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Artenschutz: Ist das der seltenste Vogel der Erde?

Der Nördliche Stirnhaubentapaculo wurde wiederentdeckt. Aber bislang hat man nur ein einziges Weibchen beobachtet.
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Nördliche Stirnhaubentapaculos (Merulaxis stresemanni) sind notorisch scheue Vögel. Nachdem die Art in den 1830er Jahren entdeckt, verschwand sie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aus dem Blickfeld der Wissenschaftler. Damals sammelten Biologen ein weiteres Exemplar der Art und wurde sie vom deutsch-brasilianischen Ornithologen Helmut Sick erstmals beschrieben. Für die folgenden 50 Jahre blieb dies der letzte Hinweis auf die Vögel. Erst 1995 wurden erneut Stirnhaubentapaculos beobachtet, doch blieben auch in der Folge weitere Sichtungen rar, bis die Spezies vor einigen Jahren erneut nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Viele Ornithologen fürchteten seitdem, dass die versteckt lebenden Vögel ausgestorben sein könnten – zumal in der Zwischenzeit eine schwere Dürre und Waldbrände ihre letzten bekannten Refugien im brasilianischen Bundesstaat Bahia heimgesucht hatten. Doch kurz vor Weihnachten meldeten Mitglieder einer Suchexpedition endlich Erfolgserlebnisse: Am 12. und 14. Dezember beobachteten Alexander Zaidan von der Fundação Biodiversitas und sein Team ein einzelnes Weibchen in kleinen Waldfragmenten in Bahia, wie die American Bird Conservancy meldete.

Da bislang nur ein Tier sicher beobachtet werden konnte, könnte es sich beim Nördlichen Stirnhaubentapaculo um die seltenste Vogelart der Erde handeln, so Zaidan und Co. Immerhin gelang es ihnen auch, den Ruf des Weibchens aufzuzeichnen, was die Suche nach weiteren Tieren erleichtern könnte. Wie andere Mitglieder dieser Vogelfamilie leben Stirnhaubentapaculos versteckt im Unterholz, wo sie in Bodenhöhlen nisten. Um die Art und andere gefährdete Spezies der Region zu schützen, wurde vor einiger Zeit Wald gekauft und ein privates Naturschutzgebiet eingerichtet. Buschfeuer fraßen sich allerdings 2016 in das Reservat vor und zerstörten wichtige Bruthabitate.

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Nördlicher Stirnhaubentapaculo

Um die Gefahr zukünftig zu verringern und mehr Lebensraum für die Tapaculos und andere gefährdete Vögel zu schaffen, planen Fundação Biodiversitas und American Bird Conservancy weitere Landkäufe im Umfeld des Schutzgebietes. Zudem soll die Suche nach den Tapaculos im benachbarten Bundessstaat Minas Gerais intensiviert werden. Ganz hoffnungslos ist das Unterfangen nicht, die Art zu retten. Die Zahl der Chatham-Schnäpper (Petroica traversi) war einst auf fünf Tiere reduziert, darunter ein Brutpaar. Seitdem hat sich der Bestand so gut erholt, dass die Gefährdungskategorie der Art herabgestuft werden konnte. Bahia gehört allerdings zu den Regionen Brasiliens, in denen der atlantische Regenwald am stärksten abgeholzt und zerstückelt wurde. Mindestens drei Vogelarten starben in diesem Teil des Ökosystems wohl während der letzten Jahre aus, wie eine Studie zeigte.

01/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01/2019

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