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Planetensysteme: Ist die Erde doch einmalig?

Jahrhunderte lang wähnte der Mensch sich als ein auserwähltes Wesen auf einem ganz besonderen Planeten unter all den Sternen am Himmel. Dann lehrte die Wissenschaft ihn Bescheidenheit, um jetzt wiederum die Frage aufzuwerfen, ob die Erde vielleicht doch ein kosmisches Unikat ist.
Erde
Wenn Fixsterne nicht fix(iert) sind, sondern ein wenig mit den Hüften schwingen, dann hat das etwas zu bedeuten. In vielen Fällen weisen derartige Rhythmen offenbar auf massereiche Begleiter, die selbst nicht leuchten, weil sie nicht über genug Materie verfügen, um ein Fusionsfeuer zu entzünden. Stattdessen ziehen sie ihre Bahnen um die jeweiligen Sterne, wobei sie mit ihrer gewaltigen Gravitationskraft an den Sternen zerren, was Astronomen auf der Erde seit kurzem mit ihren Teleskopen nachweisen können. Rund 110 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems haben sie auf diese Weise bereits nachgewiesen. Und da fast jeden Monat weitere hinzukommen, scheint klar, dass die Milchstraße von beliebig vielen Planeten bevölkert sein dürfte, womit es nur eine Frage der Zeit und der Messtechnik ist, wann Forscher dort draußen einen Zwilling der Erde entdecken werden.

Vielleicht wird dieser Tag aber niemals kommen, geben nun Wissenschaftler um Martin Beer von der britischen Universität Leicester zu bedenken. Denn alle bislang entdeckten Planetensysteme haben herzlich wenig mit unserem Heimatsystem zu tun. Während die Sonne von den steinigen und relativ kleinen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars sowie den Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und einer Fülle kleinerer Körper umgeben ist, scheint es außerhalb nur Giganten aus Gas zu geben. Zwischen einem Zehntel und dem Zehnfachen der Jupitermasse bringen die extrasolaren Planeten auf die Waage – leichtere Exemplare sind mit den gegenwärtigen Techniken nicht auszumachen. Womöglich gibt es sie auch gar nicht, werfen Beer und seine Kollegen ein. Denn die Fremdlinge sind nicht nur ungeheuer groß, sie bewegen sich auch auf seltsamen Umlaufbahnen. Einige kommen dabei so nahe an ihrem Stern vorbei, dass die Astronomen anfangs dachten, sie hätten sich verrechnet. Von einem komfortablen Sicherheitsabstand wie Jupiter, der sich obendrein noch auf einer fast kreisrunden Bahn bewegt, halten die fernen Gasriesen jedenfalls wenig.

Dieser Wahnsinn hat Methode, behauptet Beers Team. Die Wissenschaftler vermuten, dass die extrasolaren Systeme auf andere Weise entstanden sind als unser Sonnensystem. Staub und Gas, das sich um die junge Sonne drehte, bildete nach der aktuellen Lehrmeinung immer größere Klumpen, die bei Kollisionen aneinander hängen blieben und an Umfang zunahmen. Daraus gingen schließlich die steinigen Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars hervor, während Jupiter und die übrigen Gasplaneten sich noch eine dicke Atmosphäre aus Gasen zulegten, die sie ansammelten. Anders der Vorgang um ferne Sterne: Hier kondensierten die Planeten nach Beers Vorstellung direkt aus den umgebenden Gasen zu Riesen, die fortan auf vielen verschiedenen Bahnen um den Zentralstern wanderten. Für steinige Planeten bleibt bei so einem Mechanismus keine Chance.

Danach wären unsere Planeten die Exzentriker am Himmel – und die Erde womöglich doch ein Unikat. Vorausgesetzt, es gibt diesen zweiten Weg, ein Planetensystem zu bauen, tatsächlich und er stellt eine Art Standardvorgehensweise dar. In Anbetracht des Umstandes, dass wir selbst mit unseren besten Teleskopen nur ganz grobe Bilder von einigen besonders dynamischen Planetensystemen machen können, ist es wohl ein wenig verfrüht, diese Frage abschließend klären zu wollen. Was wir brauchen – und darin sind sich die Astronomen alle einig –, sind weitere Beobachtungen. Viele und möglichst fein aufgelöste. Dann werden wir ja sehen, ob wir etwas sehen. Und ob wir vielleicht doch alleine sind mit den Sternen, Kometen, Asteroiden und dem ganzen Rest.

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