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Sinnesphysiologie: Kälterezeptor entlarvt

Kältereize, aber auch Menthol nehmen Nager über spezialisierte Rezeptoren aus der Familie der TRP-Ionenkanäle wahr, berichtet ein Wissenschaftlerteam um David Julius von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Das Team hatte Mäuse ohne TRPM8-Rezeptoren gezüchtet und festgestellt, dass die Tiere nicht mehr gut auf niedrige Temperaturen reagierten. Damit bestätigten die Wissenschaftler fünf Jahre alte Ergebnisse, die in TRMPM8 an isolierten Nervenzellen im Labor bereits einen Kälte- und Mentholrezeptor erkannt hatten.

TRP-(transient receptor potential)-Kanäle sind bekannte Thermorezeptoren und reagieren etwa auf Hitze oder Capsaicin, den Scharfstoff im Chilli. TRPM8 von Maus und Mensch öffnet dagegen Kationenkanäle der Neuronen, wenn er Temperaturen unter 27 Grad Celsius ausgesetzt wird. Im Körper scheint der Rezeptor, wie Verhaltensexperimente mit den TRPM8-losen Nagern zeigten, auch die schmerzlindernde Wirkung von Kälte zu vermitteln. Schmerzreize, die ihrerseits durch extreme Kälte ausgelöst werden, werden allerdings nicht durch den Kältesensor ausgelöst.

Da die Mausmutanten ohne Kälterezeptoren weiterhin, wenn auch stark abgeschwächt, auf niedrige Temperaturen reagieren, vermuten die Wissenschaftler ein noch unbekanntes unabhängiges Kälte-Messsystem, das in geringem Umfang den Funktionsausfall von TRPM8 kompensieren kann.

Die Gene zum Bau des Kälterezeptors finden sich bei Menschen wie bei Ratten und Mäusen. (jo)
01.06.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01.06.2007

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