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»Jurassic World«: Das Who’s Who der Dinosaurier

T. rex trifft Giganotosaurus trifft Mensch: In »Jurassic World« haben Saurier die Erde erobert. Was ist Fiktion, was über die Urzeitechsen bekannt? Diese Steckbriefe verraten es.
Die 3-D-Animation stellt dar, wie ein Tyrannosaurus rex einen Oviraptor im Wald angreift.

Die Dinosaurier haben die Erde erobert. Sie toben sich nicht mehr nur auf einer kleinen tropischen Insel aus, sondern bevölkern schneebedeckte Wälder, fruchtbare Ebenen, kalte Ozeane und heiße Dschungel. Und sie liefern sich im Film »Jurassic World – ein neues Zeitalter« Verfolgungsjagden mit Menschen in malerischen europäischen Städten.

Regisseur Colin Trevorrow hatte angekündigt, der Film solle ein Wissenschaftsthriller werden und die Frage klären, ob die Menschen weiterhin an der Spitze der Nahrungskette stehen würden, wenn sie den Planeten mit den gefürchtetsten Kreaturen der Geschichte teilen müssen. So viel sei schon verraten: Trevorrow hat sein Versprechen nicht eingelöst.

Dafür hat die Filmcrew zahlreiche Saurier dramatisch in Szene gesetzt: Abgerichtete Atrociraptor jagen Menschen, Giganotosaurus sucht den Monsterkampf, Dilophosaurus verübt Giftanschläge. Was davon ist Fiktion und was über die Urzeitechsen bekannt? Die folgenden neun Steckbriefe zeigen, wie, wo und wann die wichtigsten Saurier aus »Jurassic World« tatsächlich gelebt haben und was Forschende über das Aussehen annehmen.

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Velociraptor, der »schnelle Räuber«

Raubtier aus der Gruppe der Theropoden


Größe: Länge zirka zwei Meter, Schulterhöhe 60 bis 80 Zentimeter, Gewicht etwa 15 Kilogramm
Besondere Merkmale: verwandt mit den heutigen Vögeln, befiedert. Bewegliche, große und scharfe Kralle am Hinterfuß, langer versteifter Schwanz

Lebensraum: Mongolei, China, Trockensteppe mit Sanddünen

Lebenszeit: späte Oberkreide vor etwa 80 bis 70 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Er ist deutlich kleiner als gezeigt und rundherum befiedert. Man könnte ihn für eine Art flugunfähigen Raubvogel halten, nur der lange kräftige Schwanz und die Zähne in der Schnauze stören das Bild. Velociraptor machte seinem Namen vermutlich alle Ehre: Mit seinen kräftigen Hinterbeinen konnte er auf kurze Strecken wohl schneller rennen als ein Mensch. Der steife Schwanz diente als Gegengewicht und erleichterte flinke Richtungswechsel.

Und sonst so? Ein Team aus mongolischen und polnischen Paläontologen fand im Jahr 1971 das Fossil eines Velociraptors und eines Protoceratops, die noch im Tod ineinander verkrallt waren. Vermutlich hatten sie sich gegenseitig umgebracht, als der Velociraptor den wehrhaften Pflanzenfresser angriff. Wahrscheinlich wurden sie kurz danach unter einer Sanddüne oder in einem Sandsturm verschüttet.

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Atrociraptor, der »grausige Räuber«

Raubtier aus der Gruppe der Theropoden

Größe: etwa zwei Meter lang mit einem Gewicht von rund 15 Kilogramm

Besondere Merkmale: Es sind keine bekannt, da bisher nur Teile eines einzigen, zerdrückten Schädels beschrieben wurden.

Lebensraum: Alberta (Kanada), Mündungsgebiet eines Flusses

Lebenszeit: späte Oberkreide, vor etwa 90 bis 66 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Vermutlich war Atrociraptor ebenso befiedert wie sein Verwandter, der Velociraptor, und deutlich kleiner als im Film gezeigt. Zudem hat das Filmteam sich möglicherweise von dem fantasievollen Namen inspirieren lassen, jedenfalls erscheint Atrociraptor als rasend schnelle, zweibeinige Eidechse mit riesigen Zähnen und Klauen. Der einzelne Fund gibt diese Interpretation allerdings nicht her.

Und sonst so? Zu den Teilen, die man von dem Schädel gefunden hat, gehören unter anderem ein rechter Oberkiefer, beide Zwischenkieferbeine sowie der vollständige rechte und partielle linke Dentale. Auch fanden sich Hinweise darauf, dass die Zähne flach und klingenartig waren.

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Tyrannosaurus rex, »König der Herrscherechsen«

Raubtier aus der Gruppe der Theropoden

Größe: bis zu 13 Meter lang, Schulterhöhe etwa vier Meter bei einem Gewicht von neun Tonnen

Besondere Merkmale: Spitzenprädator mit sehr langen Beinen und sehr kurzen Stummelärmchen, bananengroße Zähne, Schädel bis 1,5 Meter lang

Lebensraum: Nordamerika, Asien

Lebenszeit: Ende der Kreide, also vor 68 bis 66 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Es sind bislang insgesamt 32 teilweise nahezu vollständige adulte Exemplare bekannt. Der T. rex war schwerer als ein Elefant und seine Zähne waren lang wie Bananen. In den Filmen der »Jurassic Park«-Reihe hört man immer wieder seine raumgreifenden donnernden Schritte sowie sein markerschütterndes Gebrüll. Im wirklichen Leben fraß er womöglich vorwiegend Aas, weil er wegen seiner Größe und seines Gewichts weder schnell noch wendig war.

Denkbar wäre auch, dass er sich darauf spezialisiert hat, riesige Pflanzenfresser wie Triceratops zu erlegen. Die waren äußerst wehrhaft, aber eher schwerfällig. Die Kraft seiner Kiefer würde jedenfalls reichen, um stärkste Knochenpanzer zu zerbeißen. Möglicherweise lebten die Tyrannosaurier in Herden – im Film nicht zu sehen – und die agileren Jungtiere trieben den kräftigeren Erwachsenen die Beute zu.

Und sonst so? Menschen könnten ihm zumindest auf kurze Entfernungen problemlos davonlaufen – das zumindest haben einige Forschende berechnet. Und: Die T. Rex gehörten zu denjenigen Dinosauriern, die den Asteroideneinschlag in Yukatan miterlebten, der das Ende der Kreidezeit bedeutete und den Aufstieg der Säugetiere einleitete. Damit ist zwar weiterhin unklar, wann er zuerst auf der Weltbühne auftauchte, aber immerhin, wann er ausstarb.

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Giganotosaurus, die »südliche Riesenechse«

Raubtier aus der Gruppe der Theropoden

Größe: Länge bis 13 Meter, Schulterhöhe zirka vier Meter, vermutlich bis zehn Tonnen Gewicht

Besondere Merkmale: Spitzenprädator, Schädel gut 1,5 Meter lang, die Schädelform lässt auf guten Geruchssinn schließen

Lebensraum: Argentinien, Landschaft von Flüssen durchzogen, teilweise sumpfig

Lebenszeit: frühe Oberkreide, also vor zirka 100 bis 96 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Im Film gehen Giganotosaurus und T. Rex unter großem Gebrüll aufeinander los. Wohl nicht ganz zufällig erinnert die Inszenierung des Kampfs an die »Godzilla«- und »King Kong«-Filme. Die Szenen mögen manche begeistern, aber: Die Zwei haben sich nie getroffen, zwischen ihnen liegen mehr als 20 Millionen Jahre. Welcher von beiden stärker, schneller oder aggressiver war, ist daher unbekannt.

Und sonst so? Bisher gibt es ein unvollständiges Skelett und einige weitere Einzelfunde. Auf Größe und Gewicht zu schließen, ist daher schwierig, und die Gelehrten streiten seit einiger Zeit, wie die Funde zu interpretieren sind. Wie bei fast allen Fossilien aus dieser Zeit sind die Weichteile nicht erhalten. Sie bestimmen aber die Form des Tiers, seine Bewegungen und sein Gewicht. Sichere Aussagen zu der Art sind bisher also nicht möglich.

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Therizinosaurus, die »Sensenechse«

Pflanzenfresser aus der Gruppe der Theropoden

Größe: bis zu zehn Meter lang, fünf Meter hoch und fünf Tonnen schwer

Besondere Merkmale: mehr als 50 Zentimeter lange, nur schwach gebogene Krallen an den Händen und vermutlich befiedert

Lebensraum: Mongolei

Lebenszeit: späte Oberkreide, vor zirka 70 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Weil bisher nur kleinere Knochenfragmente von mehreren Individuen gefunden wurden, ist es schwierig zu beurteilen, ob die Tiere so ausgesehen haben wie im Film. Der einzige bekannte Schädel eines Therazinosauriden stammt vom Erlikosaurus andrewsi. Es gibt Anzeichen dafür, dass er einen Schnabel aus Horn trug, ähnlich wie heutige Vögel. Davon haben sich die Filmemacher offenbar inspirieren lassen und dem mindestens zehn Millionen Jahre später lebenden Therizinosaurus ebenfalls einen Schnabel aufgesetzt.

Man darf getrost bezweifeln, dass ein Therizinosaurus, wie im Film gezeigt, in einen Titanenkampf zwischen T. Rex und Giganotosaurus eingreift und seine gewaltigen Krallen durch einen der Opponenten spießt. Einer solchen Belastung wären sie nicht gewachsen und würden ganz sicher abbrechen.

Und sonst so? Der besser bekannte, nahe verwandte Alxasaurus hatte einen langen Hals und einen relativ kleinen Kopf. Zwar fehlt auch bei ihm der Schädel, aber zumindest hat man einen Unterkiefer gefunden.

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Mosasaurus, die »Echse von der Maas«

Meeresechse aus der Gruppe der Schuppenechsen, verwandt mit Schlangen und Waranen

Größe: Länge bis 18 Meter, Rest unklar

Besondere Merkmale: großes, zahnbesetztes Maul und schlangenartiges Aussehen mit Flossen. Der Unterkiefer konnte wie bei Schlangen ausgerenkt werden, so dass Mosasaurus auch große Beute unzerteilt verschlingen konnte.

Lebensraum: Ozeane, weltweit

Lebenszeit: obere Kreide, vor 85 bis 66 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Der Mosasaurus spielt eine kurze, aber sehr eindrucksvolle Rolle. Allerdings übertreibt der Film seine ohnehin beeindruckende Größe noch einmal gewaltig.

Und sonst so? Mosasaurier gehören zu den am längsten bekannten Fossilien. Der erste Schädel wurde 1764 in einem Steinbruch bei Maastricht gefunden, was der Gattung den Namen (Mosasaurus – die Echse von der Maas) gab. Die Gruppe der Mosasauroidea sind nicht mit den Dinosauriern verwandt, sondern mit den Schlangen oder Waranen, wobei die Einzelheiten der Abstammung bisher ungeklärt sind. Wie Wale stammen sie von landlebenden Vorfahren ab.

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Quetzalcoatlus northropi, einer der größten fliegenden Saurier

Flugsaurier aus der Gruppe der Azhdarchidae

Größe: Flügelspannweite bis zirka zehn Meter, das Gewicht ist umstritten. Neuere Schätzungen liegen bei zwischen 70 und 250 Kilogramm.

Besondere Merkmale: Ragte auf dem Boden vermutlich so hoch auf wie eine Giraffe. Extrem langer Schnabel. Kein Dinosaurier. Ernährung bisher nicht geklärt. Könnte Fleisch, Aas oder Fisch sein.

Lebensraum: südliche USA, ganzjährig warme und trockene Steppe

Lebenszeit: späte Oberkreide, vor etwa 70 bis 66 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Es gibt die Annahme, dass Quetzalcoatlus sehr lange in der Luft bleiben und mehr als 120 Kilometer pro Stunde schnell fliegen konnte. Ganz sicher hätte er aber nicht, wie im Film gezeigt, ein 300 Kilometer pro Stunde schnell fliegendes Flugzeug einholen können. Und dass er sich dann auf das Dach setzt und mit dem Schnabel die Motoren in Brand hackt, gehört ebenso ins Reich der Sage wie die angebliche Fähigkeit des Vogels Roch, ausgewachsene Elefanten wegzutragen.

Und sonst so? Der Saurier musste, wie heutige Vögel, einen enorm hohen Stoffwechsel gehabt haben. Also brauchte er kalorienreiche Nahrung, etwa Fleisch, Fisch oder Aas. Sein mehr als 1,5 Meter langer, spitzer Schnabel hätte ihm erlaubt, wie ein Storch kleine Tiere aufzupicken oder wie ein Reiher in flachen Gewässern Fische zu fangen.

Trotz der gewaltigen Maße gilt es als sicher, dass Quetzalcoatlus fliegen konnte. Wie er abhob, wird diskutiert. Lief er gegen den Wind und warf sich dann in die Luft? Oder sprang er mit zwei Beinen hoch, um sich mit mächtigen Flügelschlägen in die Höhe zu schwingen? Eventuell setzte er auch die Ellenbogen mit ein, um sich mit einer komplexen Bewegung von Beinen, Armen und Flügeln in die Luft zu stoßen.

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Parasaurolophus, ein Dino mit Entenschnabel

Pflanzenfresser aus der Familie der Hadrosaurier

Größe: Länge zirka 10 Meter, Höhe zirka 3,5 bis 4 Meter, Gewicht bis 3 Tonnen (P. tubicen)

Besondere Merkmale: Wie alle Hadrosaurier flache und breite Schnauze mit mehreren hundert nachwachsenden Mahlzähnen. Langer, nach hinten zeigender und schwach gebogener Knochenzapfen am Kopf. Die gekammerten Hohlräume im Knochen könnten Resonanzräume sein, so dass die Tiere laute, niederfrequente Rufe abgeben konnten (lat. tubicen = der Trompeter). Ähnlich wie die Ohren von Elefanten könnten sie aber auch zur Wärmeabgabe gedient haben.

Lebensraum: USA (Utah und Neu-Mexiko) und Alberta, Kanada

Lebenszeit: obere Kreide, vor zirka 76 bis 72 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? Im Film gibt es eine Szene wie aus einem Western, in der Filmheld Owen Grady einen laut röhrenden Parasaurolophus mit einem Lasso einfängt. Das wäre nicht empfehlenswert, weil die Tiere mindestens doppelt so schwer waren wie ausgewachsene Rinder. Das Risiko schwerer Verletzungen von Mensch und Saurier wäre damit extrem hoch.

Eine romantische Vorstellung ist zudem, dass große Parasaurolophus-Herden wie gezeigt über die damals fruchtbaren Ebenen zogen und sich dabei mit Tönen wie aus einem Nebelhorn verständigten.

Und sonst so? Bisher sind drei Arten nachgewiesen (P. walkeri, P. tubicen und P. cyrtocristatus).

Es gibt zwar vergleichsweise viele Hadrosaurierfossilien aller Art, doch von den Parasaurolophus-Arten hat man jeweils nur eine einstellige Zahl an Schädeln gefunden. Ein vollständiges Skelett fehlt. Also weiß man nicht allzu viel über sie.

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Dilophosaurus, die Kragenechse der Urzeit

Fleischfresser, eventuell Fischfresser, früher Theropode, sehr entfernter Vorfahre der Raptoren

Größe: Länge zirka sechs bis acht Meter, Höhe etwa 2,5 Meter, Gewicht rund 500 Kilogramm

Besondere Merkmale: doppelter Knochenkamm auf dem Kopf, möglicherweise bei männlichen Echsen anders ausgeprägt als bei weiblichen. Körperbauplan ähnlich des T. Rex oder der Raptoren

Lebensraum: Arizona, USA

Lebenszeit: Jura, vor gut 195 Millionen Jahren

Wie korrekt ist der Dino in »Jurassic World« dargestellt? In der »Jurassic Park«-Filmreihe müssen die Dilophosaurier ihren Namen für gänzlich andere Monster hergeben. Sie tauchen hier als kleine Dinosaurier mit aufstellbarem Halskragen auf. Offenbar hat sich Michael Crichton, der Autor der Buchvorlage, von der australischen Kragenechse inspirieren lassen. Und weil sich Dramatik immer noch steigern lässt, spucken die Filmechsen ihren Gegnern oder ihrer Beute Gift in die Augen. Auch hier gibt es ein lebendes Vorbild: die Speikobras. Mit dem Dilophosaurus der Jurazeit hat das alles wenig zu tun.

Zu unterschätzen waren Dilophosaurus dennoch nicht. Der wirkliche Dilophosaurus würde die Filmversion zum Frühstück vertilgen, wie die Paläontologen Matthew Brown und Adam Marsh im Magazin »Scientific American« erklären.

Und sonst so? Dilophosaurus lebte im frühen Jura, und damit vor der Zeit der Riesenechsen. Tatsächlich war er damals das größte Landtier, das zu dieser Zeit in Nordamerika nachgewiesen wurde. Die Echse lief bereits ausschließlich auf den Hinterbeinen, die Vorderbeine waren verkürzt, wenn auch nicht in dem Maße wie bei dem mehr als 100 Millionen später lebenden T. Rex.

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Das Fazit zu den »Jurassic World«-Sauriern?

Die Macher des aktuellen »Jurassic World« hatten einige Freiheiten, ohne den wissenschaftlich gesicherten Rahmen zu sprengen. Wenn nur wenige unvollständige Exemplare existieren, weiß schließlich niemand, ob das erste beschriebene Exemplar ein einigermaßen durchschnittliches Tier seiner Art war. Noch viel weniger ist über das Verhalten bekannt. Selbst wissenschaftlich begleitete Dokumentationen wie die berühmte BBC-Serie »Dinosaurier – im Reich der Giganten« müssen sich in weiten Teilen auf Vermutungen stützen.

Zudem verändern Arten sich ständig. Je nach den Anforderungen und Veränderungen der Umwelt wechseln sich Phasen schneller und langsamer Evolution ab. Und es lässt sich kaum sicher feststellen, wann und wie lange eine Art gelebt hat. Das Alter einer Lagerstätte lässt sich bestenfalls auf einige tausend oder zehntausend Jahre genau bestimmen.

Manche dürften dennoch zu Recht behaupten: Den Filmsauriern hätte weniger Drama gutgetan. Stattdessen hätten Trevorrow und Crew sich mehr Zeit für die spannende Frage nehmen sollen, ob Dinosaurier dem Überlebenskampf in der modernen Welt gewachsen wären. Kann ein T. Rex beispielsweise seine Eier gegen hungrige Nagetiere verteidigen? Wie kommt das Immunsystem der Dinos mit den heutigen Bakterien zurecht? Und würden Raptoren in unserer vergleichsweise kalten Welt nicht sehr schnell erfrieren?

Man entschied sich dagegen und verfolgt lieber das alte, vermeintliche Erfolgsrezept: gute Helden gegen böse Schurken, angereichert mit viel rasanter Action. Die Drehorte erinnern an »James Bond«-Filme, der ständig ins Bild gerückte Hut von Dr. Ian Malcolm an Indiana Jones, die Monsterkämpfe an »Godzilla« und »King Kong«. Nichts gegen ausgiebige Filmzitate, aber wenn eine eigene Handschrift und ein eigenes Thema fehlen, wirkt der Film eher wie ein überlanges Déjà-vu. Auch die – sehr gut animierten – Dinos sind leider nicht mehr als exotische Monster, mit denen die Helden fertig werden müssen. Und das ist zu wenig. Aber vielleicht stellt ja der nächste Film der Reihe erneut die spannende Frage in den Mittelpunkt, ob die Dinosaurier wieder die Herren der Welt werden, wenn man ihnen nur die Gelegenheit dazu gibt.

»Jurassic World – ein neues Zeitalter« ist seit dem 8. Juni 2022 in Deutschland im Kino zu sehen und ab dem 25. August 2022 auf Blu-ray erhältlich.

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