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News: „Julia“ läßt sich scheiden

Wieder gibt es einen Mythos weniger über die ewige Liebe. Die Riesenraubmöwe (Catharacta skua) ist ein Seevogel, der - so wurde allgemein angenommen - eine lebenslange Beziehung eingeht. Aber es scheint, daß dieses romantische Bild nicht ganz der Wahrheit entspricht: „Scheidungen“ sind weitverbreitet. Und im allgemeinen sind es die Weibchen, die nach einer besseren Partie Ausschau halten.
Paulo Catry und seine Kollegen von der University of Glasgow untersuchten die größte in Europa vorhandene Kolonie von Riesenraubmöwen (Januar-Ausgabe von Animal Behaviour). Ungefähr 2500 brütende Paare bewohnen die Insel Foula, die Teil der Shetlandinseln nördlich von Großbritannien ist. Obwohl tatsächlich viele der Paare Jahr für Jahr im selben Territorium glücklich und zufrieden kleine Riesenraubmöwen aufziehen, ist trotzdem ein bestimmtes Maß an Untreue und böswilligem Verlassen offensichtlich. Die „Scheidungsrate“ liegt momentan bei sechs Prozent. Auch wenn dies noch gering ist im Vergleich zu den Zahlen aus den Statistiken über das menschliche Verhalten – von grundsätzlich lebenslanger Treue kann so kaum noch gesprochen werden.

Was kann der Grund sein, wenn ein Paar sich trennt? Eine These wurde aufgestellt, daß die Vögel getrennte Wege gehen, wenn sie entdecken, daß sie als Eltern nicht zusammenpassen. Bei Riesenraubmöwen scheinen die Scheidungsgründe jedoch viel bitterer zu sein. Und immer sind es die Weibchen, die sich auf die Suche nach einer besseren Partie machen.

Oft ist zu beobachten, daß die weiblichen Vögel sich zu unerlaubten Besuchen in den Territorien anderer Männchen aufmachen. Sie suchen das in menschlichen Augen vielleicht nicht allzu romantische Angebot einer vom neuen Verehrer hervorgewürgten Mahlzeit. War die Qualität der Mahlzeit hinlänglich reizvoll, so verläßt das Weibchen seinen alten Partner und siedelt in das Territorium des neuen Männchens um. Hier geht die Liebe also eindeutig durch den Magen.

Es kann sogar vorkommen, daß weibliche Eindringlinge das Weibchen eines bestehenden Paares verjagen, um an den Gatten ihrer Wahl zu gelangen. Ein Erfolg dieser Strategie ist relativ selten, aber entsprechende Versuche sind durchaus üblich.

Die Forscher behaupten, daß ein Weibchen zur Scheidung von seinem Partner getrieben wird, wenn es den Zuchterfolg mit einem neuen Partner höher einschätzt. Die einsamen verlassenen Männchen brüten im Jahr nach einer Scheidung selten, die Weibchen fast immer erfolgreich. Obwohl in den frühen Jahren einer Vogelehe gewöhnlich weniger Küken aufgezogen werden, kommt das Weibchen zu dem Schluß, daß der Verlust in künftigen Jahren mehr als wettgemacht wird.

Das Verlassen eines Partners scheint nicht mit der Altersdifferenz zusammenzuhängen. Bei Paaren mit einem Altersunterschied von 10 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit einer Trennung nicht größer als bei gleichaltrigen Paaren. Die Urteile müssen auf der wahrgenommenen „Qualität“ der Männchen basieren. Oder sollten einige männliche Riesenraubmöwen vielleicht doch dazu neigen, zuviel Bier zu trinken und dauernd über Fußball zu reden?

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