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News: Je schöner der Mann, desto schädlicher

Schöne Männer sind gefragt - das gilt auch bei Guppies. Und hat sich eine Guppy-Dame erst einmal einen attraktiven Mann geangelt, macht sie sich wohl keine Gedanken mehr darüber, was sich hinter einer bunten Fassade an Negativem verbergen könnte. Doch das Erbe der begehrten Partner scheint tödlich zu sein: Die Sterblichkeitsrate ihrer Nachkommen liegt deutlich höher als bei ihren Artgenossen mit weniger schmucken Vätern. Ein Forscher fand nun heraus, dass die Erbanlage für das gute Aussehen der Männchen auf dem Y-Chromosom liegt, in direkter Nachbarschaft zu fehlerhaften Genen. Da sich beide Anlagen in unmittelbarer Nähe zu einem nicht rekombinierenden Abschnitt des Chromosoms befinden, vermutet er, dass sie gemeinsam weitergegeben werden und sich die schädlichen Gene so anhäufen können.
Um ein Weibchen zur Hochzeit und zu gemeinsamen Nachkommen zu bewegen, muss man sich als Männchen schon etwas Besonderes einfallen lassen, denn die Konkurrenz ist groß. Manche Tierarten versuchen deshalb, die Gunst ihrer weiblichen Artgenossen durch ein prächtiges Hochzeitsgeschenk zu gewinnen, so beispielsweise Spinnenmännchen, die ihrer Angebeteten eine erbeutete Fliege schenken. Einige Vogelmännchen signalisieren dagegen mit einem großen Nest, dass sie ein aussichtsreicher Ehepartner sein könnten. Eine andere Strategie zielt darauf ab, sich optisch gegenüber den Konkurrenten hervorzuheben: Durch ein möglichst großes Geweih, eine Haarmähne oder durch bunte Farben und Zeichnungen – wie zum Beispiel bei den Männchen der Guppy-Art Poecilia reticulata. Die Weibchen dieser Fische halten die besonders bunten und verzierten Männchen für sehr attraktiv und wählen diese deshalb zur Familiengründung aus. Aber die Entscheidung der Fisch-Damen scheint nicht besonders klug zu sein, denn mit der Wahl eines besonders schönen Männchen verringern sie die Überlebenschancen ihrer Nachkommen erheblich und von den Überlebenden wurden weniger Männchen geschlechtsreif.

Auf die negativen Folgen der sexuellen Selektion durch die Guppy-Weibchen stieß Robert Brooks von der James Cook University in Queensland. Aus einem See bei Townsville in Australien fischte er einige Tiere heraus und erforschte an deren Nachfolgegeneration den genetischen Zusammenhang zwischen sexueller Attrakivität der Männchen und der Überlebensfähigkeit. Hierzu ließ er einzelne Weibchen jeweils unter sechs Männchen ihren begehrtesten Partner auswählen. Je nachdem, wie oft sich ein Weibchen bis auf Körperlänge einem Männchen näherte, bewertete der Forscher mit einem Punkte-System die Attraktivität der männlichen Kandidaten.

Indem er seine Daten statistisch analysierte, fand er außerdem heraus, dass die sexuelle Attraktivität der männlichen Guppies erblich und mit ihrer Musterung genetisch gekoppelt zu sein scheint. Genauso wie die Musterung könnten deshalb die Anlagen für die Attraktivität der Männchen auf ihrem Y-Chromosom liegen. Brooks vermutet, dass die Attraktivitäts-Gene in der Nähe eines nicht rekombinierbaren Abschnittes liegen – in unmittelbarer Nähe von fehlerhaften Genen. Mit der Befruchtung gibt dann das Männchen die schädlichen Gene, in einer Art "Trittfahrer-Effekt", zusammen den Schönheits-Genen an die nächste Generation weiter, meint er. Dies könnte mit der Zeit dazu führen, dass sich die schädlichen Mutationen anhäuften. Brooks zufolge könnte dies erklären, warum der Vorteil, sich mit attraktiven Männchen zu paaren, auf der anderen Seite streng negativ mit den Überlebenschancen des Nachwuchses und der Zahl der geschlechtsreifen männlichen Nachkommen korreliert ist.

"Der einzige Vorteil für die Weibchen, sich mit besonders attraktiven Männchen zu paaren, besteht darin, besonders attraktive Söhne zu bekommen", meint Brooks. "Wenn solch ein Gegengewicht zwischen Attraktivität und Sterblichkeit der Männchen in der Natur auftritt, so könnte diese die Härte der sexuellen Selektion und somit die Evolution von Vorlieben in der Partnerwahl beeinflussen", erklärt er. Dieser Prozess wirkt sich dem Fisch-Forscher zufolge aber scheinbar nur stark auf Arten aus, die ein großes Y-Chromosom besitzen – wie beispielsweise die Guppies.

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