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Fortpflanzungsbiologie: Jungbrunnen Sex

Ameisenprinzessinen wollen nur das Eine: Möglichst schnell einen Prinzen finden. Schließlich verspricht die Paarung einen doppelten Gewinn. Sie garantiert weibliche Nachkommen und verlängert das Leben der Königin.
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Männer lassen sich im Tierreich einiges einfallen, um den Fortbestand ihrer wertvollen Gene zu sichern und im Gegenzug die der Konkurrenten auszuschalten – und sind dabei nicht unbedingt zimperlich im Umgang mit den Weibchen. Libellenmännchen wirbeln beispielsweise vor dem im Flug stattfindenden Geschlechtsakt ihre Angebetete derart durch die Luft, dass es die Spermien eines eventuell zuvorgekommenen Männchens in hohem Bogen heraus schleudert. Andere Arten gehen noch rabiater mit der Partnerin um: So übertragen die Freier der Taufliege Drosophila zusammen mit ihrem Samen Substanzen, die zwar die Eiablage fördern, der Gesundheit des Weibchens aber derart abträglich sind, dass es früher stirbt.

Dem Männchen soll das recht sein: Seine eigenen Gene werden mit diesem Trick optimal weitergegeben, für Konkurrenten hingegen sinkt die Chance darauf, jemals mit diesem Weibchen Kinder zu haben. Bei monogamen Arten liegen die Dinge jedoch anders: Lässt sich die Dame nur auf einen einzigen Bewerber ein oder paart sie sich überhaupt nur ein einziges Mal in ihrem Leben, sollte dem Freier das Wohlergehen der Partnerin am Herzen liegen.

So wäre bei Ameisen eine gute Kooperation zwischen männlichem und weiblichen Geschlecht zu erwarten, da die Königin nur von einem einzigen Männchen begattet wird, dessen Spermien auf Lebenszeit gespeichert werden und alle weiblichen Nachkommen Töchter dieses einen Vaters sind. Alexandra Schrempf, Jürgen Heinze und Sylvia Cremer von der Universität Regensburg überprüften nun die Zusammenarbeit der Geschlechter an der Art Cardiocondyla obscurior.

Männchen und Königin der Ameisenart <i>Cardiocondyla obscurior</i> Laden...
Männchen und Königin der Ameisenart Cardiocondyla obscurior | Oben ein Männchen der Ameisenart Cardiocondyla obscurior; unten eine geflügelt, jungfräuliche Königin kurz vor der Kopulation
Die Wissenschaftler untersuchten drei verschiedene Typen von Ameisen-Königinnen: Die erste Gruppe aus 34 Exemplaren waren jungfräuliche Prinzessinnen, die zweite bestand aus 47 Weibchen, die sich mit einem einzigen Männchen gepaart hatten und die letzte Gruppe bildeten 18 Weibchen, die mit zuvor sterilisierten Bewerbern kopuliert hatten. Alle Königinnen wurden dann mit standardisierten Kolonien ausgestattet.

Wie erwartet gab es bei den Jungfrauen und bei den von sterilen Männchen begatteten Prinzessinnen ausschließlich männlichen Nachwuchs – Weibchen entstehen bei Ameisen ausschließlich aus befruchteten Eiern, Männchen aus unbefruchteten. Die Jungfrauen taten sich bei der Eiablage aber ausgesprochen schwer: Sie begannen etwa zwei Wochen später als ihre begatteten Artgenossinnen und sie produzierten außerdem deutlich weniger Nachwuchs. Schließlich starben sie im Schnitt auch noch acht Wochen früher als die Königinnen der Vergleichsgruppen.

Die absoluten Gewinnerinnen waren aber die ordnungsgemäß befruchteten Weibchen: Sie stachen auch noch diejenigen aus, die sich mit sterilen Männern gepaart hatten. Zwar lebten sie nicht länger als diese, legten aber rund doppelt so viele Eier.

Der Paarungsakt als solcher hatte demnach das Leben der Königinnen verlängert. Ein Maximum an Nachkommen garantiert aber offenbar nur Sex mit einem fertilen Männchen. Möglicherweise überträgt das Männchen dabei Substanzen, die das gespeicherte Sperma optimal konservieren und sich – quasi als erwünschte Nebenwirkung – auch positiv auf die Lebensspanne der Mutter auswirken. Denn wer länger lebt, kann auch länger Eier legen. Männer können also auch durchaus rücksichtsvoll gegenüber ihrer Partnerin sein – vorausgesetzt, es kommt auch den eigenen Genen zugute.

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