Direkt zum Inhalt

News: Kaltblütig heißt nicht gefühllos

Auch Leguane haben Gefühle. Die sogenannten 'kaltblütigen' oder wechselwarmen Tiere können eine Art 'Beziehung' zu ihren Haltern aufbauen. Zumindest Fido, ein Labormaskottchen aus Philadelphia, macht bei der Begrüßung kleine, aber feine Unterschiede.
Scott McRobert und seine Kollegen von der Saint Joseph's University in Philadelphia machten oft Scherze darüber, daß ihr Laborleguan "Fido" nur ruckartig den Kopf bewegt, wenn sich McRobert nähert, und dagegen Fremde völlig ignoriert. Um die Vermutung abzusichern, daß Fido seinen Halter erkennt, entwarfen sie ein Experiment für das zwölf Jahre alte Tier. Außerdem wollten sie sein Verhalten gegenüber einem Studenten testen, der sich vor vier Jahren um ihn gekümmert hatte.

McRobert, der Student und vierzig Freiwillige, die Fido nicht kannte, lasen ihm abwechselnd Geschichten aus einem Kinderbuch vor. Die Leser saßen entweder direkt vor dem Terrarium oder hinter einem Wandschirm, und sie lasen entweder laut oder leise. Gleichzeitig notierte ein Forscher die Anzahl von Fidos Auf-und-Ab-Nicken. Auf diese Art und Weise konnten die Wissenschaftler untersuchen, ob sich Fido an der Stimme oder am äußeren Erscheinungsbild orientiert.

Die Ergebnisse sind deutlich. Wenn Fido die Leser sehen, aber nicht hören konnte, dann nickte er nahezu gleich häufig bei McRobert und dem Studenten. Fremde übersah er geflissentlich. Konnte Fido die Geschichten hören, dann nickte er für McRobert jedoch dreimal so oft wie für den ihm bekannten Studenten. "Visuelle Merkmale reichen für ihn aus, um Individuen zu erkennen", sagt McRobert. Er vermutet aber, daß Fido seine Reaktion über akustische Informationen noch genauer abstimmt.

McRobert, der seine Studie im Juni 1999 bei einer Versammlung der Animal Behavior Society in Lewisburg vorgestellt hat, ist sich ziemlich sicher, daß sie zum ersten Mal wissenschaftlich nachgewiesen haben, daß eine Echse Menschen wiedererkennen kann.

Das Nicken des Leguans sollte jedoch nicht als Liebesbeweis mißverstanden werden. Normalerweise handelt es sich dabei um eine Drohgebärde, die einen Eindringling im Revier abschrecken soll.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte