizinische Checkliste mit klaren Anweisungen bei der Diagnose und Behandlung kranker oder verletzter Besatzungsmitglieder, erklärt Hoyer. Zudem gebe es eine umfangreiche Bordapotheke. 

Taschen voller Medikamente

»Der Besatzung stehen mehrere Medikamententaschen mit Aspirin oder anderen milden Arzneimitteln und ein Notfallkoffer zur Verfügung, der Schmerzmittel, Anästhetika, Medikamente für die Zahnbehandlung, Verbandsmaterial, Stethoskop, Defibrillator und andere komplexere Instrumente und Arzneimittel zur Lebenserhaltung enthält«, heißt es vonseiten der ESA. Zudem spreche ein Fliegerarzt in einer Art privater Sprechstunde regelmäßig mit jedem ESA-Astronauten, um potenzielle Gesundheitsprobleme zu erörtern. 

Die NASA hatte bekannt gegeben, dass sie die vier Mitglieder der Crew-11 – bestehend aus US-Astronaut Michael Fincke, seiner Kollegin Zena Cardman sowie dem japanischen Raumfahrer Kimiya Yui und dem russischen Kosmonauten Oleg Platonow – wegen eines medizinischen Problems vorzeitig zur Erde zurückholt. Es ist das erste Mal in der Geschichte der ISS, dass dies nötig ist. (dpa/kmh)

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