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Forschungspolitik: Jung, exzellent - und frustriert

Zwölf Jahre ihres Lebens haben sie in die Forschung investiert - und plötzlich stehen sie trotz exzellenter Arbeiten vor dem Nichts. Deutsche Nachwuchswissenschaftler hadern mit den allgemeinen Beschäftigungsverhältnissen an deutschen Hochschulen.
Forscher im Labor

Das saß. Kürzlich traf sich Helga Nowotny, die Präsidentin des European Research Council (ERC), in Berlin mit jungen Spitzenforschern aus Deutschland, die vom ERC großzügige Förderung für ihre Projekte in Millionenhöhe erhalten. Es ging bei dem Gespräch ums Networking unter den Hochbegabten und um die Frage, was der exzellente Nachwuchs braucht, um noch besser arbeiten zu können. Die Atmosphäre war freundlich, entspannt – bis der Biochemiker und Neurobiologe Jan-Erik Siemens zur Sprache brachte, was den jungen Forscher trotz des üppigen Geldsegens dennoch die Laune verdirbt. "Was in Deutschland fehlt, ist eine längerfristige Forscherperspektive", sagte er zu einem Journalisten. Am nächsten Tag stand es in der Zeitung, und es klang ein bisschen so, also moniere der gepäppelte Nachwuchs: Ja, danke für die Kohle, aber die Karriereaussichten sind mies.

Dass ausgerechnet Siemens das Thema auf den Punkt brachte, gab dem Ganzen zudem besondere Würze. Der 38-Jährige war erst vor zwei Jahren mit einer anderen hoch dotierten Auszeichnung aus den USA von der University of California in San Francisco ans Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin geholt worden. Politiker verwiesen damals sehr stolz auf Siemens, um zu zeigen, dass es auch gelingen kann, Supertalente zurückzulocken, die Deutschland zuvor den Rücken gekehrt hatten, um in Amerika Karriere zu machen.

"Was in Deutschland fehlt, ist eine längerfristige Forscherperspektive"
(Jan-Erik Siemens)

Markus Dahlem ist dagegen zum Absprung bereit. Sollte der 43-jährige Physiker und Neurowissenschaftler aus Berlin ein attraktives Angebot aus dem Ausland bekommen, wird er sehr wahrscheinlich annehmen. Er würde seine Koffer packen, Freunde, Kollegen und Wegbegleiter in Deutschland zurücklassen, um in einer neuen Forscherheimat Fuß zu fassen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Einmal hätte es schon fast geklappt. Er stand auf der Shortlist für die Besetzung einer Professur an der McGill University in Montreal. Die Gespräche mit den Kanadiern sind ihm noch gut in Erinnerung. Denn nicht nur ihm wurden neue berufliche Perspektiven angeboten: Die Auswahljury erkundigte sich auch nach seiner Frau, die Medizinerin ist, und klopfte Dual-Career-Möglichkeiten ab.

Umsorgt im Ausland, frustriert im Inland

"Die haben sich sofort gekümmert und richtig gefreut", sagt Dahlem. So viel Entgegenkommen kennt er aus Deutschland nicht. Stattdessen hangelt er sich seit einigen Jahren von einem Drittmittelprojekt zum nächsten. Aktuell arbeitet er an der Technischen Universität Berlin als Projektleiter in zwei Verbundprojekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Bundesforschungsministeriums (BMBF). Zudem hat er vor Kurzem ein weiteres attraktives Projekt aus den USA eingeworben. Dahlems Arbeiten im Bereich Hirnforschung gelten unter Experten als hervorragend. Einen festen, unbefristeten Arbeitsplatz im deutschen Wissenschaftssystem hat er deshalb aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil: Trotz seiner wissenschaftlichen Reputation verdient Dahlem als Gastdozent und Projektleiter deutlich weniger als Postdocs in seinem Team, die arbeitsrechtlich als Hochschulmitarbeiter angestellt sind und mit monatlich mit gut 800 Euro brutto mehr nach Hause kommen. Und wie es weitergeht, wenn die Projekte in etwa drei Jahren auslaufen, weiß Dahlem nicht. Deshalb spielt er mit dem Gedanken, vielleicht doch lieber in Nordamerika eine Stelle anzunehmen, die ihm und seiner Familie eine berechenbarere Perspektive bietet als hier zu Lande.

Und noch ein drittes Beispiel: Jörn Niessing ist 35 Jahre alt. Geforscht hat er zuerst am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Heidelberg und später am Friedrich Mischer Institute for Biomedical Research in Basel. Seine Doktorarbeit hat er mit summa cum laude abgeschlossen. Und er hat – wovon die meisten Naturwissenschaftler träumen – bereits in "Nature" und "Science" publiziert. Mit diesen Referenzen, so die gängige Meinung, braucht sich niemand Sorgen um seine weitere Laufbahn zu machen. Niessing tut es dennoch. Er kennt die Patchwork-Karrieren seiner älteren Kollegen. Er weiß, wie gering die Chancen in Deutschland sind, eine unbefristete Stelle an eine Hochschule oder einem außeruniversitären Forschungsinstitut zu bekommen. "Und man hat ja auch noch ein Privatleben", bemerkt der Nachwuchsforscher. Aus familiären Gründen kommt ein Job im Ausland für ihn nicht in Frage. Seine Freundin, ebenfalls Wissenschaftlerin, arbeitet zudem in Berlin. Beide führen, wie so viele Forscher ihrer Generation, eine kraftzehrende Fern- und Wochenendbeziehung. Angesichts all dieser Unsicherheiten stellt sich Niessing die Frage, ob eine Karriere in der Wissenschaft für ihn überhaupt in Frage kommt.

Egal ob ausgestattet mit millionenschweren Stipendien, erfolgreich Drittmittel einwerbend oder hochambitioniert mit erstklassigen Publikationen – unter Deutschlands Forschernachwuchs rumort es deshalb schon seit Jahren. Und der Unmut über die unsicheren beruflichen Perspektiven wächst. Wer nicht zu den wenigen Glücklichen gehört und an einer Hochschule einen Lehrstuhl auf Lebenszeit ergattert, für den ist die Verweildauer im deutschen Wissenschaftssystem ganz klar begrenzt. Grund ist das so genannte Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Hinter dem Zungenbrecher verbirgt sich keine bürokratische Petitesse, sondern ein Fundament, das sämtliche Beschäftigungsverhältnisse von jungen Wissenschaftlern in Deutschland prägt.

"Die haben sich sofort gekümmert und richtig gefreut"
(Markus Dahlem)

Zugegeben: Planbare Karriereperspektiven waren für junge Wissenschaftler in Deutschland noch nie vorgesehen. Die berufliche Unsicherheit hat hier zu Lande Tradition. Seit 2002 jedoch gibt es das WissZeitVG, und es sieht klipp und klar vor, dass Hochschulen und Forschungsorganisationen Wissenschaftler für sechs Jahre vor und sechs Jahre nach der Promotion befristet anstellen dürfen. In der Praxis läuft es also auf eine Gesamtzeit von maximal zwölf Jahren (für Mediziner sind es 15 Jahre) hinaus. Wer in dieser Zeit nicht den Sprung auf eine Professur oder eine andere extrem rare unbefristete Stelle geschafft hat, muss schlicht und einfach gehen – so ist die Gesetzeslage.

Kosmetische Korrekturen

Weil aber in Zeiten des zunehmenden globalen Wettbewerbs auch der Politik recht schnell klar wurde, dass es kaum sinnvoll ist, gute Leute auf Grund einer starren Deadline aus der Forschung zu kicken, wurde das WissZeitVG im Jahr 2007 von der damaligen großen Koalition nachgebessert. Seitdem können Wissenschaftler auch nach den zwölf Jahren befristet weiterbeschäftigt werden, wenn ihre Stelle hauptsächlich über Drittmittel finanziert wird. Für die Betreuung von Kindern wurde zudem die Befristungsdauer um zwei Jahre je Kind verlängert. Aus Sicht des BMBF war die Novelle ein voller Erfolg. Das Gesetz wurde in den letzten Jahren auf seine Praxistauglichkeit hin evaluiert. Im Frühjahr 2011 ließ das Ministerium verkünden: "Die Arbeit in zeitlich befristeten Forschungsprojekten gehört heute zum typischen Karriereweg der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland. Das Gesetz über befristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft trägt dem Rechnung. Mit ihm werden die Möglichkeiten einer Beschäftigung in der Wissenschaft nach Abschluss der Qualifizierungsphase deutlich verbessert. (…) Das Gesetz schafft Rechtssicherheit sowohl für die Hochschulen und Forschungsinstitute als auch für die befristet beschäftigten Wissenschaftler."

Aus Sicht der Nachwuchsforscher stellt sich die Lage freilich ganz anders dar. Karrieren in der Wissenschaft sind genauso risikobehaftet wie vor dem WissZeitVG. Jetzt verschärft sich die Situation allerdings, weil die Zahl der Betroffenen permanent zunimmt. Statistiken zufolge waren im Jahr 1995 rund 75 Prozent der Wissenschaftler in Deutschland befristet angestellt. Im Jahr 2009 lag ihr Anteil bei 83 Prozent.

Allerdings muss gesagt werden, dass der Einstieg in die Wissenschaft heute auch deutlich einfacher als je zuvor ist. So haben die größten außeruniversitären Forschungsinstitute wie die Leibniz-Gemeinschaft, die Helmholtz- und die Max-Planck-Gesellschaft in den letzten Jahren ihre Promotionsprogramme deutlich aufgestockt. Und im Zuge der Exzellenzinitiative, mit der Bund und Länder seit 2006 bislang rund 1,9 Milliarden zusätzlich in die deutschen Universitäten gepumpt haben, sind unzählige Doktorandenstellen entstanden. Kurzum: Nie gab es in Deutschland so viele Möglichkeiten zu promovieren wie jetzt. Die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter ist allein zwischen 2005 bis 2009 um ein knappes Drittel gestiegen.

"Die Befristungsregelungen für Nachwuchswissenschaftler sind immer noch ein Faktor, der junge Talente in die USA oder nach Großbritannien gehen lässt"
(Peter Frankenberg)

Die Politik versucht also seit Jahren Deutschland als Forschungsstandort mit Blick auf die internationale Konkurrenz aufzupolieren und attraktiv zu machen. Und – auch das muss deutlich gesagt werden – die Exzellenzinitiative als kostspielige Sonderfinanzspritze ebenso wie sämtliche unbefristete Jobs an den Hochschulen werden aus öffentlichen Geldern, also Steuergeldern, finanziert. Seit 2008 sind die Staatshaushalte heftig gebeutelt. Dennoch ist die deutsche Wissenschaft nicht nur von Kürzungen verschont geblieben, im Gegenteil: Schavans Ressort erhält als eines der wenigen Ressorts jedes Jahr mehr Mittel. So hat der Bundestag Ende November entschieden, dass das BMBF allein für 2012 rund elf Prozent mehr Geld mehr bekommt als 2011. Ein guter Teil des Zuwachses kommt der Forschung zugute. Selbstverständlich ist das nicht. Es genügt ein Blick nach Großbritannien oder in die süd- und osteuropäischen Länder. Dort müssen Hochschulen und Forschungsinstitute derzeit mit radikalen und schmerzhaften Kürzungen der öffentlichen Gelder zurechtkommen, und systematischer Stellenabbau bestimmt den Alltag im Wissenschaftssystem.

Gesellschaftlicher GAU

Warum gärt dennoch der Unmut innerhalb der Nachwuchsriege? Es ist klar, dass nicht jede Promotion in eine öffentliche Dienstlaufbahn münden kann. Gerade in der Wissenschaft gilt das Prinzip Wettbewerb, nur die Besten kommen weiter. Und auch in der Forschung liegt es mit in der Verantwortung des Einzelnen, dass seine Karriere nicht in einer Sackgasse endet. Dennoch ist es ein gesellschaftlicher GAU, wenn hervorragend ausgebildete, erfahrene Jungforscher in einem Alter, in dem sie am produktivsten sind, keine andere Alternative sehen, als ins Ausland oder in die Industrie zu gehen. Ein noch schlimmeres Szenario ist es, wenn die Talente nach Ablauf der Zwölfjahresfrist die Wissenschaft komplett an den Nagel hängen und mangels Perspektiven auf der Straße stehen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Bernhard Kempen: "Von Hoffnungsträgern und Bittstellern".

Auch Politiker wissen, dass man sich solch eine Vergeudung volkswirtschaftlich nicht leisten kann. In den zuständigen Referaten im BMBF ebenso wie in wissenschaftspolitischen Thinktanks wird daher nach bezahlbaren Lösungen des Problems gesucht. Doch es ist nicht einfach, über Jahrzehnte gewachsene Strukturen umzukrempeln. Reinhard Kreckel, der frühere Leiter des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg, hat die Stärken und Schwächen des deutschen Wissenschaftssystem lange analysiert. Er kommt zu dem Schluss: "Die Personalstruktur an den Hochschulen ist ein verkrustetes System, aus dem keiner so richtig rauskommt." Der Bund nicht, die Länder nicht, die Hochschulen selbst erst recht nicht. Kreckel sieht nur einen Ausweg: Die Personalstruktur müsse Schritt für Schritt verändert werden. Notwendig sei, neue Stellenkategorien unter den wissenschaftlich Beschäftigten zu schaffen. Ähnlich sieht das auch Peter Frankenberg, bis 2011 Minister für Wissenschaft in Baden-Württemberg und zuvor Rektor der Universität Mannheim: "In der Tat sind die Befristungsregelungen für Nachwuchswissenschaftler immer noch ein Faktor, der junge Talente in die USA oder nach Großbritannien gehen lässt. Einfach ausgedrückt sollten wir Beschäftigungsverhältnisse haben können, die unbefristet sind, ohne Dauerarbeitsverhältnisse zu sein. Es sollte also eine möglichst große Flexibilität herrschen, allerdings mit Mindestfristen der Anstellung und Sachgründen für Kündigungen."

Die Aufweichung der Zwölfjahresfrist durch Drittmittelfinanzierung war ein erster kleiner Schritt. Eine weitere Idee war die Einführung von Juniorprofessuren im Jahr 2002. Sie sollten jungen Wissenschaftlern mit herausragender Promotion einen direkten Zugang zu unabhängiger Forschung und Lehre an Hochschulen bieten und ihnen die zeitaufwändige Habilitation ersparen. Zugleich sollte es mit der Juniorprofessur und entsprechenden exzellenten Publikationen möglich sein, sich für eine Lebenszeitprofessur zu qualifizieren. Allerdings ist auch die Juniorprofessur eine auf drei oder vier Jahre befristete Stelle. Und – ein noch viel größeres Manko – die deutsche Juniorprofessur wurde anders als etwa in den USA nicht verbindlich mit Tenure Track ausgestattet: Stelleninhaber können sich also nicht über Publikationen und Evaluationen für eine entfristete Stelle qualifizieren.

Föderalismus als Schwachstelle

Die Ursache für diesen gravierenden Geburtsfehler liegt im deutschen föderalen System. Zwar gab der Bund für die Einrichtung von Juniorprofessuren eine Startfinanzierung. Für die weitere finanzielle und inhaltliche Ausgestaltung blieben aber die Bundesländer und Hochschulen zuständig. Und in den chronisch unter Geldnot leidenden Ländern fand sich keine Lobby, die sich für Juniorprofessuren stark machte. Auch die Universitäten hatten ein gespaltenes Verhältnis zu der neuen Wissenschaftlerkategorie, die sich im ungünstigen Fall als trojanisches Pferd entpuppen konnte. "Die in den letzten Jahren eingerichteten befristeten Juniorprofessuren ohne Tenure Track lösen das Problem nicht, sondern machen letztlich das Fach kaputt, weil die Stelleninhaber irgendwann weggehen", erklärt Hochschulforscher Kreckel. So wurden von den ursprünglich 6000 geplanten Juniorprofessuren bis heute gerade mal etwas mehr als 800 wirklich eingerichtet und besetzt. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Professoren liegt bundesweit bei rund 22 000.

"Was in Deutschland fehlt, sind klare Kriterien, wie sich junge Forscher für eine unbefristete Stelle qualifizieren können"
(Jan-Erik Siemens)

Für bessere Karriereperspektiven und Planungssicherheit sind daher mehr reguläre Dauerstellen für selbstständig forschende und lehrende Wissenschaftler in der Ebene unterhalb der Lebenszeitprofessur nötig. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat dazu 2010 ein umfangreiches Positionspapier veröffentlicht. Sie fordert darin von Bund, Ländern und Hochschulen "eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung". Und auch für die Gewerkschaft ist Tenure Track eine wesentliche Grundlage, um unbefristete Beschäftigungsverhältnisse für Postdocs zu schaffen. "Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und -entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen", heißt es im so genannten Templiner Manifest der GEW.

Jan-Erik Siemens formuliert es konkreter: "Was in Deutschland fehlt, sind klare Kriterien, wie sich junge Forscher für eine unbefristete Stelle qualifizieren können. Bislang ist das nicht gut geregelt. Es ist nicht definiert, was geleistet werden muss." Auch ihm geht es nicht um einen Freifahrtschein, sobald die Promotion erbracht ist. "Es müsste Kriterien geben: Wenn bestimmte Publikationen, Seminare und Projektmittel erbracht, diese begutachtet und für gut befunden wurden, muss man auch in der jeweiligen wissenschaftlichen Institution bleiben dürfen", schlägt der Biochemiker und Neurobiologe vor. Für sich selbst hofft Siemens, dass sich im Zuge der gerade vom BMBF angekündigten Fusion der Berliner Charité und dem Max-Delbrück-Centrum, das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört, neue unbefristete Laufbahnmöglichkeiten ergeben werden.

Immerhin: Der wachsende Frust des deutschen Forschernachwuchses wird endlich auch in der Bundeshauptstadt registriert. Im Herbst machten sich verschiedene Politiker der Opposition im Bundestag für eine Änderung der Gesetzeslage stark. Die SPD fordert eine "Personaloffensive für die Hochschulen" und will, dass weitere 2500 Professorenstellen und 1000 Juniorprofessorenstellen als Alternative zur Habilitation geschaffen werden. Ebenso soll die Tenure-Track-Möglichkeit gestärkt werden. Die Linke wendet sich gar pauschal gegen jede Befristung in Arbeitsverträgen in der Wissenschaft. Bündnis90/Die Grünen wollen eine Korrektur des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes, das "mehr Anreize" für unbefristete Stellen schafft.

Ende November wurde das Thema im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung diskutiert. Andreas Keller, GEW-Vorstandsmitglied und Leiter für Hochschulen und Forschung, war dabei und ist "positiv optimistisch gestimmt", dass die Bundesregierung die wachsende Notlage des deutschen Forschungsnachwuchses im Blick hat und gesetzlich nachbessern will. Wann es allerdings so weit sein könnte und wie die Neuerungen dann konkret aussehen, ist im Moment noch völlig unklar. So bleibt einer wachsenden Zahl von jungen Wissenschaftlern vorerst nichts übrig, als weiter abzuwägen, ob sie ihre beruflichen Weichen in Richtung einer riskanten Forscherkarriere stellen oder nach Alternativen suchen. Dass damit hochmotivierte 35- oder 40-jährige Experten verloren gehen können, in welche die Gesellschaft schon viel investiert hat, bleibt ein bundesdeutsches Problem.

50. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 50. KW 2011

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