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Jagdverhalten: Trieben Schwertwale hunderte Delfine an den Strand?

Schwertwale sind geschickte und intelligente Jäger. In Patagonien könnte ihr gemeinschaftliches Jagdverhalten zur Katastrophe für zahlreiche Delfine geführt haben.
Ein Orca schwimmt im ruhigen Meer, während im Hintergrund ein blaues Fischerboot zu sehen ist. Ein Vogel fliegt über dem Wasser. Der Himmel ist klar und die Küstenlinie ist in der Ferne sichtbar.
Schwertwale sind geschickte Jäger, die gerne beim Whalewatching gesucht werden.

Regelmäßig kommt es an verschiedenen Küsten der Erde zu Massenstrandungen von Meeressäugern, und nicht immer ist die Ursache bekannt. In zwei Fällen aus den Jahren 2021 und 2023 aus Patagonien könnte ein Team um Magdalena Arias von der Fakultät für Meeresforschung in San Antonio Oeste herausgefunden haben, warum insgesamt mehrere 100 Delfine ins Flachwasser und bis an den Strand geschwommen und dort teilweise gestorben sind: Schwertwale hatten sie wahrscheinlich in die Falle und den Tod getrieben.

Gemeine Delfine (Delphinus delphis) stranden in diesem Teil des südwestlichen Atlantiks sehr selten massenhaft, doch starben 2021 mindestens 52 Delfine bei einem derartigen Ereignis. 2023 verirrten sich sogar rund 570 Tiere in der San-Antonio-Bucht in Ufernähe – immerhin gelang es Helfern hier, alle Tiere wieder sicher zurück in tieferes Wasser zu bringen. 38 der toten Meeressäuger aus dem Jahr 2021 wurden untersucht, zeigten jedoch keine neurologischen Veränderungen und wiesen alle einen guten körperlichen Zustand auf. Krankheiten oder Nervenschäden schloss die Arbeitsgruppe daher als Ursache für die Strandungen aus.

Doch wie beim zweiten Fall entdeckten Walbeobachter kurz vorher Schwertwale im Gebiet, gefolgt von rascher Flucht der Delfine in Richtung Küste: Diese schwammen dabei eng zusammen und jagten dabei schnell in Richtung der flachsten Stellen der Bucht, wo es zahlreiche Sandbänke und enge Wasserkanäle dazwischen gibt. Wahrscheinlich suchten sie hier Zuflucht vor den deutlich größeren und schwereren Schwertwalen, die ihnen hierher nicht folgen können. Im Gewirr der Untiefen verloren die Delfine allerdings die Orientierung und strandeten in größerer Zahl oder fanden den Weg nicht mehr zurück ins offene Meer.

Anhand typischer Formen und Flecken auf den Rückenflossen gelang es, einzelne Schwertwale der Gruppen zu identifizieren, die bekanntermaßen in diesem Gebiet jagen. Fressfeinde wie die Orcas können also einer der Gründe für Massenstrandungen sein, was anschließende Nothilfe durch Menschen erleichtert: Die Tiere sind nicht wegen Krankheit oder neuronalen Problemen gestrandet, sondern auf der Flucht und überwiegend gesund. Sie können also anschließend wieder gut ins Meer gebracht werden, ohne dass es ein unmittelbares Wiederholungsrisiko gibt (sofern die Schwertwale weitergezogen sind). 

Manche der Delfine schwammen sogar in den lokalen Hafen und verhielten sich still, als würden sie sich vor ihren Jägern verstecken. Patagonische Schwertwale wiederum sind dafür bekannt, Delfine, aber auch Seelöwen in Richtung Ufer zu treiben, um sie dort zu erlegen. Bisweilen schwimmen sie dabei selbst direkt bis auf den Strand, um die Robben zu packen. 

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  • Quellen
Arias, M. et al., Royal Society Open Science 10.1098/rsos.250870, 2026

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