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Weltweite Analyse: Ein Fünftel aller bekannten Reptilienarten bedroht

Erstmals prüften Forschende, wie stark Schildkröten, Echsen oder Krokodile weltweit gefährdet sind auszusterben. Zwei Ordnungen stellten sich dabei als besonders bedroht heraus.
Die Strahlenschildkröte (Astrochelys radiata) ist auf Madagaskar heimisch. Die Tierart ist nahezu ausgestorben.

Mehr als 900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben erstmals die Bedrohungslage für Reptilien auf der ganzen Welt eingeschätzt. Ihr Fazit: Mehr als ein Fünftel aller Arten dieser Landwirbeltiere sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht, wie die internationale Arbeitsgruppe im Fachblatt »Nature« berichtet. Die Tiere würden vor allem durch Landwirtschaft, Waldrodungen, Siedlungsbau und eingeschleppte Arten zurückgedrängt.

Insgesamt haben die Forschenden 10 196 Arten überprüft. 1829 davon gelten nun als gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 31 Arten sind bereits ausgestorben, weitere 40 sehr wahrscheinlich. Zur Überraschung der Forscherinnen und Forscher seien Reptilien, die in Wäldern vorkommen, mehr gefährdet als solche in trockenen Regionen. Wie im Fall vieler anderer Tierarten sorgt vor allem der Verlust von Habitaten dafür, dass die Zahl der Reptilien stark zurückgegangen ist. Doch nicht nur die Zerstörung von Lebensraum durch den Menschen verschlimmert die Bedrohungslage, sondern auch illegale Jagd und Handel. So drohen 58 Prozent aller Schildkrötenarten und 50 Prozent aller Krokodilarten auszusterben, weil sie eingefangen und verkauft werden.

Nicht für sämtliche Reptilienarten konnte die Forschergruppe eine Einschätzung liefern. Vor allem über Tiere, die in kleinen Gebieten vorkommen, liegen nicht genügend Daten vor. Das sind immerhin 1500 Arten. Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dürfte auch von ihnen ein ähnlicher Anteil wie bei den bekannten Arten gefährdet sein. Daraus ermittelten sie, dass mehr als 21 Prozent aller Reptilienarten bedroht sind.

Die Gefährdung von Reptilien ist laut den Fachleuten weltweit zu erkennen. Besonders gravierend sei die Lage jedoch in Südostasien, in Westafrika, im Norden Madagaskars und in den nördlichen Anden sowie in der Karibik.

Für ihre Studie nutzte die Forschergruppe die Leitlinien der Weltnaturschutzunion (International Union for Conservation of Nature). Diese hat bereits für andere Klassen der Landwirbeltiere Einschätzungen veröffentlicht. So sind in der Klasse der Amphibien fast 41 Prozent der Arten vom Aussterben bedroht, zirka 26 Prozent der Säugetiere stehen auf der Roten Liste und mehr als 13 Prozent der Vögel.

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