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News: Je dichter, desto besser?

Die derzeitige Computertechnologie ist scheinbar immer noch nicht ausgereizt. Jetzt gelang es Forschern, Daten noch dichter auf einem magnetischen Speicherfilm zu packen: Indem sie etwas Platz dazwischen ließen.
Es ist schon ein Kreuz mit Computern. Kaum kommt etwas Neues auf den Markt, da ist es auch wieder veraltet. Dabei stellte IBM erst vor zwei Jahren unter großem Tamtam den Microdrive vor, der ein Gigabyte an Daten - also 18 Stunden Musik - auf einer Fläche gerade mal so groß wie ein Ein-Cent-Stück speichern kann.

Manfred Albrecht und seine Kollegen vom IBM Almaden Research Center in San Jose, Kalifornien, gelang es jetzt sogar 200 Gigabyte an Daten auf eine Fläche von etwa sechs Quadratzentimetern - etwas größer als ein Zwei-Euro-Stück - zu packen. Das bedeutet: 150 Tage nonstop Musik. Und dafür mussten die Forscher die herkömmliche Technik nur ein wenig modifizieren.

Computer-Daten werden in einer Abfolge von Nullen und Einsen auf einem Datenträger verewigt. Schreibköpfe magnetisieren dazu Abschnitte auf einem Speicherfilm und zwar jeweils parallel zur Oberfläche und Kante des Films. Dabei sind nur zwei entgegengesetzte Ausrichtungen möglich. Eine davon wird als "Eins" die andere als "Null" definiert.

Offensichtlich lassen sich mehr Daten auf einen Film packen, je kleiner die magnetischen Bereiche sind und je dichter sie gesetzt werden. Doch so einfach ist das nicht. Denn mit abnehmender Größe beginnen die Probleme.

So beeinflussen sich die magnetischen Bereiche, wenn sie zu klein sind, gegenseitig und können ihre Ausrichtungen spontan ändern. Der Datenträger wird instabil.

Albrecht und seine Kollegen überwanden diese Hürde, indem sie die Ausrichtung der Abschnitte einfach kippten. Wenn die Bereiche senkrecht zur Oberfläche magnetisiert sind, können sie deutlich enger gesetzt werden, ohne dass sie sich gegenseitig stören.

Dennoch trafen die Wissenschaftler schon bald in ihrem Bemühen, die Grenzen des magnetischen Speicherfilms auszuloten, auf ein weiteres Hindernis: Ab einer bestimmten "Größe" verloren die Abschnitte schon bei Zimmertemperatur ihre magnetischen Eigenschaften.

Aber auch hierfür fanden die Forscher eine – allerdings paradoxe - Lösung: Um die Daten enger zu packen, mussten sie einfach etwas Platz dazwischen lassen.

Und tatsächlich, als die Wissenschaftler einen Film aus einer magnetischen Legierung aus Cobalt, Chrom und Platin mit einem stark gebündelten Strahl aus Ionen in winzige gegeneinander isolierte magnetische Quadrate – jeweils mit einem Durchmesser kleiner als ein 26 Millionstel Millimeter – zerschnitten, konnten sie darin zuverlässig Daten speichern.

Nur, wie soll man diese überhaupt lesen? Die bisherigen Lese- und Schreibköpfe sind viel zu groß für die winzigen Reihen. So wird also noch einige Zeit vergehen, bis die entsprechende Hardware entwickelt wird. Hoffentlich ist der Speicher bis dahin nicht schon wieder veraltet.

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