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Cochleaimplantate: Je früher, desto besser

Wenn ein Kind wegen einer Schädigung des Mittel- oder Innenohrs schwerhörig ist, kann es Geräusche nicht nur schlecht wahrnehmen, sondern sie auch nicht verarbeiten. Deshalb nutzen traditionelle Hörgeräte mit ihrer reinen Verstärkungswirkung oft nichts. Abhilfe schafft nur ein so genanntes Cochleaimplantat, das überlebende Neuronen in der Hörschnecke direkt stimuliert. John K. Niparko von der Johns Hopkins University in Baltimore (Maryland) hat nun mit seinen Kollegen 188 betroffene Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren untersucht und dabei festgestellt, dass der Zeitpunkt, zu dem das Gerät eingesetzt wird, den Erfolg entscheidend beeinflusst.

Cochleaimplantat | Das eigentliche Implantat ist ein Empfänger, der die überlebenden Neuronen des auditiven Systems stimuliert, wenn das externe Mikrofon über einen Mikroprozessor entsprechende Signale sendet.
Je jünger ein taubes Kind bei der Operation ist, desto besser lernt es laut den neuen Befunden im Laufe seines Lebens zu hören und zu sprechen. Bei normalem Hörvermögen erfolgt im Alter von etwa 27 Monaten ein entscheidender Schritt in der Entwicklung des Sprachverständnisses. Gehörlose Kleinkinder mit Implantat erreichen dieses Niveau frühestens nach drei Jahren. Je später sie behandelt wurden, desto größer ist die Verzögerung. Findet die Transplantation jedoch vor ihrem 18. Lebensmonat statt, können taube Kinder, wie sich nun zeigte, langfristig sowohl im Hör- als auch im Sprechvermögen beinahe zu ihren Altersgenossen aufschließen.

Niparko betont, wie wichtig es sei, Babys bei Verdacht auf Schwerhörigkeit oder familiärer Vorbelastung sofort gründlich zu untersuchen und eine Behandlung nicht aufzuschieben. Bei der Operation wird dem kleinen Patienten nur ein Empfänger unter die Haut gesetzt. Die Geräusche selbst nimmt ein außen am Ohr getragenes Mikrofon auf. Ein Mikroprozessor wandelt die akustischen Signale dann in codierte elektrische Impulse um und sendet sie an das Implantat, das die Hörschnecke entsprechend stimuliert.

Julia von Sengbusch

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