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Paläontologie: Ist Archaeopteryx doch ein Dinosaurier?

künstlerische Darstellung von Xitotingia zhengi  Laden...
Nach dem jüngsten Fund eines gefiederten Fossils müssen Paläontologen die Entstehungsgeschichte der Vögel möglicherweise neu schreiben. Xitotingia zhengi ist etwa hühnergroß, rund 800 Gramm schwer und lebte wahrscheinlich vor etwa 155 Millionen Jahren im Oberen Jura: Neben seinem Skelett sind auch Abdrücke von Federn und Haut im Schiefergestein erhalten.

Eine Forschergruppe um Xing Xu von der chinesischen Universität Linyi hatte die Versteinerung einem Händler abgekauft. Ursprünglich stammt sie wahrscheinlich aus der Provinz Liaoning, wo schon andere urzeitliche Vögel und Saurier gefunden wurden.

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Xitotingia zhengi | Xitotingia zhengi ist hühnergroß und rund 800 Gramm schwer. Sein Fund lässt Paläontologen den Stammbaum der Vögel neu bewerten. Sein Verwandter Archaeopteryx gehört wohl doch zu den Dinosauriern.
Die Wissenschaftler verglichen die Merkmale von X. zhengi genau mit den verwandten dinosaurierähnlichen Vögeln (Avilae) und vogelähnlichen Dinosauriern (Oviraptoraosaurier und Deinonychosaurier). Die Analyse brachte den bisherigen Stammbaum durcheinander und lieferte eine Überraschung: Archaeopteryx, der seit seiner Entdeckung vor 150 Jahren im fränkischen Jura als der Urvogel schlechthin galt, könnte nun bei den Deinonychosauriern landen. Dies sind allerdings nicht die ersten Hinweise, dass Archaeopteryx kein Vogel ist. Seine Federn und Füße mit drei Zehen, die ihn vermeintlich als solchen auszeichnen, waren nach und nach auch bei einigen Dinosaurierfunden aufgetaucht.

Jüngste Untersuchungen hatten zudem ergeben, dass sich viele vogelartige Dinosaurier von Pflanzen ernährten, während es unter den Deinonychosauriern aber gleichzeitig auch Fleischfresser gab. Zählt man Archaeopterix nun auch zu den Sauriern, würde das diese Theorie unterstützen: Auch er besitzt den Schädel eines Fleischfressers.

Doch der neue Stammbaum ist wahrscheinlich nicht ewig gültig. Schon der nächste Fund könnte Archaeopteryx und seinen Verwandten wieder Plätze darin zuweisen. (bw)
30. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 30. KW 2011

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  • Quellen
Nature 475, S. 465–470, 2011

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