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ISS: Japans erster HTV-Raumfrachter erfolgreich gestartet

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HTV im Anflug auf ISS | Das japanische H-II Transfer Vehicle (HTV, am unteren Bildrand) dockt nicht wie das europäische ATV vollautomatisch an die Internationale Raumstation an, sondern manövriert sich nur in Reichweite des Roboterarms Canadarm2. Dieser bringt den Transporter dann zu seiner Dockposition am Verbindungsmodul Harmony. Vom Start bis zum Erreichen der Station vergehen rund fünf Tage.
Um die Internationale Raumstation auch nach dem Ende der Spaceshuttles regelmäßig mit Vorräten zu versorgen, tritt zukünftig ein System aus unbemannten Transportern in Aktion. Am Donnerstag, dem 10. September 2009, um 19:01 Uhr MESZ, startete erstmals ein japanischer HTV-Weltraumfrachter mit Geräten und Nachschub zur ISS.

Die Bezeichnung HTV (H-II Transfer Vehicle) geht auf die eingesetzte Trägerrakete H-IIB zurück. Der Start des HTV-1 ist gleichzeitig auch der Jungfernflug für Japans neuen Schwerlastträger. Mit einer Wasserstoff verbrennenden Erststufe und vier Feststoffboostern kann die Rakete zukünftig 16,5 Tonnen Nutzlast auf die 350 Kilometer hohe Umlaufbahn der ISS befördern. Abzüglich der 10,5 Tonnen Eigengewicht eines HTV bleiben damit sechs Tonnen für Fracht.

Die Flüge heben vom Tanegashima Space Center im südlichsten Teil Japans ab. Wie üblich gibt sich die japanische Weltraumbehörde JAXA viel Mühe bei der Öffentlichkeitsarbeit und bietet im Internet reichlich Hintergrundinformationen zum Projekt. Der Start und das Andockmaneuver an der ISS lassen sich zudem live per Videostream verfolgen (siehe Weblinks).

Am 17. September soll HTV-1 die ISS erreichen. An Bord befinden sich neben Versorgungsgütern zwei Instrumente zur Atmosphären- und Meeresforschung für die japanische Außenplattform der Station. Nach rund einem Monat verlässt der Transporter die Raumstation und verglüht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

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Größenvergleich von HTV, ATV und Progress | Die drei unbemannten Transportsysteme HTV (Japan), ATV (Europa) und Progress (Russland) sollen in den kommenden Jahren bis 2020 die ISS abwechselnd mit Vorräten versorgen. Mit 7,6 Tonnen kann dabei das ATV deutlich am meisten Nutzlast tragen, bei einem Startpreis von 330 Millionen Euro ist es jedoch auch das teuerste Gefährt. Das HTV bringt für 184 Millionen Euro rund sechs Tonnen Fracht zur ISS. Die Progress trägt 2,3 Tonnen zum Preis von 28 Millionen Euro. HTV und ATV sind rund zehn Meter lang.
Das HTV wechselt sich bei den Versorgungsflügen mit zwei weiteren Arten von Frachtern ab. Bereits 2008 fand der Erstflug des europäischen ATV statt. Die russische Progress-Kapsel gibt es seit Ende der 1970er Jahre. Sie wurde seither lediglich verbessert.

Alle drei Raumfahrzeuge haben dabei unterschiedliche Stärken:
  • Das HTV besitzt als einziges von ihnen neben dem unter Atmosphärendruck stehenden Innenraum auch noch einen äußeren Frachtbereich, der kleinere Außenteile für die Station aufnehmen kann.
  • Das ATV (Automated Transfer Vehicle) kann mit 7,6 Tonnen am meisten Nutzlast transportieren. Sein Bordcomputer ermöglicht außerdem das vollautomatische Andocken an einer beliebigen Schleuse. Damit kann es nahe des Stationsschwerpunkes ankoppeln und mit seinen Triebwerken die Umlaufbahn der ISS korrigieren.
  • Die Progress kann mit 2,3 Tonnen nur wenig Nutzlast aufnehmen. Sie kostet inklusive Start mit 28 Millionen Euro jedoch weniger als ein Zehntel eines ATV.

Die NASA verliert mit den Shuttles zuerst gänzlich die Möglichkeit von Raumflügen. Die neuen Raketen vom Typ Ares und die Raumkapsel Orion werden vermutlich nicht vor dem Jahr 2018 einsatzbereit sein. Als Ausgleich starteten die Amerikaner bereits 2006 mit dem "Commercial Orbital Transportation Services Program" (COTS) eine Ausschreibung für kommerzielle Lastflüge in die niedrige Erdumlaufbahn. Die Firmen SpaceX und Orbital Sciences stehen inzwischen für jeweils rund eineinhalb Milliarden Dollar unter Vertrag und werden ab dem Jahr 2013 mit ihren eigens entwickelten Raketen ebenfalls Nachschub zur ISS bringen.

Nach bisherigen Absprachen der Partnernationen soll die Internationale Raumstation mindestens bis ins Jahr 2020 bestehen. Ursprünglich war ihr kontrollierter Absturz für 2016 geplant.

Ralf Strobel

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