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Fischereibiologie: Kabeljau-Bestände seit den 1850er Jahren um 96 Prozent zurückgegangen?

Kabeljau
Der Bestand an Kabeljau auf dem kanadischen Schelf unterliegt einem viel stärkeren Schwund als ursprünglich angenommen, sagen Wissenschaftler des internationalen Programms zur Erforschung der Artenvielfalt, Verteilung und Häufigkeit mariner Organismen (CoML). Sie stützen sich dabei auf die ersten Aufzeichnungen, die hinsichtlich der Kabeljaubestände vor Kanadas Küste gemacht wurden: Fangprotokolle von US-amerikanischen Schonern aus den 1850er Jahren, die bereits für diesen Zeitraum eine Überfischung belegen.

Als Beispiel wird ein Bericht aus dem Jahre 1852 angeführt, nach dem eine achtköpfige Besatzung mit Handleinen, jeweils mit zwei Haken bestückt, etwa tausend Exemplare gefangen hat. Nur ein paar Jahre später, sagt ein Bericht eines anderen Kapitäns aus dem Jahre 1859, konnten mit Leinen die mit mehreren hundert Haken versehen waren, nur 130 Stück erbeutet werden.

Das deutet darauf hin, dass weltweit womöglich auch andere Fischarten viel stärker als angenommen überfischt wurden, denn bei der Beurteilung der aktuellen Populationen werden oft nur Zahlen der 1970er und 1980er Jahre betrachtet. Die Bestände waren aber offensichtlich vor der damaligen Einführung der technisierten Fischerei schon erheblich reduziert. Die Forscher schätzen den Kabeljau-Bestand im Jahre 1852 auf 1,26 Millionen Tonnen. Eine gigantische Menge im Vergleich zu den heutigen 50 000 Tonnen.

Der nordatlantische Kabeljau wird von Nationen wie den USA, Kanada, Island, Norwegen, England und Russland überfischt. Er ist zum Symbol für den Niedergang vieler kommerziell genutzter Fischarten geworden.

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