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Schwache Ernährungsstudien: Ist Kaffee gut fürs Herz?

Womöglich sind die Herzarterien von Durchschnitts-Kaffeetrinkern weniger verstopft, vermuten Mediziner aus Korea. Sicher können sie leider nicht sein.
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Mediziner aus Korea haben sich eines beliebten Evergreens der Ernährungsmedizin angenommen: der gesundheitlichen Wirkung von Kaffee. Großen, kleinen und mittleren Mengen des Muntermachers wurden in der Vergangenheit verschiedene positive wie negative medizinische Wirkungen zugeschrieben, unter dem Strich waren daraus aber stets nur sehr schlecht verallgemeinerbare Empfehlungen herauszudestillieren. Das wird sich auch mit der neuen statistischen Studie nicht ändern, immerhin aber vermeldet sie ein erleichterndes Zwischenfazit für Kaffeefreunde: Ein paar Tassen täglich scheinen mit einer weniger starken Tendenz zur Blockade von Herzarterien zu korrelieren und somit, so die Interpretation der Mediziner, womöglich mit einem verminderten Herzinfarktrisiko.

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Das berichten die Forscher nach der Durchsicht der Daten von immerhin 25 138 Menschen, die routinemäßig an ihrem Arbeitsplatz befragt und auch medizinisch untersucht wurden. Dabei füllten die Probanden einen Fragebogen aus, in dem sie unter anderem auch ihren Kaffeekonsum einstuften; zudem bestimmten die Ärzte durch eine Herz-CT den so genannten Kalk-Score der Teilnehmer, der ein Maß für die Dicke der Kalkablagerungen in den Herzgefäßen ist. Dieser Wert korrelierte nun mit dem per Selbstauskunft abgefragten üblichen Kaffeekonsum: Wer drei bis fünf Tassen täglich trank, hatte weniger verkalkte Arterien – sowohl mehr als auch weniger Kaffee pro Tag erhöhte den Kalk-Score.

Welche Schlussfolgerungen aus der Studie zu ziehen sind, ist allerdings unklar: Sogar die Aussagekraft des Kalk-Scores für Herzinfarktrisiken ist in Fachkreisen umstritten. Zudem ist in der Studie nicht eingerechnet worden, ob mäßige Kaffeetrinker vielleicht anderweitig gesünder leben: Die Forscher haben nur darauf geachtet, ob sich die Werte etwa bei Rauchern und Nichtrauchern und einigen wenigen anderen gesundheitlich relevanten Aspekten unterscheiden.

Insgesamt ist die Studie demnach kaum aussagekräftiger als frühere bessere oder schlechtere Untersuchungen, die Kaffee eine Wirkung gegen Diabetes und bestimmte Krebsrisiken, für das Kurz- und Langzeitgedächtnis oder gar keinen Effekt zugeschrieben haben. Noch am ehesten gilt bisher der Zusammenhang zwischen regelmäßiger Koffeinzufuhr und Diabetes als möglich. Selbst die Autoren der aktuellen Studie warnen daher vor einer Überinterpretation: Ihre Daten würden nur weitere Indizien dafür liefern, "das Kaffeekonsum vielleicht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen könnte. Weitere Forschung ist aber nötig, um das Ergebnis abzusichern." Zudem müsste ja auch erst noch ein biologischer Mechanismus aufgedeckt werden, der den möglichen Zusammenhang erklärt. Das Thema dürfte demnach noch lange nicht vom Tisch sein.

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