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Ökologische Koevolution: Rüsselwurm erfand Lifestyle der Einsiedlerkrebse

Einsiedlerkrebse leben gut geschützt in den Schalen von Weichtieren. Die Ersten waren sie aber nicht: Lange vor ihnen kam eine besondere Art Wurm auf dieselbe Idee.
Kambrisches Idyll: Rüsselwurm in Schale

Was Einsiedlerkrebse können, konnten die dezent penisförmigen Priaps- oder Rüsselwürmer offenbar schon vor rund 500 Millionen Jahren: Muscheln- und Schneckenschalen als Behausung zweitverwerten. Den Beweis hat ein internationales Team von Forschenden bei der genauen Auswertung von Fossilien der Guanshan-Ablagerungsstätte in China aus dem Kambrium erbracht. Sie berichten im Fachblatt »Current Biology« von vier auffallend ähnlichen Abdrücken der Würmer in Weichtierschalen.

Die Rüsselwürmer der Gattung Eximipriapulus hatten zu Lebzeiten offensichtlich in den konisch geformten Schalen von Hyolithen gehaust, einer ausgestorbenen Gruppe von schneckenähnlichen Wesen aus dem Kambrium mit eher unklarer Stellung im Tierreich. Man wirft sie heute mit Weichtieren und Armfüßern in die große Verwandtschaftsgruppe der Lophotrochozoen. Vermutet wird bislang, dass die Tiere im Kambrium in Rüsselwürmern ihren größten Feind hatten – unter anderem, weil beide Gruppen in Fossilstätten häufig gemeinsam auftauchen.

Womöglich haben die Rüsselwürmer aber die Urschnecken nicht nur gejagt und verspeist, sondern sie vor allem auch als Rüstung gegen eigene Feinde recycelt, schreiben nun Martin Smith und seine Kolleginnen und Kollegen. Dies sei zumindest die beste Erklärung für die Fundsituation: »Die Tiere sitzen stets fein säuberlich in identischen Positionen in den Schalen«, sagt Smith. Es sei erstaunlich, dass diese Art der Interaktion schon kurz nach der kambrischen Explosion zu beobachten war, in der viele der Tierstämme ihren Anfang nahmen. Bisher hatte man das Schalenrecycling erst in der Ära der Dinosaurier gefunden: nach dem sprunghaften Anstieg neuer mariner Arten im Mesozoikum, als frühe Einsiedlerkrebse begannen, Schalen als Zuhause zu benutzen.

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