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Kakapos: Eine Hand voll Flausch

Die Brutsaison der Kakapos ist in vollem Gange. Bislang können sich die Artenschützer über reichlich Küken freuen. Doch ein Problem bleibt.
Eine Person hält einen kleinen, flauschigen Vogel in einem blauen Stoffbeutel. Der Vogel schaut aus dem Beutel heraus. Die Szene ist bei schwachem Licht aufgenommen, möglicherweise im Freien. Der Hintergrund ist unscharf und dunkel, was auf eine nächtliche Umgebung hindeutet.
Ein frisch geschlüpftes Kakapo-Küken wird gewogen.

Es ist erst 30 Jahre her, da standen die neuseeländischen Kakapos kurz vor dem Aussterben: 1995 zählten Wissenschaftler nur 51 Exemplare der Papageienart, darunter gerade einmal 20 Weibchen. Inzwischen hat sich die Lage deutlich verbessert, und in der bisherigen Brutsaison 2026 ermittelte das Team um den Artenschutzkoordinator Andrew Digby vom New Zealand Department of Conservation bereits mindestens 59 Küken der bedrohten Spezies – und damit mehr als den Gesamtbestand zu Beginn des Zuchtprogramms. Allein in der Woche seit dem 27. Februar 2026 schlüpften 26 Jungtiere, und weiterer Nachwuchs wird erwartet. Digby und Co. hoffen, dass der Weltbestand der Kakapos nach dieser Brutsaison von den 236 Tieren Anfang des Jahres auf über 300 ansteigt: Es wäre ein Meilenstein für das Programm.

Kakapos brüten nur alle zwei bis vier Jahre, wenn ihre bevorzugten Nahrungspflanzen ein sogenanntes Mastjahr erleben: Dann fruchten die Rimu-Harzeiben (Dacrydium cupressinum) der Inseln im Südpazifik massenhaft und gewährleisten, dass Mütter und Küken ausreichend mit Energie versorgt werden. 2026 sieht es dafür sehr vielversprechend aus, da 50 bis 60Prozent aller Harzeiben auf den drei Inseln fruchten sollen, auf denen alle verbliebenen Kakapos leben – weit mehr als für eine erfolgreiche Aufzucht nötig sind. Die Prognosen sahen also bereits zum Jahreswechsel 2025/26 günstig aus, und die Wissenschaftler beobachteten eine rege Balz und zahlreiche Paarungen.

Um Weibchen anzulocken, scharren männliche Kakapos Mulden in den Boden, die wie natürliche Resonanzverstärker wirken. Dann rufen sie mit sehr tiefen Tönen, dem sogenannten Boomen, das kilometerweit trägt. »Man hört sie nicht wirklich, sondern spürt sie eher in der Brust«, sagte Andrew Digby gegenüber »Scientific American«. Manche Männchen sind dabei aktiver als andere, weshalb viele Paarungen auf nur wenige Tiere zurückgehen. Manche waren in der Vergangenheit bereits so aktiv wie der Kakapo Blades, der deswegen zwischenzeitlich auf eine Junggeselleninsel gebracht wurde: Er hatte seit 1982 mindestens 22 Küken gezeugt und damit den Genpool eines großen Teils der Population mitbestimmt. »Er war zu beliebt«, so Digby zu »Scientific American«. Um eine möglichst hohe genetische Vielfalt zu erhalten, achten die Wissenschaftler darauf, dass möglichst viele Kakapos ihr Erbe weitergeben.

Hohe Zahl an unfruchtbaren Eiern

Das ist auch dringend nötig, da der Bestand der Papageien bereits durch einen genetischen Flaschenhals gehen musste: Die Zahl der Überlebenden war sehr klein, auch wenn diese prinzipiell eine gute Genausstattung mitbrachten. Dennoch macht sich dieser Flaschenhals bemerkbar, etwa bei der Fruchtbarkeit. Viele der 2026 gelegten Eier sind wie in vorherigen Brutjahren unfruchtbar. Von 245 Eiern, die bis zum 6. März gelegt wurden, erwiesen sich knapp 100 als unbefruchtet. Weitere 36 Küken starben bereits im Ei ab.

An dieser Stelle befindet sich eine Bildergalerie, die gedruckt leider nicht dargestellt werden kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Angesichts der wachsenden Zahl an Kakapos betreuen Digby und sein Team die Tiere allerdings nicht mehr so eng wie noch in der Brutsaison 2022: Sie beobachten manche der Weibchen nur aus der Ferne und kontrollieren andere Nester seltener, um ein natürlicheres Brutgeschehen zu ermöglichen. Dennoch greifen die Wissenschaftler dann und wann ein: Sie besamen manche der Weibchen künstlich mit den Spermien genetisch besonders wertvoller Männchen, tauschen Eier aus und schieben sie erfahreneren Müttern unter, damit diese die Küken aufziehen können. Außerdem überwachen sie intensiv den Gesundheitszustand der Tiere, denn Kakapos sind empfänglich für Kloakenentzündungen, die unbehandelt zum Tod führen können.

Bei Bedarf füttern die Betreuer allerdings auch zu, denn Kakapo-Mütter müssen sich nach dem Schlüpfen der Küken allein um ihre Zöglinge kümmern. Dazu klettern sie bis in die Kronen der Harzeiben, um die Früchte zu pflücken. Und wie bei den Männchen gibt es bei den Weibchen besonders erfolgreiche Exemplare. Diese »Supermütter« wie Nora oder Rakiura ziehen in jeder Brutzeit sehr erfolgreich Jungtiere groß – Nora bereits 13-mal seit 1981. Und Rakiuras Bemühungen lassen sich über eine Webcam live verfolgen. Im Gegensatz zu den Vorjahren sollen dann nicht mehr alle überlebenden Küken einen eigenen Namen bekommen. Zum Bestand gezählt werden sie offiziell, wenn sie 150 Tage alt und damit flügge geworden sind.

Bedroht durch eingeschleppte Fressfeinde

Der Schutz der Kakapos gehört zu den zeitintensivsten und kostspieligsten Projekten der neuseeländischen Naturschutzbehörden. Allerdings sind die Vögel auch so etwas wie ein lebendes Fossil und die urtümlichste Papageienart der Erde. In den 1970er Jahren waren nur noch männliche Überlebende bekannt; erst später fand man noch einmal Weibchen. Eingeschleppte Fressfeinde wie Katzen, Ratten oder Marder gefährden weiterhin das Überleben. Alle bekannten Kakapos leben daher auf Inseln, auf denen zuvor die invasiven Säugetiere ausgerottet wurden. Diese Refugien werden streng überwacht, damit sich dort nicht wieder Raubtiere ansiedeln, die das Schutzprogramm zunichte machen könnten.

Der Platz ist jedoch begrenzt, weswegen weitere Inseln von den potenziellen Fressfeinden befreit werden sollen, damit dort Kakapos – und andere bedrohte Arten – angesiedelt werden können. Langfristiges Ziel ist daher nicht nur, einen sich selbsterhaltenden Bestand der Vögel aufzubauen, sondern sie vielleicht eines Tages wieder auf die neuseeländischen Hauptinseln zurückbringen zu können – wo einst wahrscheinlich Hunderttausende von ihnen gelebt haben.

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