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News: Ja, es gibt Carbonate auf dem Mars

Endlich ist gewiss: Es gibt tatsächlich Carbonate auf dem Mars. Doch sind sie tatsächlich der lang ersehnte Beweis für Flüsse, Seen und Meere? Leider nein. Es sieht so aus, als seien sie vielmehr in der dünnen Luft des Roten Planeten entstanden.
ErosionsrinnenLaden...
Endlich, nach jahrzehntelangen Spekulationen, hat der Mars Global Surveyor Carbonate entdeckt – jene Minerale, welche endgültig beweisen sollten, dass auf dem Roten Planeten tatsächlich einst Flüsse flossen und es Seen und Meere gab. Das war die gute Nachricht.

Die schlechte: Ob dem wirklich so war, ist nun zweifelhafter als je zuvor.

Hier auf der Erde gehört fast ein Viertel aller Gesteine zu den Carbonaten – Kalksteinen, die durch Ausfällung im Meer entstanden und mitunter viele tausend Meter mächtige Ablagerungen bilden. Große Teile der Alpen sind aus diesen Gesteinen der Meere, die von der Reaktion von atmosphärischem Kohlendioxid mit im Wasser gelöstem Calcium und Magnesium zeugen. Wenn Außerirdische in ein paar Milliarden Jahren ihren Fuß in die Wüsten der dann gänzlich ausgetrockneten Erde setzen, werden ihnen diese Gesteine verraten, wie feucht der Planet einst war.

Gleiches müsste auch für den Mars gelten, dessen Oberfläche – augenscheinlich jedenfalls – von alten Flussbetten durchzogen ist, und wo im Norden Küstenlinien auf die frühere Existenz eines großen Ozeans schließen lassen.

Zwar hatte man auch in den paar Meteoriten, die eindeutig vom Mars stammen, bereits Carbonate entdeckt, die Suche nach dem schlagenden Beweis für Wasser – nämlich mächtige Kalkschichten – war bislang erfolglos. Und was der Mars Global Surveyor nun zur Erde gefunkt hat, ist für die Anhänger eines einst warmen und feuchten Mars eine große Enttäuschung. "Wir haben endlich die Carbonate gefunden", meint Philip Christensen von der Arizona State University und fügt hinzu: "Nur sind es eben winzig kleine Mengen."

Der Forscher hatte zusammen mit Kollegen die Daten des Thermal Emission Spectrometers (TES) ausgewertet, welches seit sechs Jahren die gesamte Marsoberfläche lückenlos nach Carbonaten abgesucht hatte – mit dem Ergebnis, dass zwar der allgegenwärtige Marsstaub zu zwei bis fünf Prozent aus Carbonaten besteht, die blanken Gesteine des Mars aber gänzlich kalkfrei sind.

Nun gibt es aber große Mengen von Wasser auf dem Mars, und zwar nicht nur in den Polkappen, sondern auch im Dauerfrostboden, der bis in die äquatorialen Breiten reicht. Nur war dieses Wasser nach Ansicht von Christensen womöglich niemals flüssig.

War der Mars also niemals warm, und verfügte er auch nicht über eine dichte Atmosphäre? So wie es aussieht, lautet die Antwort: Nein. Das bisschen Carbonat im Marsstaub dürfte sich seinen Kalkgehalt vielmehr beim Herumwirbeln in der Atmosphäre angeeignet haben, in der ja Spuren von Wasserdampf nachweisbar sind.

Und so könnte die beinahe vollständig aus Kohlendioxid bestehende Marsatmosphäre Sinnbild für die Entwicklung der Lufthüllen aller erdähnlichen Planeten sein. Es sieht so aus, als hätten sie alle anfangs eine mehr oder minder dichte, aber CO2-reiche Atmosphäre besessen. Auf der Venus etwa ist die Atmosphäre – im Gegensatz zu der des kalten Mars – gleich so dicht, dass der Treibhauseffekt dort Blei zum Schmelzen brächte. Kurzum: Wer zuviel Kohlendioxid bekam, wurde heiß, und wer zuwenig davon hatte, blieb kalt.

Und auf der Erde? Da gab es zunächst auch vornehmlich Kohlendioxid in der Luft, aber es gab auch flüssiges Wasser mit gelöstem Calcium und Magnesium, welche zum einen der Atmosphäre das Treibhausgas entzogen und zum anderen damit mächtige Kalksteinlager bildeten.

Und was ist mit den Tälern und Küstenlinien auf dem Mars? Die Antwort darauf ist ernüchternd und dämpft die Hoffnung, dass der rote einst ein blauer Planet war, genauso, wie die kürzlich am Grunde eines Canyons entdeckten Olivine, äußerst wasserscheue Minerale, die sich in einem Fluss schon innerhalb kürzester Zeit umgewandelt hätten. Vielleicht haben ja doch die "Spielverderber" Recht, die schon immer überzeugt waren, die Erosionsrinnen seien das Ergebnis heftiger Kohlendioxidausbrüche.

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