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Planeten

Ist die Venus doch nicht so tot?

Unser Nachbarplanet Venus ist extrem lebensfeindlich. Und auch innerlich galt er bisher als ziemlich tot. Nun zeigt sich: Regional scheint es doch etwas wie Plattentektonik zu geben.
Topografische Darstellung der Venus

Temperaturen, die Blei schmelzen lassen, extreme Winde und ein Luftdruck, der 90-mal größer als derjenige auf der Erde ist – die Venus gilt als Schwester der Erde; jedoch ist der drittkleinste Planet unseres Sonnensystems ein Ort der Extreme. Geologisch betrachtet ist unser Nachbar allerdings ein bisschen monoton, schließlich ist Plattentektonik dort nur rudimentär vorhanden – zumindest dachten Planetologen dies lange. Paul Byrne von der North Carolina State University und sein Team kommen nun aber zu einem etwas anderen Schluss, wie sie auf der Herbsttagung der American Geophysical Union Mitte Dezember 2017 vorgestellt haben. Die Venus ist demnach innerlich doch der Erde etwas ähnlicher. Die Wissenschaftler hatten alte Radaraufnahmen der Magellan-Mission der NASA nochmals detailliert betrachtet und fanden Venusregionen vor, deren Aussehen jenem von Gebirgszügen in Zentralasien ähnelt.

Es scheint ein wenig so wie zu Anbeginn der Plattentektonik auf der Erde", so Byrne gegenüber "Newsweek". Er bezieht sich damit auf die Erdepoche, während der sich so genannte Mikroplatten über die erkaltende Erdoberfläche bewegten: Sie sind deutlich kleiner als die späteren Kontinentalplatten, kommen aber auch heute noch vor, wie beispielsweise die Cocosplatte zwischen Pazifischer Platte und den amerikanischen Kontinentalplatten. Die identifizierten Gesteinsbruchstücke auf der Venus sind von ähnlichen Ausmaßen, stellten die Wissenschaftler fest. Konvektion im zähflüssigen Mantel wie auf der Erde spiele auf der Venus allerdings keine Rolle, erklärt Byrne weiter. Es hänge wohl eher mit den extremen Temperaturen auf der Venusoberfläche zusammen.

Dort können Werte von mehr als 460 Grad Celsius erreicht werden. Die Hitze sorge dafür, dass sich die oberflächennahe Gesteinskruste extrem erwärmt, während tiefere Bereiche kühler bleiben, bevor sich der wieder heißere Mantel anschließt. Diese Differenzen lösen eine sehr zähe, aber doch nachhaltige Bewegung aus, an deren Ende Mikroplatten auch zusammenstoßen und Gebirge auffalten können. "In der jüngeren Vergangenheit war auf der Venus definitiv etwas in Bewegung", fasst Byrne gegenüber "Newsweek" zusammen. Und das lohne sich weiterzuuntersuchen, denn eine Frage schwebt über allen anderen: "Warum ist die Venus unser Schwesterplanet, aber nicht unser Zwilling?"

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