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Exoplanet: Ist das ein Exomond?

Im Sternsystem HD 206 893 wurde mithilfe astrometrischer Messungen ein Begleiter entdeckt, der sich um einen Braunen Zwerg bewegt. Kann man von einem Exomond reden? Oder ist das ein Planet im Umlauf um einen Braunen Zwerg? Sollte man von einem Doppelplaneten sprechen?
Eine künstlerische Darstellung eines großen Gasplaneten mit sichtbaren Streifen und einem kleineren, felsigen Mond im Vordergrund. Im Hintergrund ist ein leuchtender Stern zu sehen, umgeben von zahlreichen Sternen und einer Galaxie. Die Szene vermittelt den Eindruck eines fernen Sonnensystems im Weltraum.
Ist das ein massereicher Exomond? Darüber lässt sich in Anbetracht der involvierten Massen im Sternsystem HD 206 893 trefflich streiten (Illustration). Der Hauptstern im Hintergrund wird von einem Braunen Zwerg mit 19,5 Jupitermassen begleitet, der astrometrischen Messungen zufolge wiederum einen Begleiter mit etwa der halben Jupitermasse hat.

Rund 133 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Steinbock (lateinisch: Capricornus) befindet sich der sonnenähnliche Stern HD 206 893. Er gehört zur Spektralklasse F und weist zwei Trabanten auf. Einer von ihnen – ein Brauner Zwerg, der in der wissenschaftlichen Literatur als substellarer Begleiter bezeichnet wird – sorgt derzeit für besonderes Interesse: Um diesen Himmelskörper entdeckte ein Forschungsteam um Quentin Kral vom Observatoire de Paris mittels astrometrischer Messungen einen weiteren Begleiter. Über seine Ergebnisse berichtet das Team im Fachjournal »Astronomy & Astrophysics«. Der neu entdeckte Trabant weist etwa eine halbe Jupitermasse auf. Damit stellt sich jedoch die Frage, ob dies der erste Nachweis eines Exomonds ist. Oder handelt es sich doch um einen Planeten im Umlauf um einen Braunen Zwerg?

HD 206 893 B, so die Bezeichnung des Braunen Zwergs, bewegt sich nicht auf einer geraden Bahn um den Hauptstern. Das ergaben Messungen des Präzisionsspektroskops GRAVITY, welches das Licht aller vier 8-Meter-Teleskope des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte der ESO in Chile kombiniert. Stattdessen ist der Umlaufbahn von HD 206 893 B eine geringe Schleifenbewegung überlagert, die den Braunen Zwerg scheinbar ein wenig hin- und herwackeln lässt.

Dieses Verhalten ließe sich nach Ansicht des Teams um Kral am einfachsten durch einen Begleiter des Braunen Zwergs erklären, der rund eine halbe Jupitermasse oder mehr als die anderthalbfache Saturnmasse aufweist. Er würde den Braunen Zwerg in einem Abstand von 0,22 Astronomischen Einheiten, rund 33 Millionen Kilometern, umrunden. Seine Bahn wäre dabei 60 Grad gegenüber der Umlaufbahn des Braunen Zwergs geneigt. HD 206 893 B selbst umkreist den Hauptstern HD 206 893 A in einer Entfernung von 10,8 Astronomischen Einheiten (10,8-mal der Abstand der Erde zur Sonne) und benötigt für eine vollständige Umrundung rund 30,5 Jahre, vergleichbar mit der Umlaufzeit des Saturn in unserem Sonnensystem.

Damit stellt sich die grundlegende Frage, ob man Begleiter eines Braunen Zwergs als Planeten oder Monde bezeichnet. Braune Zwerge sind Himmelskörper mit stellarer Zusammensetzung, aber mit zu geringer Masse, um in ihrem Inneren die Wasserstofffusion zu zünden. Oft werden sie auch als gescheiterte Sterne bezeichnet. Man könnte also von einem Planeten sprechen. Man könnte sogar auch von einem Doppelplaneten sprechen, denn das Massenverhältnis des Begleiters zum Braunen Zwerg beträgt 1 zu 39, ist also sehr hoch. Oder man betrachtet HD 206 893 B als einen sehr massereichen Planeten um den Hauptstern HD 206 893 A – in diesem Fall ist der neu entdeckte Begleiter als Exomond zu interpretieren.

Bevor diese Fragen jedoch abschließend beantwortet werden können, muss die Existenz des Begleiters zunächst unabhängig bestätigt werden. Das Team um Kral hat hierfür bereits weitere Beobachtungsanträge eingereicht.

  • Quellen
https://www.aanda.org/articles/aa/full_html/2026/01/aa57127–25/aa57127–25.html

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