Jahrzehntelange Schäden: Welt verliert durch Waldbrände massiv an fruchtbarem Boden

Die unmittelbaren Folgen von Waldbränden – zerstörter Wald und verbrannte Häuser – sind unübersehbar. Eine weniger offensichtliche, aber langwierige Konsequenz haben Wissenschaftler jetzt im Rahmen einer Studie im Fachblatt »Nature Geoscience« untersucht: die Auswaschung des ungeschützt daliegenden Bodens durch Regen.
Wie das Team um Diana Simões Vieira vom Joint Research Centre der Europäischen Kommission im norditalienischen Ispra berichtet, sind die schädlichen Auswirkungen dieser Bodenerosion schwerwiegender als gedacht. Selbst 18 Jahre nach dem Brand hatten mehr als die Hälfte der von ihnen untersuchten Gebiete ihren früheren Zustand nicht wiedererlangt: Wo die Bodenqualität leidet, wächst weniger Vegetation nach, die der Erosion Einhalt gebieten könnte, worunter wiederum die Bodenqualität leidet – und so fort. Zugleich steigt in den degradierten Landschaften die Gefahr neuerlicher Brände.
Dieser Teufelskreis erkläre, warum die vom Feuer hinterlassenen Narben so lange bestehen blieben, und nähre Zweifel an der gängigen Annahme, dass sich Waldbrandflächen schnell wieder begrünten, erläutert Lea Wittenberg von der Universität Haifa in einem begleitenden Kommentar zur Studie.
Rund 8,1 Milliarden Tonnen Erdboden gehen jedes Jahr durch die feuerbedingte Erosion verloren, kalkulierten Simões Vieira und Team. Das ist ein knappes Fünftel der gesamten globalen Bodenerosion.
Das Phänomen betrifft vor allem Afrika, wo etwa 60 Prozent der feuerbedingten Erosion auftreten. Es zeigt sich aber auf allen Kontinenten, wenn auch in geringerem Maß: Auf Europa entfällt beispielsweise nur ein Prozent der feuerbedingten Bodenerosion.
Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler zunächst mithilfe von Satellitenaufnahmen der Jahre 2001 bis 2019 ermittelt, wo überall Flächen einem Waldbrand zum Opfer gefallen waren. Anschließend berechneten sie in diesen Arealen das wahrscheinliche Ausmaß der Erosion für alle Folgejahre. Möglich machte das ein Computermodell, das für einen gegebenen Ort anhand der pflanzlichen Bodenbedeckung und der lokalen Niederschlagsintensität berechnet, in welchem Ausmaß Erde abgetragen wird.
Die Ergebnisse trugen die Forscher in einer Weltkarte der feuerbedingten Erosion zusammen. Deutlich tritt dabei der afrikanische Savannengürtel als Hotspot der feuerbedingten Erosion hervor.
Aufgrund des Klimawandels ist damit zu rechnen, dass es in Zukunft zu häufigeren und größeren Waldbränden kommt, getrieben von zunehmender Hitze und Dürre. Gleichzeitig prognostizieren Fachleute ein Mehr an Starkregenereignissen. Gerade diese heftigen Niederschläge sind problematisch, was Erosion angeht, weil das Regenwasser nicht die Zeit hat, im Boden zu versickern. Stattdessen fließt es oberflächlich ab und reißt dabei Erdreich mit. Für die Jahre 2050 und 2070 berechnete das Wissenschaftlerteam eine weitere Zunahme der feuerbedingten Erosion um 11 und 28 Prozent unter der Annahme erfolgreicher Klimaschutzbemühungen. Im Worst-Case-Szenario steigt die Erosion nach Waldbränden um 23 und 28 Prozent.
Derzeit brennen weltweit jährlich etwa vier Millionen Quadratkilometer Land – das entspricht ungefähr der Fläche der Europäischen Union.
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