Direkt zum Inhalt

News: Junger Pulsar

So genannte Millisekunden-Pulsare - extrem schnell rotierende Neutronensterne - sind Teil von Doppelsystemen, entziehen ihrem Partnerstern permanent Materie und werden so dermaßen beschleunigt, dass sie sich schließlich im Tausendstel-Sekunden-Rhythmus drehen. Jetzt stießen Forscher auf einen dieser merkwürdigen Pulsare, der offenbar noch sehr jung ist.
In Neutronensternen ist die Materie derart dicht gepackt, dass freie Elektronen in die Atomkerne dringen, mit den Protonen reagieren und zu Neutronen werden. Mehr als 1015 Gramm würde ein Kubikzentimeter Neutronensternmaterie bei uns auf Erden wiegen - so viel wie ein ganzes Gebirge. "Sichtbar" werden Pulsare im allgemeinen, weil sie - kosmischen Leuchttürmen gleich - Radiostrahlen aussenden.

Eine Reihe dieser Überbleibsel massereicher Sterne sind Teil von Doppelsystemen und können sich dann zu extrem schnell rotierenden Millisekunden-Pulsaren entwickeln. Der Drehimpuls eines solchen Pulsars ergibt sich nicht allein aus der Rotation des Sterns, aus dem er einst hervorging, er wird zusätzlich von seinem Kompagnon, dem er ständig Materie entzieht, beschleunigt. Jetzt gelang Astronomen der Bologna University erstmals der Blick auf einen Pulsar, der wohl gerade erst entstanden ist.

Francesco Ferraro und seine Mitarbeiter [1] hatten auf Bildern des Hubble Space Telescope in der unmittelbaren Nähe des Neutronensterns PSR J1740-5340 einen Sternen entdeckt, der sich im Gleichklang mit der Umlaufbahn des Neutronensterns aufhellt und wieder erblasst. Die Forscher vermuten, dass es die gigantischen Anziehungskräfte des Pulsars sind, die den Partnerstern deformieren und wie einen Kaugummi soweit in die Länge ziehen, dass sein Äußeres die so genannte Roche-Grenze überschreitet, ab der er seine eigene Materie verliert.

Dass der Neutronenstern noch jung ist, schließt ein zweiten Team vom Osservatorio Astronomico di Bologna [2] aus der schwankenden Intensität der ohnehin noch schwachen Radiostrahlung. 32-mal kreist PSR J1740-5340 in jeder Stunde um seinen Partner, und jedesmal, wenn er durch jene Gas- und Materiewolke treibt, welche die beiden Sterne wie eine Nabelschnur miteinander verbindet, werden die Radiosignale deutlich gedämpft. Aber auch auf dem Rest seiner Bahn scheinen die Radiosignale schwach, weshalb die Nichi D'Amico und seine Mitarbeiter davon ausgehen, dass auch der Raum außerhalb der Nabelschnur gas- und materiereich ist. Und dies ist ein Hinweis darauf, dass der Neutronenstern noch jung ist und es trotz seiner schieren Schwerkraft bisher nicht schaffte, das System gänzlich frei zu saugen.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.