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Kambrium: Was fraß dieses bizarre Tier?

Die kambrische Tierwelt war eine außergewöhnliche. Wovon sie sich ernährte, ist häufig unklar. Fossilien deuten nun zumindest eine Nahrungsquelle an.
Eine 3D-Darstellung eines kambrischen, wurmartigen Wesens mit einem langen, segmentierten Körper. Der Körper ist mit mehreren stachelartigen Fortsätzen versehen, die nach oben ragen. Das Wesen hat zahlreiche beinartige Anhänge, die sich nach unten erstrecken. Die Oberfläche ist texturiert und weist eine erdige Farbgebung auf. Der Hintergrund ist schwarz, um das Wesen hervorzuheben.
Hallucigenia gehört zu den wahrhaft eindrucksvollsten Wesen aus der an Exoten reichen Fauna des Kambriums.

Vor rund 540 Millionen Jahren kam es zur kambrischen Explosion: einer erdgeschichtlichen Phase, während der in geologisch vergleichsweise kurzer Zeit Vertreter fast aller heutigen Tierstämme entstanden. Unter den zahlreichen außergewöhnlichen Arten befand sich auch eine Art namens Hallucigenia, die wie ein Fabelwesen aussah. Die Untersuchung von Fossilien, die bereits in den 1970er Jahren gefunden worden waren, könnte nun Hinweise darauf geben, was diese Meeresbewohner gefressen haben. Das zumindest behauptet Javier Ortega-Hernández von der Harvard University in einer noch nicht veröffentlichten Studie auf dem »bioRxiv«.

Die Versteinerungen wurden 1977 im Burgess-Schiefer in Kanada gefunden, der bekannt für seine zahlreichen Fossilien aus dem Kambrium ist. Anhand dieses Exemplars wurde Hallucigenia erstmals beschrieben, wobei die ersten Wissenschaftler dieses versehentlich auf den Rücken drehten: Sie hielten die dornenartigen Fortsätze am Rücken für Beine und die tentakelartigen Gliedmaßen am Bauch für rückseitige Auswüchse. Im Umfeld der erhalten gebliebenen, circa fünf Zentimeter langen Hallucigenia bemerkte Ortega-Hernández bei genauem Hinsehen aber noch die Überreste von gallertartigen Organismen mit weichem Körper, die sie als Rippenquallen (Ctenophora) identifizierten.

Über diese Qualle hinweg machte er schließlich insgesamt sieben Individuen von Hallucigenia aus. Das führte zur Vermutung, dass sich die Tiere über eine tote Qualle hermachten, die auf den Meeresboden gesunken war. Womöglich saugten die Hallucigenia-Vertreter die Überreste auf. Eine frühere Studie hatte allerdings bereits gezeigt, dass diese Wesen zahnartige Elemente in ihrem Mundbereich besaßen. Da sie in relativ großer Tiefe des Meeres lebten, würde Resteverwertung durchaus Sinn machen: Auch heute noch ernähren sich viele Arten der Tiefsee von Aas und anderem organischen Material, das aus höheren Bereichen der Ozeane hinabsinkt.

Jean-Bernard Caron vom Royal Ontario Museum in Toronto war dem »NewScientist« gegenüber von dieser Hypothese weniger überzeugt. Nur weil man die Tiere zusammen gefunden habe, bedeute dies noch nicht, dass sie in einer ökologischen Beziehung gestanden haben müssten – etwa als Aasverwerter und Nahrung. Vielleicht habe eine Schlammlawine beide nur gemeinsam verschüttet. Oder die Hallucigenia-Vertreter hätten sich einfach nur gehäutet, als sie starben: Die gallertartige Substanz war dann womöglich nur ihr schutzloser Körper.

  • Quellen
Ortega-Hernández, J., bioRxiv 10.64898/2025.12.28.696761 , 2026

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